Am gestrigen Donnerstag wurden neue Öffnungsschritte verlautbart. Das umstrittene Tanz-Verbot soll vorerst nicht kommen, aber auch im Juli sind noch zahlreiche Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Kraft. Trotzdem ist die Regierung sichtlich darum bemüht, von den sonstigen Skandalen und Skandälchen rund um Kurz und seine türkise Truppe abzulenken. Da trifft es sich nur zu gut, dass Medien, bei denen die Regierung in üppiger Millionenhöhe inseriert, den türkisen Schmäh der „Freiheit“ in die Welt tragen.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Sie ist ein vergiftetes Geschenk, diese „neue Normalität“, die in Wirklichkeit natürlich keine „große Freiheit“ bedeutet. Denn diese sogenannte „Freiheit“ gibt es in der neuen Zweiklassengesellschaft nur für die Folgsamen, die sich impfen ließen oder alle paar Tage in die Teststraße laufen – oder die letztendlich für gesunde Personen im erwerbsfähigen Alter zu 99.99 Prozent nicht tödliche Krankheit im letzten halben Jahr überlebten. Und auch die Maske – sowohl die FFP2-Filtermasken als auch der Mund-Nasen-Schutz – bleibt uns noch länger erhalten. Bei dieser Hitz‘: Jo, urfein, echt die „große Freiheit“. Danke Basti, ich liebe meinen Kanzler! :-*

Ein „Sommer wie damals“, unfreier noch als im Vorjahr…

Überall im Land rasseln die Fallzahlen in den Keller. In zahlreichen Bundesländern sind es nicht einmal mehr 10 Testpositive pro Woche je 100.000 Einwohner. Es sind Inzidenzen wie im letzten Sommer, als es keinerlei Testpflicht für Kultur, Gastronomie und Sport gab – und als die Masken im Handel in acht von neun Bundesländern ohnehin nicht zu tragen waren. Für Menschen, die wie meine Wenigkeit täglich eine Stunde pro Richtung per Zug ins Büro pendeln, war das trotzdem schon damals eine Tortur. Eine, die auch in diesem Sommer eine Wiederholung findet.

Ein Inseratenkaiser-Blatt hält das freilich trotzdem nicht ab, ein selten absurdes Sujet zu basteln, das man dann auch noch mit der Beschreibung garniert, es handle sich um einen „Sommer wie damals“.

Überall Kontrollen und 3G-Zwang: Das ist keine Freiheit

Ein Sommer wie „damals“? Beim besten Willen, ich kann mich an keinen Sommer erinnern, in dem es nötig war, nachzuweisen, dass man nicht zu jener Handvoll von Personen im ganzen Bezirk gehört, die nicht nachweislich gesund sind, nur um ins Freibad oder zu einem Kaffee oder Bier mit Freunden zu gelangen. Ich kann mich auch an keinen Sommer erinnern, in dem es normal war, diesen Nachweis zu erbringen, um einen Ausflug ins nahe Bayern zu tätigen. Und das, obwohl ich in einem Alter bin, in dem ich mich noch zu gut daran erinnere, wie es war, nach dem Urlaub stundenlang in der prallen Sonne am Zoll auf die Einreise in die Heimat zu warten.

Es war in keinem „damaligen“ Sommer nötig, dass man zwölfjährigen Kindern zum Geburtstag einen Impftermin auf den Tisch legt, damit sie auch einmal spontan mit ihren Freunden ins Kino, ins Schwimmbad oder auf einen Eisbecher gehen dürfen. Die Fußball-Stadien waren voll und in den „Public Viewing“-Arenen dürfte man sich völlig ohne jeden Impf- oder Testzwang begegnen. Man durfte sich sogar umarmen, wenn die Mannschaft, die man unterstützte, ein Tor schoss. Der sprichwörtliche wandelnde Tod war man dann bestenfalls, wenn man einen Sieg mit einem Achterl zu viel begoss. Und nicht für ein Seidel Bier einen Fragebogen wie beim Steuerausgleich ausfüllen musste. Das bleibt nämlich auch noch bis 22. Juli bestehen – wozu?

