Zunehmend werden ethnische Konflikte auch in Deutschland ausgetragen. Seit Beginn des Krieges zwischen Armenien und Aserbaidschan kommt es vermehrt zu Drohungen gegen Armenier.

Seit der Konflikt um Bergkarabach im September wieder aufflammte und zum Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan führte, war auch eine zunehmende Eskalation zwischen den jeweiligen Gruppierungen in Europa festzustellen. Wie die „Welt“ berichtete, schrieb Aeroype Isakhanvan, Bischof der Armenischen Kirche in Deutschland, bereits am 9. November einen Brief an die Innenminister der deutschen Bundesländer. Darin heißt es: „Die ultranationalistischen türkisch-aserbaidschanischen Kreise versuchen, diese kriegerischen Eskalationen zum Anlass zu nehmen, den Konflikt auch nach Europa zu übertragen, indem sie auf den sozialen Netzwerken antiarmenische Hetzkampagnen führen und ihre Anhänger und Sympathisanten gegen die hiesigen Armenier aufhetzen“.

Neue Dimension der Bedrohung

Dabei reagierte der in Köln ansässige Kirchenmann allerdings auf Vorfälle, die sich seit dem Sommer zugetragen hatten. So auf den Brandanschlag auf die armenische Botschaft in Berlin am 23. Juli, zu dem auch die Berliner Polizei gegenüber den Medien verlautbarte: „Wir konnten nach unseren Ermittlungen feststellen, dass diese Tat unmittelbar im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien steht.“ Zuletzt kam es am 5. November in Hannover zu Übergriffen. Die Mitglieder der armenischen Marktkirche wurden derart bedroht, dass die Andacht mit einem Friedensgebet nur unter Polizeischutz stattfinden konnte.
Inzwischen erreicht die Bedrohungslage für die armenischen Christen jedoch eine neue Dimension. So schreibt der Bischof in seinem Brief weiter: „Nun bin ich von einigen unseren Geistlichen und von mehreren Gemeindemitgliedern darüber informiert worden, dass die ‚Grauen Wölfe’ Drohbriefe in die Briefkästen armenischer Bürger einwerfen“. In diesen Drohbriefen ist unter anderem zu lesen: „Wir stehen zu unseren Brüdern aus Aserbaidschan und wir werden nicht zulassen, dass ungläubige Hunde Armeniens in Deutschland in Frieden leben“, und weiter: „Wir kennen euch, wir wissen, wo eure Kinder sind, Tag und Nacht.“

Endlich Verbot von Erdogans „Fünfter Kolonne“

Wie bei den vorherigen Fällen hat auch bei den Drohbriefen, die an armenische Familien an mehreren Orten im Bundesgebiet zugestellt wurden, der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Zudem soll es auch zu Anrufen gekommen sein, bei denen armenische Aktivisten mit den Worten „Wir werden euch finden“ bedroht wurden. Offen ist allerdings auch noch, woher die Adressen stammen bzw. wie die Gruppierungen an sie gelangen konnten. Ob es allerdings bald zu einem Verbot der „Grauen Wölfe“ oder anderer Vereine kommt, ist fraglich. Zu gut sind sie inzwischen in der Bundesrepublik vernetzt und haben sogar Kontakte in die Bundespolitik. In Frankreich ist man da inzwischen einen Schritt weiter. Im Zuge des Kampfes gegen den radikalen Islam wurden dort die „Grauen Wölfe“ verboten.