Der Journalismus wird gemeinhin als vierte Gewalt im Staate verstanden, dem eine bestimmte Kontrollfunktion gegenüber jenen Personen und Instanzen zukommt, die vom Bürger demokratisch legitimiert wurden, einen Staat zu lenken und damit auch Macht auszuüben.

Ein offener Brief von Chefredakteur Christian Seibert

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Pressefreiheit in alle Richtungen

Die Freiheit der Presse ist ein Grundpfeiler der Demokratie, muss jedoch in alle Richtungen verstanden werden. Dem Journalismus obliegt die Aufgabe, die Öffentlichkeit wahrheitsgemäß und vollständig zu informieren, gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und über Machtmissbrauch objektiv aufzuklären.

Tatsächlich nimmt der Journalismus heutzutage jedoch immer häufiger die Rolle des Interpreten von verschiedenen Ereignissen ein und manifestiert damit eine durch viele westeuropäische Staaten gehende Spaltung der jeweiligen Gesellschaften. Teilweise differiert die Berichterstattung zu ein und demselben Ereignis derart, dass es für den Medienkonsumenten schier unmöglich ist, die tatsächlichen Vorkommnisse auch wirklich zu erfassen.

Migrations-Krise erschütterte Vertrauen

Insbesondere die Berichterstattung zu den großen Wanderungsbewegungen des Jahres 2015 haben das Vertrauen in die etablierten Medien massiv erschüttert.

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Letztere wurden von eben jenen Medien unisono als „Flüchtlingskrise“ verkauft, obwohl man bereits nach kurzer Zeit erkennen konnte, dass es sich bei der Mehrzahl an Menschen, die sich anno dazumal auf den langen Weg über das Meer oder durch mehrere Länder gemacht hat, nach keiner Konvention oder Rechtsvorschrift um Flüchtlinge handelt.

Diese Wanderungsbewegungen haben die europäischen Gesellschaften nachhaltig verändert. Nach meinem Empfinden ist es die Pflicht eines Journalisten, auch auf die negativen Folgewirkungen dieser Migrationswellen hinzuweisen – gerade, wenn diese so häufig zu Tage treten, wie im Europa des Jahres 2018. Die Freiheit der Presse „erlaubt“ es jedoch auch, den Lichtkegel der Berichterstattung auf andere Schlagseiten eines Ereignisses zu richten.

„Insbesondere die Berichterstattung zu den großen Wanderungsbewegungen des Jahres 2015 haben das Vertrauen in die etablierten Medien massiv erschüttert.“

Klares Bekenntnis

Die Redaktion des „Wochenblick“ bekennt sich also eindeutig zur Freiheit der Presse in Österreich, auch wenn uns die Berichterstattung unserer Mitbewerber in vielen Fällen nicht schmeckt, zweifeln wir nicht deren Existenzrecht an.

Wir erkennen an, dass ein plurales Medienwesen in Österreich essentiell für die ausgewogene Meinungsbildung eines Bürgers wie auch für den Fortbestand einer Demokratie ist. Insofern ist es wahrlich ein Widerspruch in sich, wenn in der vergangenen Woche wegen eines äußerst ungeschickt formulierten E-Mails aus dem Innenministerium viele Medienvertretern das Ende der Pressefreiheit heraufbeschwören, während es oftmals genau jene Protagonisten sind, die dem „Wochenblick“ das Existenzrecht absprechen.

Heftige Attacken

Es ist die Aufgabe des Journalismus, eine Kontrollfunktion gegenüber der Politik auszuüben, insofern mutet es sehr befremdlich an, dass sich insbesondere Oppositionspolitiker in einer derart aggressiven Weise gegenüber einer nicht genehmen Presse äußern, wie dies zuletzt der neue SP-Geschäftsführer Thomas Drozda getan hat, der im Zusammenhang mit dem „Wochenblick“ von einer „rechtsradikalen Neonazi-Postille“ sprach.

Ich hoffe, Herr Drozda weiß, was er unter dem Schutz der parlamentarischen Immunität mit derartigen Äußerungen in Familien unbescholtener Menschen anrichtet, die weder einer Partei angehören, noch irgendeinen Berührungspunkt mit Extremismus haben. Die Pressefreiheit ist keine Einbahnstraße. Wer in einem Fall für die freie Berichterstattung eintritt, der muss sie auch dann verteidigen, wenn sie ihm nicht lieb ist. Das scheinen Politiker wie Thomas Drozda nicht so genau verstanden zu haben.

Information statt Maßregelung

Ja, die aktuelle Debatte zeigt die Essenz der Verteidigung einer freien Presse klar auf. Vielleicht hat sie deshalb auch eine heilsame Wirkung auf die gesamte Medienszene und kann etwas Druck vom Kessel nehmen.

Im „Wochenblick“ wird auch weiterhin über Dinge berichtet werden, bei denen wir denken, die Öffentlichkeit sei noch nicht in ausreichendem Maße informiert. Und ja, wir werden vielleicht auch einmal daneben liegen und uns darüber ärgern, einen Sachverhalt falsch eingeschätzt zu haben.

Trotzdem werden wir weiterhin unseren Beitrag zu einer pluralen Presselandschaft in Österreich gewährleisten, um damit die oben beschriebene Funktion der vierten Gewalt auch ausüben zu können. Die Hauptaufgabe einer Medienlandschaft ist es, den Bürger bei der freien Meinungsbildung zu unterstützen – und ihn nicht zu maßregeln, wenn er das zu denken wagt, was der Presse nicht passt.

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