Immer mehr Unternehmen kommen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und müssen Umstrukturierungen vornehmen oder gleich Insolvenz anmelden. Dabei sind die wahren Ausmaße der Corona-Maßnahmen überhaupt noch nicht abzuschätzen und werden durch die Regierung verzögert.

In der ersten Jännerhälfte erklärte das Modeunternehmen Adler, welches auch mit 24 Filialen in Österreich vertreten ist, dass es Insolvenz anmelden müsse. Nur wenige Tage später gab auch die Deutsche Confiserie Holding bekannt, insolvent zu sein. Zu ihr gehören unter anderem auch die Süßwarenhersteller Hussel, Arko und Eilles. Allerdings versucht die Kette sich in Eigenverwaltung zu sanieren und die Marken zu erhalten. Vor der Bekanntgabe der Adler-Insolvenz waren zuvor schon weitere Textilhändler in die Insolvenz geraten und versuchen sich derzeit zu sanieren, darunter auch Esprit, Galeria Karstadt Kaufhof, Sinn, Appelrath Cüppers, Hallhuber.

China kauft sich billig ein

Schon im Dezember war auch der Hamburger Modeherstellter Tom Tailor durch die Corona-Maßnahmen in finanzielle Bedrängnis geraten. Die Bundesregierung und das Bundesland Nordrhein-Westfalen übernahmen eine Bürgschaft in Höhe von 100 Millionen Euro. Schließlich wurde Tom Tailor allerdings von dem chinesischen Konzern Fosun International Limited für den Kaufpreis von nur einem Euro übernommen, allerdings unter der Maßgabe, dass bis Mitte 2021 90 Prozent der Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Mindestens 24.000 Insolvenzen erwartet

Das eine Pleitewelle noch kommt, halten viele Experten mittlerweile für sicher. So sank im Jahr 2020 die Zahl der Insolvenzen auf 16.300 Fälle, 13,4 Prozent weniger als noch 2019, als 18.830 Firmen in die Pleite schlitterten – und 2019 gilt als Hochkonjunkturjahr. Auch andere Zahlen zeigen, dass vieles im Argen liegt und Pleiten künstlich verschleppt werden. So gab es in Berlin im dritten Quartal 2020 laut dem Statistikamt Berlin-Brandenburg 270 Insolvenzverfahren, rund 18,9 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Allerdings stieg die Summe der geschätzten Forderungen um 4,7 Prozent auf 137,2 Millionen Euro an. Die Creditreform Rating AG geht daher bei ihren Schätzungen davon aus, dass 2021 mehr als 24.000 Unternehmen in die Insolvenz gehen werden. Zudem rechnen Experten auch mit einem Dominoeffekt. Denn durch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht können Geschäftspartner mögliche Zahlungsschwierigkeiten von Unternehmen nicht mehr abschätzen.

Zombie-Unternehmen durch Staatshilfen

Dass bisher die große Pleite-Welle ausblieb, dafür sind üppige Staatshilfen und eben das Aussetzen der Antragspflicht für Insolvenzen verantwortlich. Mußte bisher spätestens drei Wochen nach Eintritt eines Insolvenzgrundes auch ein Antrag gestellt werden. Diese Meldepflicht wurde im Zuge der Corona-Maßnahmen ausgesetzt. Während für Zahlungsunfähigkeit als Insolvenzgrund die Regelung seit Oktober nicht mehr gilt und ein Insolvenzantrag gestellt werden muss, wurde sie für überschuldete Firmen zunächst bis 31. Jänner und nun bis Ende April verlängert. Dies gilt allerdings nur, wenn bis 28. Februar Staatshilfen beantragt werden – wie etwa die Hilfen für November oder Dezember.

Weitere Hilfen bis zur Bundestagswahl?

Dieses Vorgehen der Bundesregierung wird von Wirtschaftsexperten schon länger kritisiert. Sie verweisen zum Teil darauf, dass damit Zombie-Unternehmen geschaffen werden, also Firmen, die eigentlich nicht wettbewerbsfähig sind und schon in der Insolvenz wären, künstlich am Leben erhalten werden. Angesichts der anstehenden Wahlen in Deutschland befürchten Experten, dass die Hilfen bis nach der Bundestagswahl im Herbst weiterfließen werden, da Rekordarbeitslosigkeit und Pleitewelle schlecht für den Wahlkampf sind. Einige glauben sogar, dass die Bundesregierung den Anstieg der Insolvenzen damit sogar bis 2022 hinauszögern könnte.