Mit dem Auftakt des Ibiza-Untersuchungsausschusses am 4. Juni erwartet Österreich ein Medienspektakel der Sonderklasse. Der „Wochenblick“ hat exklusiv Einblick in jene Akten genommen, die die Republik beschäftigen werden.

Ein Bericht von Theresa Kramer

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Etliche Hausdurchsuchungen, polizeiliche Befragungen und Telefonüberwachungsprotokolle bieten eine Fülle an Material für den Untersuchungsausschuss. Offiziell geht es um den Verdacht des Postenschachers und der Vorteilsnahme.

Der Casag-Deal

Entsprechend der Aktenlage wird der wirkliche Fokus aber vor allem auf Heinz-Christian Strache liegen. 15 Jahre lang konnte er sich als der Superstar der heimischen Politszene manifestieren. Die Akten des Untersuchungsausschusses lüften dunkle Geheimnisse eines Heinz-Christian Strache, den so wohl nur die wenigsten kannten. Ein wesentlicher Punkt im Untersuchungsausschuss wird ein möglicher Deal mit dem Glücksspielkonzern Novomatic sein. Strache soll der Novomatic versprochen haben, sich für Glücksspiel-Lizenzen einzusetzen.

Daraufhin soll der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) die Bestellung von Peter Sidlo, der als enger Strache-Vertrauter galt, zum Finanzvorstand der „Casinos Austria AG (CASAG)“ intensiv betrieben haben. Wie aus dem Akt hervorgeht, liegt ein SMS-Verkehr zwischen Strache und Löger vor, der dies beweisen soll. Darin antwortet Löger auf Straches Dank für die „Unterstützung bezüglich CASAG“ mit einem Daumen-Symbol. Der U-Ausschuss soll klären, ob es zu Käuflichkeiten während der türkis-blauen Regierungszeit gekommen ist.

Der echte Oligarch

 

Igor K. gilt als der schillerndste Oligarch der Ukraine. Er verfügt über ein Imperium aus Pipelines, eigenen Fernsehsendern und der größten ukrainischen Fluglinie. Nebenbei soll er politische Karrieren ermöglichen – oder zerstören. Im Mai 2019 soll der Komiker Wolodimyr Selensky mit K.’s finanzieller Unterstützung zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden sein. K. soll in seinem Büro ein Haifischbecken haben, in das er per Knopfdruck lebendige Garnelen kippt, um damit seine Geschäftspartner bei Meetings zu begeistern. Strache war offenbar begeistert vom echten Oligarchen aus dem Osten. Deswegen soll ihm K. rund zwei Millionen Euro bezahlt haben, um ein Mandat für seinen österreichischen Geschäftsfreund Thomas Schellenbacher zu erwirken. K. habe sich wirtschaftliche Vorteile durch den gekauften Mandatar erwartet.

Straches Sicherheitsmann

Straches ehemaliger Sicherheitsmann Oliver R. hat dazu ausgesagt, dass er damit betraut war, Schellenbachers Unterschrift auf einem FPÖ-Mitgliedsformular einzuholen. Es sei daraufhin rückdatiert worden, um ein vorangegangenes, freiheitliches Engagement des Neo-Mandatars vorzutäuschen.

Der Sicherheitsmann spielt eine tragende Rolle im Ibiza-Krimi. Er soll in regelmäßigen Abständen Fotos und andere Beweise angefertigt haben, die Strache mittlerweile in Bedrängnis bringen. Diese hat er wiederum an den späteren Initiator des Ibiza-Videos weitergegeben, der damals noch sein Anwalt war.

Um sich abzusichern, wie er heute sagt. So fotografierte Oliver R. eine Sporttasche in Straches Auto die mit Bargeld-Bündeln gefüllt war. Sie soll an Strache für die Vermittlung des Schellenbacher-Mandats übergeben worden sein.

Ansonsten habe er den Spesenbetrug, den Strache über Jahre hinweg gegenüber der FPÖ begangen haben soll, dokumentiert.

