Weil Fußball-Bundesligist LASK insgesamt vier Trainings als ganze Mannschaft abhielt, kassiert der bisherige Tabellenführer eine Strafe, die sich gewaschen hat. Erlaubt waren zu diesem Zeitpunkt nämlich nur Kleingruppen-Trainings.

Es war zu schön um wahr zu sein: Viele Fans der Schwarz-Weißen träumten bereits vom ersten Meistertitel nach dem Double vor 55 Jahren. Zahlreiche weitere Oberösterreicher drückten unseren Europacup-Helden die Daumen, um 46 Jahre nach dem VÖEST-Coup wieder einen Titel nach Linz und neun Jahre nach dem Cupsieg der SV Ried wieder eine Trophäe in unser Bundesland zu holen.

LASK verliert Tabellenführung am grünen Tisch

Diese Euphorie erhielt nun am Donnerstag am grünen Tisch einen herben Dämpfer. Denn der Senat 1 kannte keine Gnade für den angeblichen „Verstoß gegen den Fairplay-Gedanken“, verhängte sechs Punkte Abzug und eine Geldstrafe von 75.000 Euro gegen den LASK. Mit einem Schlag degradiert die Bundesliga den Underdog damit vom Spitzenreiter zum Verfolger von Serienmeister und Ligakrösus Salzburg.

Die Schwarz-Weißen wollen dieses ihrer Ansicht nach „überschießende Urteil“ nicht auf sich sitzen lassen, legten Protest gegen die drakonische Bestrafung ein. Sollte die Sache durch alle drei Instanzen – also bis zum Ständig Neutralen Schiedsgericht – gehen, könnte der finale Tabellen-Endstand erst Ende Juli – also Wochen nach Saisonende – feststehen.

Bundesliga nimmt Vorbildwirkung als Begründung

Bei der Liga sieht man die Strafe freilich als angemessen an. Senat-1-Mitglied Johannes Wutzlhofer sprach von einem „massiven Foul innerhalb der Fußballfamilie“. Dem nicht genug: Das harte Urteil begründete er auch mit der „Vorbildwirkung, die Fußballer in der Bevölkerung haben“ – eine Sanktion nach dem Prinzip: Bestrafe einen, erziehe Hunderte.

Kleiner Exkurs zu einem anderen Schauplatz: Dieselbe Vorbildwirkung spricht man in der Öffentlichkeit zwar auch Politikern zu – aber sowohl Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für sein Bad in der Menge im Kleinwalsertal als auch der ex-grüne Bundespräsident Alexander van der Bellen für seinen Sperrstunden-Fauxpas dürften straffrei ausgehen.

Punkteabzug gilt auch bei Meisterschafts-Abbruch

Eine besonders kuriose Lage dürfte sich übrigens ergeben, falls die Saison – etwa wegen einer zweiten Welle – nicht mehr zu Ende gespielt werden kann. In diesem Fall könnte die Grunddurchgangs-Tabelle zum Saison-Endstand werden. Weil auch in diesem Fall der Sechs-Punkte-Abzug gilt, wären die Linzer denkbar knapp an ihrer zweiten Meisterschaft vorbei geschrammt: Red Bull Salzburg wäre nur wegen der besseren Tordifferenz zum siebten Mal in Serie österreichischer Fußballmeister.