Laut france.tv trafen sich Vertreter der Konfliktparteien in Dijon bereits am Dienstag, um unter Beisein moslemischer Religionsgelehrter einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Währenddessen hat die Polizei ganze vier Personen der hunderten Beteiligten verhaftet. Eine von ihnen erhielt für fünf Jahre ein Waffenverbot und ein Ordnungsgeld von 90 Euro. Die Kämpfe zwischen Tschetschenen und Nordafrikanern waren am vergangenen Freitag ausgebrochen.

Die Vorgänge um die Vereinbarung des Waffenstillstandes habe die „Muslimische Jugend Frankreichs in Burgund“ (JMFB) bestätigt. Vertreter der Tschetschenen und der Nordafrikaner haben sich im Beisein ihrer Imame getroffen, eine Entschuldigung wäre ausgesprochen worden. Somit haben die verfeindeten moslemischen Clans den französischen Staat weder zum Austragen ihrer Fehde noch zur Beendigung bemüht. Sie wurden auf den bislang bekannten Aufnahmen nicht wesentlich von der Staatsgewalt daran gehindert. Die Ereignisse erinnern an die Anarchie-Zone in Seattle, in der die Polizei abgeschafft wurde („Vergewaltigungen und Schutzgelderpressung: Willkommen im Antifa-Land„).

Justiz narrt die Öffentlichkeit

Die bürgerkriegsähnlichen Szenen versetzten die Einwohner der kleinen Stadt Dijon (rund 160.000 Einwohner) vier Tage lang in Angst und Schrecken. Laut französischer Medien beschweren sich viele von ihnen, dass die Polizei sie mit der Gewalt völlig alleine gelassen habe. Soferne der Frieden hält und die Beteuerungen der Behörden stimmen, dass wieder Ruhe eingekehrt wäre, bleibt die Frage nach der Verantwortung und den Folgen. Aktuell werden aus dem Innenministerium große Reden über „strenge Konsequenzen“ geschwungen. Die bisherigen Erfolge sind überschaubar: Vier Männer wurden am Montag verhaftet, drei von ihnen sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß. Einer von ihnen wurde mit einem Ordnungsgeld von 90 Euro und einem fünfjährgien Waffenverbot belegt, weil er einen verbotenen Schlagstock mit sich führte. Es darf davon ausgegangen werden, dass dieses besonders harte Vorgehen der Staatsanwaltschaft die beteiligten Clans und Gangs äußerst beeindruckt.

Konflikt in migrantischem Problemviertel ausgetragen

Der Großteil der Kampfhandlungen fand im Migranten-Brennpunktviertel Les Grésilles statt. Laut französischen Medien kamen Sturmgewehre zum Einsatz, auch Explosionen wurden gehört. Einige Jugendliche von dort sagten france.tv, dass nun noch mehr das Image von Drogenproblemen in ihrem Viertel auf ihnen lasten werde. Es habe sich bei der Auseinandersetzung nicht um einen Drogenkrieg gehandelt. Über Verletzte ist wenig bekannt, mindestens eine Person soll angeschossen worden sein. Am Dienstag soll ein Team des Fernsehsenders France 3 angegriffen worden sein, Bilder eines schwer beschädigten Fahrzeugs wurden gezeigt.

Angeblich Verstärkung aus dem Ausland

Französische Quellen stimmen überein, dass der Konflikt sich an schweren Misshandlungen eins 16-jährigen Tschetschenen in Dijon entzündete. Dieser wurde so schwer verprügelt, dass er intensivmedizinische Betreuung bedurfte. Während dessen Vater angeblich um Ruhe und Frieden bat, hätte sich die Wut in der 30.000 Menschen umfassenden tschetschenischen Gemeinschaft Frankreichs aufgeschaukelt. „Wenn ein Tschetschene betroffen ist, kommen wir immer, weil wir Solidarität zeigen. Wir müssen unsere Eigenen verteidigen“, sagte einer der Kämpfer zu einem Reporter. Schlussendlich waren hunderte Kämpfer nach Dijon gereist, angeblich verstärkt durch Tschetschenen aus Belgien und Deutschland, um die Sachlage „zu klären“. Offizielle Stellen sind inzwischen bemüht, die Botschaft zu vermitteln, dass es sich nicht um Rassenunruhen gehandelt habe.

ORF berichtete erst nach sechs Tagen

Der öffentlich-rechtliche Sender ORF vermied bis zum sechsten Tag die Berichterstattung, während auf Twitter immer mehr schockierende Videos kursierten. Erst auf massiven Druck durch alternative Medien und Nachfragen der Seher entschied man sich für einen kurzen, inhaltlich verharmlosenden Beitrag. Die Anzahl der in Frankreich lebenden Tschetschenen entspricht in etwa der tschetschenischen Gemeinschaft in Österreich, die auch hier nicht immer nur positive Schlagzeilen macht. Im Jahr 2015 listete das Magazin „profil“ die bisherigen Großkonflikte und Bandenkriege und Mordversuche zwischen Tschetschenen und Afghanen in Österreich auf.