Partei soll auch Ibiza-Aufenthalt bezahlt haben

 

Straches angeblicher Spesenbetrug soll die 40.000 Euro Grenze bei weitem überschreiten. Laut der ehemaligen Sekretärin Straches sei es üblich gewesen, dass seine privaten Rechnungen von der Partei bezahlt wurden. Die wiederum durfte aber nichts davon wissen. So wären mit Hilfe der Sekretärin sowie des Sicherheitsmanns Straches private Rechnungen gegen unauffälligere Essensrechnungen ausgetauscht worden, um ihm die Kosten über die Partei zurückzuerstatten.

Dabei habe ein luxuriöses Fischrestaurant aus der Wiener Innenstadt mit der Bereitstellung der Rechnungen ausgeholfen. Aus den Aufzeichnungen des Sicherheitsmanns geht hervor, wie gut es sich Strache angeblich auf Parteikosten gehen ließ. Vom Schulgeld der Kinder über Poolwartungen bis hin zum Familiengrab soll sich Strache alles von der Partei finanzieren lassen haben. Familie und etwaige Lebensgefährtinnen sollen dabei auch bedacht worden sein.

So liegen den Behörden Nachrichten seiner Ex-Frau vor, in denen sie der früheren Sekretärin mitteilt, dass sich der Sohn Straches einen Spielcomputer wünsche, den die Partei bezahlen solle. Die Affinität zum Spielen dürfte er vom Vater haben – so soll dieser monatlich mehrere tausend Euro für das Spiel „Clash of Clans“ verbraten haben. Da kam Straches (private) Putzfrau mit 73,76 Euro vergleichsweise günstig. Umso höher fielen dafür regelmäßige Reisekosten aus. So kosteten zwei Nächte auf Ibiza 3.528,74 Euro.

Von Gucci bis Zara: Philippa shoppte mit

 

Auch für Straches Frau Philippa soll der Geldregen mit dem umstrittenen 9.000-Euro-Gehalt für eine Tätigkeit, die ihrerseits immer als ehrenamtlich präsentiert wurde, nicht komplett sein. Mal soll sie für 520 Euro Blumen gekauft haben, mal einen Mantel in Geor­getown (Amerika) für 263,32 Dollar; und etliche weitere Gucci- und Zara-Rechnungen zeugen von regelmäßigem Shopping-Vergnügen in ähnlichen Dimensionen. Doch vollends glücklich scheint Frau Strache trotzdem nicht immer gewesen zu sein. So geht aus dem Akt hervor, dass Philippa Strache im Streit mit ihrem Gatten Uhren zerstört haben soll, für deren Reparatur ebenso die Partei aufgekommen sei.

Straches Liebesleben dürfte generell nicht immer einfach sein: Er habe seine Ex-Frau Daniela P. ein Jahr lang für rund 10.000 Euro auf Kosten der Partei beschatten lassen. Und bevor er mit Philippa liiert war, soll er einmal im Beisein seines Sicherheitsmanns mit 500-Euro-Scheinen vor einer Geliebten gewedelt und geprahlt haben.

Balkan-Party-Star

Die Balkan-Attitüden Straches sind längst bekannt. So präsentierte er sich in der Vergangenheit stolz als Träger eines serbischen „Brojanica“ Armbandes und besuchte Konzerte der serbischen Sängerin Svetlana „Ceca“ Ražnatović. Ihr werden Kontakte zur serbischen Mafia nachgesagt. Auch in der Ibiza-Affäre schlägt sich Straches Verbundenheit zur Wiener Serben-Community nieder: In mehreren Akten ist von einer vergangenen Affäre zu einer serbischen Party-Mäzenin Irena M. die Rede Deren rauschende Feste fanden nicht nur regelmäßig in hochherrschaftlichen Wiener Palais statt, sie gelten als Treffpunkt illustrer, osteuropäischer Kreise.

Gleichzeitig handelt es sich bei M. um jene Immobilienmaklerin, die den verhängnisvollen Kontakt zur falschen Oligarchin eingefädelt hat. Nachdem Strache frisch verliebt mit Philippa auf einem ihrer „skandalösen“ Events auftauchte, soll M. regelrecht ausgerastet sein. Obwohl sie später einen erfolgreichen Immobilien-Investor heiratete, sei sie nie wirklich über die Trennung von Strache hinweggekommen.
Anders ging es da der FPÖ. Die hat sich offenbar endgültig von Strache getrennt.

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