Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie es aussieht, wenn man das Multikulti-Mantra zu Ende denkt? Die neue „Heimatlieder“-Platte der deutschen „Bundeszentrale für politische Bildung“ (bpb) liefert Anhaltspunkte.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Der Löwenanteil der deutschsprachigen Menschen werden sich unter „Heimatlieder aus Deutschland“ vorstellen, wie Heino seine Version der Bundeshymne anbringt, eine Dame im Mezzosopran „Kein schöner Land“ trällert oder das „Niedersachsenlied“ ertönt. In modernerer Version denkt man sich, vielleicht finden sich Liedermacher und Bands quer durch das Spektrum von Fredl Fesl über STS und Frei.Wild bis zu Andreas Gabalier darauf. Aber weit gefehlt: Die neue Platte stammt nämlich aus dem Bereich der „Weltmusik“.

Linkes Prestigeprojekt auf Steuerzahler-Kosten

Verantwortlich dafür zeichnen zwei einschlägige Akteure. Einer von ihnen gründete schon 2003 mit einem Türken ein deutsch-türkisches Plattenlabel, der andere verdingte sich als Journalist quasi für alle linken Blätter mit Rang und Namen, von der Zeit bis zur taz. Der letztere ist zudem auch Buchautor, wirbt für eine „interkulturelle Alphabetisierung“ der Deutschen. Bislang konnte man sich darunter vorstellen, das Machwerk hilft nach.

Ein einziges Lied in deutscher Sprache findet sich darauf – nämlich E klî wält fijeltchen („Ein kleines Wildvögelein“), ein Lieder der Siebenbürger Sachsen aus dem Jahr 1857. Und wenn diese deutschsprachige Minderheit nicht in Rumänien ansässig wäre, landete es wohl kaum auf dieser Platte. Übrigens: Die bpb als Herausgeberin finanziert sich jährlich mit über 50 Millionen Euro aus Steuergeld, deponiert von diversen Bundesministerien.

Ein Streifzug durch fremde Heimaten

Nun soll es ja sein, dass der eine oder andere Leser im Detail wissen möchte, was ihn erwartet, wenn die „radikale interkulturelle Öffnung“ vollzogen ist. Und da wollen wir nicht den Anschein geben, als hätte man in der Wochenblick-Redaktion keine ethnologische Schulung, um zu ergründen, wie viel „Deutschland“ wirklich in diesen „Heimatliedern“ steckt. Auch vertreten sind folgende Länder, Stile und Minderheiten:

  • Marokko: Ein Lied in der Musik der Gnawa, der Nachfahren schwarzer Sklaven im Maghreb, in zwei Versionen. Es musizieren Marokkaner, Algerier und Schwaben.
  • Türkei: Eine alevitische Familienband singt über den Dreiklang Gott-Mensch-Natur, eine Anordnung des Konservatorium für türkische Musik bringt mit türkischer Klassik das Osmanen-Feeling zurück.
  • Mosambik: Marabenta-Musik aus dem Süden des süostafrikanischen Landes von den Saiten von über einen Staatsvertrag in die DDR eingewanderten Afrikanern.
  • Portugal: Ein Vier-Personen-„Trio“ singt im von arabischen Einflüssen geprägten Fado-Stil, ein Deutscher interpretiert zudem zusätzlich ein Lied der Truppe.
  • Kuba: Ein multi-ethnisches Trio spielt afrokubanischen Son.
  • Italien: Ein Frauenchor singt traditionelle Volks- und Arbeitslieder.
  • Kamerun: Ein schwarzer „echter Augsburger“ singt in der Tonsprache Medumba im ländlichen Bamiléké-Stil, den schon deutsche Kolonialsoldaten mochten.
  • Spanien: Ein Frauenchor singt im Renaissance-Stil des 16. Jahrhunderts.
  • Griechenland: Mit einem gemischten Chor vertreten, der sich für den Erhalt des griechischen Kulturguts in Deutschland einsetzt.
  • Vietnam: Traditionelle vietnamesische Volksmusik aus der Community in Berlin.
  • Südkorea: Immerhin das bekannteste koreanische Volkslied intoniert der Koreanische Chor Berlin.
  • Kroatien: Dalmatinischer Klapa-Stil in altdalmatinischem Dialekt.
  • Serbien: Abgerundet wird die 70-Minuten-Platte von einem serbischen Volkslied.

Eine grandiose Themenverfehlung…

Der Witz an der ganzen Sache ist: Alleine bei der Recherche für diesen Artikel habe ich von mehr als einer Handvoll von Musikstilen erfahren, die mir bislang unbekannt waren. Während einige der Lieder unnötig altbacken sind, lassen andere tief in die traditionelle Lebenswelt faszinierender Kulturen rund um den Erdball eintauchen. Ein bisserl Elektro-Klang fettet die Scheibe hie und da auf – als Freund harter Klänge nicht mein bevorzugter Stil, aber mancher mag den Reiz verstehen.

Der Erhalt der weltweiten kulturellen Vielfalt – in der Regel idealerweise in der jeweiligen Heimat, wo diese Traditionen gewachsen sind – ist ein wichtiges Anliegen und somit hätte die CD unter diesem Anspruch sicherlich ihre Daseinsberechtigung gehabt – aber nicht als „Heimatlieder aus Deutschland“ aus öffentlichen Mitteln. Da kommt sich der deutsche Steuerzahler, dem seine Politiker die Existenz einer „spezifisch deutschen Kultur“ zumal  absprechen, nämlich zurecht veräppelt vor.

…offenbart die linken Utopien

Anstatt einer aufrichtigen Abhandlung von Musik aus aller Welt entschied man sich also, die typisch linke Mär des globalen Dorfes zu bewerben, um die „Vielfalt der in Deutschland eingewanderten Folklore“ abzubilden. Das Ziel ist zweifelsohne das alte Argument, dass die Zuwanderer pauschal eine Bereicherung für unsere Ländern seien. Dieses kennen wir bereits zuhauf, wenn jeder Wunsch nach einem Zuwanderungsstopp auf das „Argument“ stößt, dass dann etwa die kulinarische Vielfalt vermeintlich verschwinden würde.

Die gesamtgesellschaftlichen Verwerfungen rivalisierender Clans und ethnischer Spannungen blendet man dabei geflissentlich aus und hofft, dass sich bei ein paar exotischen Klängen und Speisen schon irgendwann jeder lieb haben wird. Der AfD-Politiker Jan Nolte kann über die Unverfrorenheit der SPD-nahen Einrichtung herzlich lachen – mir bleibt hingegen nur das Kopfschütteln übrig.