Dieses Buch ist wirklich gruselig
pixabay / Bildkomposition "Wochenblick"

Es müssen nicht zwangsläufig große Verlage sein, die interessanten Themen und Autoren ein Podium bieten. Manchmal sind es auch wenig bekannte Kleinstverlage – oder ganz Unbeirrbare, die das Wagnis auf sich nehmen, etwas im Eigenverlag herauszubringen.

Selbstmord hinter verschlossenen Türen

Zu ihnen zählt auch der Wiener Schlossermeister Michael Bübl, der bereits vier andere Bücher geschrieben hat. In „Endlich bin ich erlöst – Von Selbstmord zu Selbstmord“, hat er seine Erfahrungen mit Selbstmördern und deren teilweise entstellten Körper verarbeitet. Grausigste Leichenfunde prägten sich in das Gedächtnis des Schlossers ein, wobei es einen psychologischen Hilfsdienst, den Polizisten und Sanitäter jederzeit in Anspruch nehmen können, für ihn nie gab. Der Autor verarbeitet mit Schreiben das Gesehene und zieht den Leser in eine dunkle Welt, mit der wir täglich Tür an Tür wohnen.

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Das 194 Seiten umfassende Büchlein erzählt keine zusammenhängende Geschichte sondern ist in einzelne kurze Erzählungen aufgeteilt. Geschichten von Zwangsdelogierungen reihen sich an Beschreibungen von Familiendramen oder Einzelschicksalen Verzweifelter. Dadurch ist es kurzweilig zu lesen und auch für kurze Zugfahrten oder zum Schmökern in der Mittagspause geeignet.

Brutal wie ein Horrorfilm

Beim ersten Lesen wirken die Geschichten mit ihrer detailliert beschriebenen Grausamkeit wie ein blutiger Horrorfilm. Die Schockwirkung des Brutalen nimmt mit dem Lesen aber langsam ab, jedoch drängt sich die sozialkritische Komponente, die anfänglich nur eine Nebenrolle spielt, immer weiter ins Bewusstsein des Lesers.

Die Abgründe unserer bunten Konsumgesellschaft kommen nur hinter verschlossenen Türen zum Vorschein. Der Schlossermeister Michael Bübl schließt uns eben diese Türen auf. Der nüchterne Erzählstil eines Wiener Originals gibt dem ganzen Buch eine möglicherweise ungewollt makaber-komische Komponente. Kritikpunkte stellen die etwas lieblose graphische Aufbereitung des Buches dar, als auch die Tatsache, dass vorab wohl kein Lektor in den Genuss kam, das Manuskript zu lesen.

Menschen mit einem starken Magen, denen Dramen nicht allzu nahe gehen, kann man dieses Buch nur empfehlen. Die hintergründige Gesellschaftskritik wird selbst unpolitischen Lesern einen Grund geben ins Grübeln zu kommen…

Michael Bübl: Endlich bin ich erlöst – Von Selbstmord zu Selbstmord, Eigenverlag, 2016, 194 S., 14,17€. Erhältlich auf Amazon.de.

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