Nachdem unzählige Verschwörungstheorien in den letzten 15 Monaten Realität wurden, scheint die nächste in Form von Inflation nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Wirtschaftlich bekannte Mechanismen wie etwa dass eine drastische Erhöhung der Geldmenge bei konstantem oder sogar leicht schrumpfendem Warenangebot zu Preissteigerungen führt, lassen sich durch türkis-grünes Wunschdenken nicht außer Kraft setzen.

Von Christoph Seizer

In den letzten 15 Monaten wurden mit etwa 3,5 Billionen (3.500.000.000.000) in etwa genau so viel Euro ins Geldsystem gepumpt wie in den ersten 20 Jahren seit der Einführung des Euros. Diese Geldmengen bergen das Potenzial, die Inflation zu befeuern. Momentan liegt die Inflationsrate in Österreich bei 2,8 % und bei 4,2 % in den USA. Die realen Zahlen werden etwas über den offiziellen liegen. Zu gefährlich hohen Inflationsraten, wie sie sich aktuell in der Türkei mit 17,1 % zeigen, fehlt in Österreich jedoch noch einiges. In der Theorie müsste eine Verdopplung der Geldmenge bei konstanten Waren zu einer Verdopplung der Preise führen. Historisch lässt sich dieser Zusammenhang gut beobachten, jedoch steigen nicht alle Preise gleichmäßig und es kann einige Zeit dauern, bis sich der Effekt in steigenden Preisen zeigt. Die Hyperinflation in Deutschland 1923, begann mit dem Anwerfen der Notenpresse im Jahr 1918. Kriegsanleihen und Reparationen konnten nicht mehr über Steuern oder Anleihen finanziert werden, sondern wurden durch neu gedruckte Papiermark beglichen.

Die Basis für die Inflation wird gelegt

Zunächst, 1919 und 1920 führte das Gelddrucken nur zu einer moderat anziehenden Inflation, ähnlich den heute gemessenen Werten. Ab 1921 zog die Inflation dann auf Werte an, die heute in etwa auf 25 bis 40 % geschätzt werden (eine exakte Erhebung fand damals noch nicht statt). Mitte 1923 zog die Inflation dann immer schneller an und bis zur Hyperinflation im Herbst dauerte es dann nur noch wenige Wochen. Wir befinden uns heute in einer ähnlichen Phase wie jener von 1919 bis 1920. Die Basis für eine kommende Hyperinflation wird gelegt, noch könnte diese aber verhindert werden.
Finanziert der Staat seine Ausgaben über Steuern oder indem er Schulden über den privaten Anleihemarkt aufnimmt, hat das auf die Inflation keine Auswirkungen. Während der Staat mehr Waren kauft, nimmt die Kaufkraft bei den Steuerzahlern oder Anleihegläubigern in gleicher Weise ab. Normale Staatsfinanzierung hat keinen Effekt auf die Inflation.

Während Corona Geld gedruckt

Anders verhält es sich, wenn der Staat mehr Waren nachfragt und diese mit frisch gedrucktem Geld bezahlt. Hier steigt die Gesamtnachfrage bei bestehendem Angebot und die Preise beginnen zu steigen. Wurden die Staatsausgaben Österreichs bis zur Finanzkrise ausschließlich über Steuern und Anleihen finanziert, begann man damals auch den dritten, inflationswirksamen Weg zur Finanzierung zu beschreiten.
Vor 10 Jahren als absolute Ausnahme zur kurzfristigen Rettung des Euros konzipiert, gewöhnten sich Politiker schnell an diese „einfache“ Art der Finanzierung über die Notenpressen. Hieß es Ende 2011 durch diese Sondermaßnahme kaufe man der Politik etwas Zeit, um notwendige Reformen durchführen zu können, führte diese „Ausnahme“ dazu, dass die Politik erst recht keinen Druck mehr hatte, die Staatsausgaben auf ein finanzierbares Maß zurückzuführen. Und hier kann es richtig gefährlich werden.
Theoretisch wäre jetzt noch Zeit, die Corona-Pakete auslaufen zu lassen oder über Einnahmen gegenzufinanzieren. Durch das bisher gedruckte Geld würden die Inflationsraten vermutlich trotzdem noch deutlich auf vielleicht 5, 7 oder auch 9 % ansteigen. Insgesamt aber in einem Bereich verharren, der die Wirtschaft nicht ernsthaft gefährdet und nach wenigen Jahren auch wieder sinken.

Bereits hohe Preissteigerungen

Leider ist fraglich, ob eine politische Führung, die es in den guten Jahren 2016, 2017 oder 2018 nicht geschafft hat, von der Droge des billigen Geldes wegzukommen, dies jetzt in einer viel schwierigeren Phase schaffen wird. Durch die Corona-Maßnahmen gibt es heute ungleich mehr Menschen, die von staatlichen Zahlungen abhängig sind. Steigen die Preise, wird der Druck, auch die staatlichen Zuwendungen zu erhöhen, größer werden. In einigen Bereichen wie bei Holz, Zement oder Halbfertigprodukten sind die Preise seit Jahresbeginn um 40 bis 60 % gestiegen. Bei Schweinefleisch, Zucker, Gemüse, Kaffee oder Textilien sehen wir ebenfalls schon Steigerungen im zweistelligen Bereich.
In dieser Situation ist es für die immer unbeliebter werdende Politik verlockend, die Preisaufschläge durch höhere Gehälter im öffentlichen Dienst oder Steigerungen bei den Pensionszahlungen zu kompensieren. Um die anziehende Inflation zu bremsen, wäre aber das Gegenteil also strikte Kostenkontrolle und Einsparung nötig. Nimmt man eine an sich noch harmlose Inflation zum Anlass, die Staatsausgaben weiter auszuweiten und noch mehr Geld zu drucken, hat man die Grenze in die zweite Phase zu einer möglichen Hyperinflation überschritten.

Inflation immer schwieriger zu stoppen

Die Inflationsraten steigen dann weiter und weiter. Die Geschichte zeigt uns jedoch auch, dass es durchaus noch Monate oder sogar wenige Jahre dauern kann, bis aus moderat steigenden Inflationsraten eine galoppierende Inflation wird. Mit Blick auf andere Länder lässt sich ebenfalls feststellen, dass es immer schwieriger wird, die Inflation zu stoppen, je höher diese bereits geklettert ist.
Die Politik hat sich hier durch kurzfristiges Denken in eine schwierige Situation manövriert, es ist fraglich, woher sie plötzlich die Weitsicht nehmen sollte, um da wieder herauszukommen.

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