Den Frosch vom Topf auf den Teller gelegt

Alleine der Versuch, die Menschen auf diese Art und Weise zu blenden, ist ebenso dreist wie bezeichnend. Stellen Sie sich folgendes groteske Sinnbild vor: Man nimmt einen Frosch und gibt ihn in einen Topf mit heißem Wasser. Während die Temperatur so immer heißer wird, merkt er nicht, dass er bald völlig gart. Man redet ihm dann ein, immer die nächsten zwei Wochen wären entscheidend, er soll einfach im siedenden Wasser verweilen. Als er dann knapp davor ist, unter großen Leiden zu verenden, nimmt man ihn aus dem Topf und gibt ihn auf den Teller.

Seine Gunst versucht man sich dadurch zu erwerben, dass man es ihm als Befreiung aus dem Topf verkauft. Ja, als eine Rückkehr in die freie Wildbahn. Gleichzeitig schleift man sein Besteck und droht ihm mit stillen, bösen Blicken, dass man sich noch nicht so recht entscheiden kann, ob man ihn bei lebendigem Leibe verspeist oder doch in der Natur aussetzt. Und wenn er selbst zweifelhafte Blicke hat und laut quaken will, weil er dem Frieden nicht traut, ruft man ihm süffisant zu: „Willkommen in der Freiheit, mein Freund!“

Die Verlockung der geschummelten „Freiheit“

Zwei Schritte zurück und einen nach vor: So sieht das „Pandemie-Management“ der Regierung aus. Wenn das Volk dann mit verbundenen Augen einmal arschlings über den Hauptplatz gelaufen ist, versucht man ihm weiszumachen, wenn es nun drei Schritte nach vor macht, sei es um mehr als die Hälfte des Platzes vorwärts gelaufen. Wenn es zweifeln sollte, kommt jemand daher, dreht es ein halbes Mal um die eigene Achse und zack: Plötzlich ist aus der Flunkerei eine scheinbare Wahrheit geworden.

Was ich damit sagen will? Was die Regierung und ihre Jubelmedien als „Öffnung“ oder „große Freiheit“ verkaufen, ist nur eine klitzekleine Rückgabe von Freiheiten, die für die Menschen über Jahrzehnte selbstverständlich waren. Es ist keine „große Freiheit“ und schon lange keine „Normalität“. Es ist immer noch ein ganzer Katalog an Maßnahmen in Kraft – und es sind nur fadenscheinige Ausnahmen, damit das Volk nicht wie im Jänner zu Zehntausenden durch die Hauptstadt läuft und „Kurz muss weg“ ruft. Es schaut um die Grundrechte in diesem Land weiterhin äußerst düster aus. 

Nur die echte, alte Normalität ist erstrebenswert

Für wen es übrigens weiterhin keine Normalität jeglicher Art gibt: Das sind die Menschen in den Alters- und Seniorenheimen. Jene Generation, die unser Land nach dem Krieg wieder aufbaute, wurde mit dem Versprechen, endlich wieder die Familie zu sehen und in die „Normalität“ eintauchen zu können, zur Massen-Impfung getrieben. Einige überlebten dieses Experiment nicht. Ein halbes Jahr später muss das Enkerl beim Besuch trotzdem eine FFP2-Maske tragen, die das Lächeln verbirgt. Für eine Generation der wir viel verdanken, ist das viel, aber sicher nicht die „große Freiheit“.

Was brauchen wir also? Hier halte ich es mit der Ansage von Herbert Kickl (FPÖ): „Die schikanöse 3G-Regel muss endlich ersatzlos gestrichen und das unselige Überwachungs-Regime beendet werden“. Die Seuche ist für den Großteil der Menschen offenbar nicht ganz so tödlich, wie die Regierung und ihre Panik-Gurus uns weismachen wollten. Die ganze Freiheit, die echte Normalität soll es sein – und nicht ein Häppchen nach dem anderen, nur damit sich Kurz medial als großer, barmherziger Gönner der Freiheit inszenieren kann.

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