Viele Widersprüche: Anhänger der eigentlich radikalen Öko-Partei sind im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ausgesprochene Vielflieger.

Grüne als Umweltfreunde, die für Innovation, eine gute Infrastruktur, heimat- und naturverträgliche Energien und Mobilitätskonzepte stehen: Wer das glaubt, geht einem sorgsam geprägten Außenbild auf den Leim, das verschleiert, dass Anspruch und Realität meilenweit auseinanderklaffen.

von Alfons Kluibenschädl

Der Reinhardswald in Hessen ist ein Kleinod im Herzen Deutschlands, das den ältesten Urwald des Bundesgebiets beherbergt. Zu üblichen Gewächsen gehören auch Leute aus der Region, die dem hektischen Großstadtdschungel entkommen und die beinahe unberührte Natur genießen wollen.

Energie-Schwindel

Geht es nach der schwarz-grünen Landesregierung, gesellen sich bald zahlreiche Windkraftanlagen hinzu. Riesige Schneisen sollen den Wald zerklüften  – für umstrittene Heilsbringer. Über 100 Vogelarten werden regelmäßig zu Schlag­opfern der Ungetüme. Abseits der Küste schikanieren Schalldruckpegel bis 235 Dezibel die Meerestiere.

An Land verbraucht die Errichtung der Anlagen Unmengen an Rohstoffen, ehe tausende Tonnen von Stahl und Beton in der Landschaft stehen. Im Reinhardswald laufen Bürger seit Jahren Sturm – und stoßen bei den selbsterklärten Öko-Fightern auf taube Ohren und stumme Aufschreie.

Ganz anders bei den Kohlerevieren um den Hambacher Forst. In der Landesregierung stimmten die Grünen für die Abholzung  – um sich danach aus der Opposition heraus mit linksradikalen, fäkalienwerfenden Baumbesetzern zu solidarisieren. Solche Spagate sind kein Einzelfall.

In Tirol setzten sie sich beim Ausbau der Wasserkraft für einen kraftwerksfreien Inn ein – um im Gegenzug auf ähnliche Forderungen in naturnahen Gegenden im Kaunertal und Sellraintal zu verzichten.

Mogelpackung Mobilität

Eine andere heilige Kuh entlarvt eine weitere Lebenslüge – nämlich die Elektromobilität, die „raus aus der Nische und rein in den breiten Markt“ soll. Verbrennungsmotoren ade, saubere Luft, keine Abhängigkeit von Erdöl-Emiraten: Auf dem Papier klingt es wie die eierlegende Wollmilchsau.

Wäre da nicht wieder die Rohstoff-Frage: Der Abbau einer Tonne Lithium in einem trockenen Teil Argentiniens benötigt 2 Mio. Tonnen Wasser. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen werden 60 Prozent des benötigten Kobalts im Kongo gewonnen.

Und große Batteriefabriken stehen in China – ihr Strom kommt aus dem Kohlekraftwerk. Zwischen 30.000 und 100.000 Kilometer muss ein E-Auto fahren, um den höheren Kohlendioxid-Ausstoß bei der Produktion auszugleichen; bei den 13.900 Kilometern, die Österreicher im Schnitt jährlich fahren, also bis zu sieben Jahre.

Wären alle 5 Mio. heimischen Autos elektrisch, verbrauchten sie bei etwa 15  kWh/100 km mehr als 10 Terawattstunden (1 Milliarde kWh) im Jahr. Für den Stromverbrauch wären etwa 1.500 Windkraft-Anlagen nötig.

Ein Totschlagargument ist auch die CO2-Einsparung. Tatsächlich macht der Verkehr im EU-Schnitt fast 30 Prozent des Ausstoßes aus. Etwa ein Drittel davon entfällt auf LKW, auf das Feindbild Flugverkehr – Grünwähler sind statistisch am ehesten Vielflieger – nur ein gutes Achtel.

Anstatt Schienenfracht und öffentliche Verkehrsmittel auch im ländlichen Raum auszubauen, wollen Grüne auf E-Autos oder aufs Fahrrad umsatteln lassen: Für Pendler am Land ein Ding der Unmöglichkeit. Aber an den Hackler im oft konservativen, ländlichen Raum denken die Weltenbürger aus dem städtischen Speckgürtel ohnehin selten.

Hassliebe zur Heimat

Erst beim Ringen um Wählerstimmen sind ihnen dieser Raum und sein traditioneller Heimatbegriff recht. Die Reduzierung heimischer Kultur auf den Übergenuss von Schnitzel und die Entsorgung von Hundekot mit der Flagge haben dann Pause.

Man lässt sich mit dem Trachtenjanker in der Bergkulisse ablichten und präsentiert die Mär vom netten Grünen aus dem Kirchenchor. Alexander van der Bellen bugsierte das Narrativ in die Wiener Hofburg und Georg Willi ins Innsbrucker Rathaus – mit einer ganzen Reihe harter Marxisten im Schlepptau.

Astrid Rössler warb mit dem Slogan „Heimat beschützen“, den man der kurzhaarigen Stadtrand-Akademikerin trotz schneidiger Tracht nicht abnahm. Ehe sie glorreich baden ging, erklärte sie, den Begriff nicht den „rechten Parteien“ überlassen zu wollen.

Der grüne Heimatbegriff ist ein anderer – wie auch der Kulturbegriff. Die linksalternative Künstlerszene fördern sie – jede „Uniferkelei“ ist ihnen im Geiste näher als die Blasmusik im Dorf. In Kulturbeiräten treten sie für „mehr kulturelle Diversität“ ein und wollen Erleichterungen beim Aufenthaltsrecht für Künstler mit Migrationshintergrund.

Wenn aber das Heeresgeschichtliche Museum die heimische Geschichte nicht kritisch genug aufarbeitet, vermuten sie schnell „rechtsextreme Netzwerke“ in der Belegschaft  – und machen sich keine Mühe, ihre Anwürfe zu belegen. Zu wichtigen heimischen Gedenktagen tritt die Parteijugend auch weiterhin mit Slogans wie „Österreich ist frei erfunden“ auf den Plan.

Themenklau & Widersprüche

Wenn Grüne mit dem Thema hausieren gehen, denken sie an eine „offene Heimat“. Darunter verstehen sie – so Rössler seinerzeit – „soziale Strukturen, Menschlichkeit und Menschenrechte“. Sie wollen die Utopie des globalen Dorfes in unser Land verfrachten.

Dabei ist es nicht ökologisch, Menschen wie Waren über den Erdball zu verschieben. Verwurzelung in der Heimat, Stärkung der Region, Verwendung bestehender Ressourcen bis zu ihrer Neige statt globaler Konzepte an austauschbaren Nicht-Orten und kurze Wege.

All diese Ansätze zu Umwelt- und Naturschutz vertragen sich eigentlich nur mit jenem wertkonservativen Weltbild, aus dem dieser Gedanke ursprünglich stammte.

Nicht umsonst kannte die frühe Grünbewegung noch rechte und bürgerliche Ausläufer. Umweltschutz als Erweiterung linker Träumereien mit allen dabei auftauchenden Widersprüchen – das hingegen ist kein Naturgewächs.