Die drei Schüsse, die im Rahmen einer standrechtlichen Erschießung am 9. November 1848 im Wiener Vorort Brigittenau das Leben des Revolutionärs Robert Blum beendeten, begründeten nicht nur den 9. November als Schicksalstag der Deutschen, sondern setzten auch einen Schlusspunkt unter die bürgerlich-demokratisch motivierte Revolution von 1848 im Kaisertum Österreich.

Gastkommentar von Stefan Magnet

Nicht nur trotz, sondern gerade wegen des Scheiterns dieser Revolution lohnt es, sich die politischen Forderungen des bürgerlichen Widerstands gegen die Willkürherrschaft der Habsburger-Monarchie noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Volksbewaffnung, ein deutscher Natio­nalstaat.

Der Geist und der Wille zur Freiheit, den die bürgerlichen Revolutionäre von 1848 in sich trugen, muss uns heute, wo diese Freiheiten durch Political Correctness, Cancel Culture und Denkverbote wieder vielerorts in Gefahr sind, Auftrag und Antrieb zugleich sein. Bürgerlich zu sein, heißt frei zu sein.

Bedrohte Freiheit stets mit Mut verteidigen!

Wo diese Freiheit bedroht ist, gilt es, sie zu verteidigen. Nicht mit Waffen, sondern mit dem Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Mit dem Fleiß und der Entschlossenheit, die es braucht, um sich der Vorfahren als würdig zu erweisen und den Nachfahren ein Vorbild zu sein. Mit dem Geist und der Bildung, die nötig sind, um unserer deutschen Kultur Bestand und Anerkennung zu verschaffen.

Ein zu Unrecht „verbrannter“ Begriff

Dem Begriff des „Bürgerlichen“ haftet heute ein Hauch von Spießbürgertum, von Kleinkariertheit und duckmäuserischer politischer Mitte an, was dem Umstand geschuldet ist, dass die christ-demokratischen Erben des Austrofaschismus diesen Begriff für sich reklamiert haben: in ihrer Kleinkariertheit, in ihrem Spießbürgertum!

Diese Okkupation des Begriffs ist aber geradezu grotesk und steht im völligen Gegensatz zur historischen Wirklichkeit und dem heroischen Kampf von 1848, der ja ein Kampf gegen den verkommenen Adel war. Das patriotische, das nationale Lager täte also gut daran, sich diesen Begriff als ureigenstes geistiges Eigentum zurückzuholen – innerhalb der Parlamente und außerhalb der Parlamente – und ihn von neuem mit Leben zu erfüllen.

Insbesondere die Freiheitliche Partei muss sich diesen Werten wieder stärker verpflichtet fühlen, statt auf die autoritären Verführungen der ÖVP – Stichwort Sicherungshaft, Videoüberwachung an jeder Ecke und Vereinsverbote – aufzuspringen.

Eine freie Gesellschaft für ein freies Vaterland

Denn am Ende treffen solche Instrumente staatlicher Allmacht immer jene Bürger, denen Freiheit, Ehre, Vaterland wichtiger sind als der Kotau vor der Obrigkeit. Die Freiheitlichen in Oberösterreich, die im kommenden Jahr antreten, um die letzte blaue Hochburg zu verteidigen, sind im Geiste dieser patrio­tischen Bürgerlichkeit von 1848 bereits auf einem sehr guten Weg.

Eine bekannte Weisheit aus dem spätmittelalterlichen „Ges­ta Romanorum“ lautet: „Was immer du tust, handle klug und bedenke das Ende.“ Dieses ganzheitliche Denken ermöglicht es uns, das langfristige Ziel einer vernunftbasierten und verstandesorientierten Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Die bürgerliche Gesellschaft ist die freie Gesellschaft, ist das freie Vaterland.

Dies ist Teil 2 eines zweiteiligen Diskussionbeitrages zwischen Gastautoren. Teil 1 aus der Feder von Roman Möseneder finden Sie hier