Experten rechnen Für Deutschland im Herbst mit einem starken Anstieg von Insolvenzen. Schuld seien auch die staatlichen Hilfsmaßnahmen.

218,5 Milliarden Euro will die Regierung der Bundesrepublik an in diesem Jahr an neuen Schulden aufnehmen. Mehr als 60 Milliarden Euro sollen zur Finanzierung des Corona-Konjunkturpaketes dienen, welches unter anderem eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer und ein Bonus für Familien mit Kindern vorsieht. Außerdem können kleine und mittelständische Unternehmen, die von der Corona-Krise besonders hart getroffen sind, Überbrückungshilfen von insgesamt 25 Milliarden Euro erhalten. Damit soll versucht werden, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und Unternehmen vor der Pleite zu bewahren.

Kommt Pleitewelle trotzdem?

Statistisch gesehen sieht es auch derzeit nicht so schlecht aus. Im ersten Halbjahr 2020 verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr um 8,2 Prozent auf 8.900 Fälle. Die Schäden durch die knapp 9.000 Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr bezifferte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf rund 12 Milliarden Euro – was der höchste Wert seit Jahren sei. Bei den betroffenen Unternehmen und deren Umfeld seien rund 125.000 Arbeitsplätze bedroht oder bereits weggefallen. Und auch für die Zukunft sieht „Creditreform“ die Lage weniger rosig, sollte sich die Wirtschaft nicht schnell von dem Corona-bedingten Konjunktureinbruch erholen. Nach Meinungen der Fachleute könnten im Herbst „eine Insolvenzwelle von bisher nicht gekannten Ausmaß“ über Deutschland hinwegrollen. Nach der Meinung vieler Experten könnte es einen Anstieg um bis zu 20 Prozent bei Unternehmenspleiten geben.

Grund sind staatliche Hilfen

„Das Insolvenzgeschehen als Seismograf der ökonomischen Entwicklung hat sich von der tatsächlichen Situation der Unternehmen entkoppelt“, heißt es von Creditreform. Grund seien die Milliardenpakete, die der Staat bereits als Hilfen zur Verfügung gestellt hat, um schwache Unternehmen zu stützen. Außerdem hat der Staat auch die Insolvenzantragspflicht bis Ende September ausgesetzt. Die Maßnahmen seien offenbar in ihrer Wirkung über das Ziel hinausgeschossen und hätten auch einigen Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht erspart, die schon vor der Krise pleitegefährdet gewesen seien, urteilten Experten, zumal die Aussetzung der Insolvenzantragespflicht nochmals um ein halbes Jahr bis Ende März verlängert werden kann. Somit sei eine Pleitewelle nur vertagt worden und könnte umso härter in der zweiten Jahreshälfte oder zu Beginn des kommenden Jahres kommen.