Der größte Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD)  wird vom Verfassungsschutz überwacht.

Der Verband Atib (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa) gehört zu den Gründungsmitgliedern des 1987 gegründeten Zentralrats der Muslime in Deutschland. Atib ist auch der größte Mitgliedsverband des Zentralrats und stellt einen der drei stellvertretenden Vorsitzenden des Zusammenschlusses, der zu den vier großen Islam-Verbänden in Deutschland zählt.

Abspaltung der „Graue Wölfe“-Auslandsvertretung

Im aktuellen Verfassungsschutzbericht, den CSU-Innenminister Horst Seehofer vor wenigen Tagen vorstellte, wird der Verband Atib den Grauen Wölfen zugeordnet, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft werden. 1987 entstand die Atib als Abspaltung von der Auslandsvertretung der Grauen Wölfe, „ohne sich dabei oder in der Folge ideologisch neu auszurichten“, wie es im Verfassungsschutzbericht heißt.

Laut Verfassungsschutz „gehört die Atib heute nach wie vor der türkisch-rechtsextremistischen ‚Ülkücü‘-Bewegung an, steht im Vergleich zur ADÜTDF (Förderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland) aber für einen stärker islamisch-religiös orientierten Teil der Bewegung.“

Seehofer übernimmt Schirmherrschaft für Atib-Preis

Während Innenminister Horst Seehofer bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes noch betonte, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für die Sicherheit in Deutschland sei, übernahm er nun die Schirmherrschaft für einen Preis des Islamverbandes und empfing dazu die Führungsspitze des Zentralrats in seinem Ministerium.

Dessen Vizevorsitzenden stellt die Atib mit Mehmet Alparslan Celebi. Dieser schrieb vergangenes Jahr zum Einmarsch türkischer Truppen in Syrien auf Twitter: „Möge Allah Sie segnen und Sie mit seiner unsichtbaren Armee unterstützen“.

Trotz Mazyek-Distanzierung keine Konsequenzen

Damals distanzierte sich Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats von seinem Stellvertreter. Der Tweet sei „eine private Meinungsäußerung“ und gebe „nicht die Haltung des Zentralrats wieder“, so Mayzek, der weiter ausführte: „Bekanntlich lehnt der ZMD jede Form der kriegerischen Auseinandersetzung grundsätzlich ab. Mutmaßliche Gebete zu welchen Kriegsführungen auch immer haben auf der Moscheekanzel nichts verloren.“ Konsequenzen gab es aber offenbar keine, Celebi ist auf der Seite des Zentralrats nach wie vor als stellvertretender Vorsitzender aufgeführt.

Verwechslungsgefahr unter radikalen Türken-Vereinen

Nicht zu verwechseln ist die Deutsche Atib mit dem ähnlich abgekürzten Verein in Österreich, der die Türkisch-Islamische Union in Österreich (Atib Union). Diese stellte mit Ibrahim Olgun von 2016 bis 2018 den Vorsitzenden der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) und steht ebenfalls in der Kritik – allerdings ähnlich ihrer deutschen Schwesterorganisation DITIB wegen eines Näheverhältnisses zur AKP des türkischen Präsidenten Erdogan.

Dennoch sind die „Grauen Wölfe“ auch in Österreich aktiv. Für Aufregung sorgen dabei immer wieder Kontakte vor allem der SPÖ zu Vertretern der umstrittenen Gruppierungen in diesem BereichWochenblick berichtete kürzlich darüber.