Tübingens grüner Bürgermeister Boris Palmer ging schon immer gern eigene Wege und legte sich auch mit seiner eigenen Partei an. Mit seinem Tübinger Modell schickte er jetzt tausende Menschen grundlos in Quarantäne.

Ohne einen negativen Corona-Schnelltest darf keine Schule und kein Geschäft betreten werden. Das Experiment, das sich nach den Plänen der türkis-grünen Regierung anhört, findet derzeit im deutschen Tübingen statt. Dort wird auf Teufel komm raus getestet. Kritiker dieses Modells, die lieber harte Lockdowns favorisieren, sehen an den derzeit steigenden Inzidenz-Werten in der Universitätsstadt eine Bestätigung für ihre Lockdowns. Aus der Stadt hingegen wird darauf hingewiesen, dass bei vielen Tests auch logischerweise die Zahlen steigen müssen.

Tests für den Einzelhandel

Zwar darf der Einzelhandel öffnen, in der Tübinger Innenstadt dürfen die Geschäfte jedoch nur von Personen mit einem negativen Test betreten werden – ausgenommen sind jene, die auch während eines Lockdowns offen haben dürfen. Im gesamten weiteren Stadtgebiet gilt die Testpflicht für Friseure und andere körpernahe Dienstleistungen. Aber auch Außengastronomie, wie Biergärten sind nur mit negativem Test zugänglich. Um also in den Genuss des Einkaufens in der Innenstadt zu kommen, muss man einen Schnelltest machen und sich ein „Tagesticket“ ausstellen lassen. Viele Bürger finden allerdings die vom Bürgermeister verordneten Regeln nicht sinnvoll und tun dies auch in sozialen Medien, wie Facebook kund. Vom Stadtoberhaupt werden sie dafür allerdings beschimpft.

Maske und andere Schikanen bleiben

Wer jedoch glaubt, durch die Testschikane wäre alles wieder wie vor Corona, irrt. Denn neben der Testpflicht bleiben Abstand und Maske erhalten. So gilt in der Innenstadt und auch beim Einkaufen weiterhin eine Maskenpflicht. Getragen werden müssen entweder OP-Masken oder FFP2-Masken. Und auch im Auto – sofern sich Personen aus mehr als zwei Haushalten darin aufhalten – in Fußgängerzonen oder auch in Schulen und Kindertagesstätten – für Kinder ab sechs Jahren – ist die Maske verpflichtend.

Vom Spaß Menschen in Hausarrest zu schicken

Aber auch die Genauigkeit der Tests ist Grund für Nachfragen. In den sozialen Medien auf diesen Umstand angesprochen, ob es ihm Spaß machen würde, gesunde Menschen aufgrund falsch-positiver Testergebnisse in den Hausarrest zu schicken, antwortet der Bürgermeister mit einem lapidaren „Ja“. Damit löst er einen veritablen Shitstorm aus, einige zweifeln auch an seiner weiteren Tragbarkeit als Stadtchef von Tübingen. Nach der, von den Grünen immer wieder propagierten Bürgernähe sieht das Internet-Intermezzo wahrlich nicht aus.

Wie viele Bürger grundlos eingesperrt?

Allerdings sind die Zweifel an dem Feldversuch in Tübingen nicht unbegründet. Denn die Schnelltests sind alles andere als genau – und Personen, die ein positives Testergebnis haben, müssen sich umgehend in Quarantäne begeben, einschließlich aller im Haushalt lebenden Personen – und nur ein PCR-Test kann sie wieder befreien. Der Chef des Robert-Koch-Institutes Lothar Wiehler gab erst unlängst in einer Pressekonferenz bekannt, dass mindestens jedes zweite Testergebnis falsch war – und das, obwohl die Tests von geschultem Personal durchgeführt wurden.

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