Die von der Regierung bereits beschlossenen und noch in Aussicht gestellten Lockerungen gehen vielen Oberösterreichern zu langsam und zu wenig weit wie ich bei einer Rundreise durchs Land erfuhr. Es sei höchste Zeit, so der einhellige Tenor, schlagartig zur Normalität der Vor-Corona-Zeit zurückzukehren.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

„Ich will in meinem Stammbeisl möglichst schnell und uneingeschränkt wieder meinen Spritzer trinken können, wünscht sich der Regauer Kaufmann und Landwirt Leo Steinbichler, der die von der Regierung gesetzten Corona-Bekämpfungsmaßnahmen für überzogen hält.

Man habe hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Dass man die Bürger dabei beinahe entmündigt hat, regt ihn „irrsinnig“ auf. „Wenn ich das Wort Krise schon höre…`“

Das einzig Gute dieser so genannten Krise für ihn ist, dass sie gezeigt habe, wie abhängig Österreich in vielen Bereichen vom Ausland sei, ganz besonders im Bereich der Ernährung, auch wenn immer wieder anderes behauptet werde.

Schon 2015 hätte Steinbichler als Team-Stronach-Nationalratsabgeordneter ein Lebensmittel-Krisenvorsorgeprogramm im Parlament beschließen lassen wollen, sei für seinen Antrag aber verlacht worden. An die neuesten Erfahrungen knüpft er die Hoffnung, dass man die Lehren daraus ziehen möge.

Lichtblick

Auch Rudi Aigner, der Obmann der Sportunion Gmunden, freut sich, wenn sich jetzt endlich wieder was rührt. „Mit einigen Auflagen dürfen wir wieder spielen“, meint er mit Blick auf die Tennis-Sektion. Doppelmatches seien leider keine erlaubt.

Was das Jahr für den Klub bringen wird, weiß Aigner noch nicht. Einbußen werden wir wohl hinzunehmen haben, glaubt er, sowohl auf dem Sektor der Mitgliedsbeiträge als auch auf dem Sektor Sponsorengelder.

Wegen der Corona-Krise werde vermutlich auch die Stadt ihre Zuschüsse kürzen, mit Ausnahme der Beträge, die schon beschlossen sind.

Als Lichtblick bewertet er jedoch die Tatsache, dass die Bezirksbehörde wenigstens die Abhaltung der für 6. Juni geplanten Sonnwendfeier der Sport-Union gestattet habe, damit das Brauchtum nicht völlig zum Erliegen käme, wie die dortigen Mitarbeiter selbst gesagt hätten.

Dazu spielt eine Musikgruppe namens „Niaz‘haus“ auf. Die oberösterreichische Schlagerkomponistin Hanneliese Kreissl-Wurth, die in Braunau geboren wurde und dort auch aufwuchs, lange Zeit in Wels lebte und nunmehr in Linz zu Hause ist, plädiert dafür, Musikveranstaltungen bald wieder zuzulassen.

Dass in Gmunden mit der Sonnwendfeier quasi ein Anfang gemacht wird, hält sie für eine gute Idee. Wie Steinbichler ist auch sie der Meinung, dass die Rückbesinnung auf die Regionalität ein Positivum dieser Krise sei.

Der ORF könnte daraus Kapital schlagen, rät sie, wenn er in seinen Radioprogrammen wieder mehr regionale Musik spielen würde.

Weniger Angst

Der Welser Sagenerzähler Hubert Krexhammer, der die Menschen an historische Stätten und Plätze führt, um ihnen dort von früher zu erzählen, möchte schon gestern mit dem Leben und der Normalität begonnen haben.

„Das brauche ich für meine Seele“, sagte er, denn in den letzten Wochen hätte er sich „wie ein Frosch im Glas“ gefühlt. „Ich will wieder Hände schütteln, will wieder Leute umarmen, will wieder Schulterklopfen und möchte wieder in einer Gruppe von interessiert lauschenden Menschen stehen, denen ich meine Sagen und Geschichten erzähle.“

Diese von mir eingefangene Stimmung bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Gallup-Meinungsforschungsinstituts, das ermittelte, dass die Zustimmung der Bevölkerung zu den bisherigen Corona-Maßnahmen zu bröckeln beginnt.

„Angst vor Ansteckung und Bereitschaft zur Einschränkung gehen zurück“, konstatiert Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz, auch wenn die Zustimmung der Bevölkerung zum Umgang der Regierung mit der Krise nach wie vor hoch sei.

Doch die Zahl jener, die glauben, dass die Gefahr im Zusammenhang mit dem Corona-Virus übertrieben wird, ist nach Erkenntnis der Meinungsforscher „signifikant“ nach oben geschnellt: von 20 Prozent Mitte März auf derzeit 31 Prozent.

Der Regierung bestätigen jetzt nur noch 78 Prozent der Befragten (März: 91 Prozent), mit der Corona-Krise richtig zu verfahren, erläutert Fronaschütz.

Deshalb wohl gab es auch schon in den letzten Wochen Menschen und Gemeinden, die sich von der Panikmache der Herren Kurz & Co. nicht anstecken ließen. Diese Ansteckungsgefahr sei nämlich größer als die des Virus, meint so mancher besonnene Zeitgenosse.

Wie lange noch?

Auch in Marchtrenk, wo die Zahl der Erkrankten laut Bürgermeister Paul Mahr, ziemlich niedrig sei, ist man in der Krise nicht in Endzeitstimmung verfallen und hat den Wochenmarkt mit den Lebensmittelständen und die Spielplätze offen gehalten.

Auch das Ortsoberhaupt hat sich nicht hinter Glasscheiben verschanzt, sondern besuchte seine Bürger auch in der Krise mit dem Fahrrad, um ihnen Schnapskarten zu überbringen, damit sie die Quarantäne quasi spielerisch überstehen können.

Mit der zizerlweisen Rückkehr aus dem Shutdown ist Helmut Ammering, dem Betreiber der „Spitz-Villa“ in Traunkirchen nicht geholfen. Für ihn ist der schlagartige Vollstart ins neue Nach-Corona-Leben auch nicht nur eine Wohlfühlfrage, sondern eine Frage der Existenz.

„Wir leben hauptsächlich von Hochzeiten“, sagte er, „die uns seit März alle weggebrochen sind.“ Daher fände er es an der Zeit, das Ganze wieder komplett hochzufahren oder gleich zu sagen, bis Weihnachten gibt es keine Hochzeitsfeiern mehr – basta! Das gäbe ihm mehr Planungssicherheit!

„Ich wünsche mir eine klare Entscheidung von der Regierung, weil ich mir dann das viele telefonische Umplanen mit meinen hochzeitswilligen Gästen ersparen kann“, betont Ammering.

Auch für die Welser Gastwirtsfamilie Schludermann, die in der Maxlhaid das gleichnamige Hotel-Restaurant betreibt, wird der Shutdown allmählich zu einer bedrohlichen Angelegenheit wie Heinz Schludermann erläutert.

Für ihn ist die ganze Virus-Geschichte eine Art Science Ficton, wie er sagt, eine Art unbekannte Bedrohung. Deshalb freut auch er sich wieder auf den Normalbetrieb des Lebens, auch wenn die Krise für ihn fast wie Urlaub sei.

Nicht ohne Zynismus merkt er an: „Wir leben am Stadtrand, in Waldnähe, haben ein Schwimmbad und der Betrieb ist fest geschlossen.“

Was er macht, wenn der Betrieb an 2. Mai wieder gelockert ist, weiß er: „Als erstes gehe ich zum Friseur und dann werde ich Verwandte und Bekannte in Salzburg und Graz besuchen…“