Wegen hoher Corona-Zahlen wurde über Dünkirchen im Norden Frankreichs ein lokaler Lockdown verhängt, selbst ein Spaziergang am Strand ist verboten und wird bestraft. US-Truppen dürfen hingegen in der Gegend ohne Einschränkungen landen und militärische Übungen abhalten.

Gastbeitrag aus Frankreich von Olivier Renault

Laut den lokalen Behörden von Dünkirchen hat am 23. Februar die Inzidenzrate 900 Fälle von Covid-19 pro 100.000 Einwohner in der Stadt erreicht. Dünkirchen linker Bürgermeister Patrice Vergriete appellierte über die Medien an den französischen Gesundheitsminister Olivier Véran Maßnahmen zu treffen, um eine Ausweitung der Pandemie in der Stadt zu verhindern. Dieser entschied sich sofort – dank Coronavirus-Schutzverordnung – ohne Absprache mit der Nationalversammlung, einen lokalen Lockdown über Dünkirchen und Umgebung zu verhängen. Gleichzeitig begann eine Landung der US-Armee und deren Fahrzeuge und Truppen rollen durch die von Lockdown betroffenen Gemeinden.

Lockdown für die Franzosen, freie Fahrt für US-Soldaten

Die Präfektur des Nordens hatte bereits am 16. Februar die Landung von Truppen aus den USA angekündigt. 350 US-Soldaten sollten ab dem 23. Februar bis Ende März vom Dünkirchener Hafen zum Flughafen von Calais-Marck verlegen, der seit 10. Februar im Besitz der US-Armee ist. Seit diesem Tag ist dort ein Lager der US-Armee. Die lokale Presse berichtet, dass hunderte US-Soldaten genau an diesem 23. Februar, als Paris einen lokalen Lockdown über Dünkirchen verhängte, angekommen seien. Während die Amerikaner die Mission „Mousquetaire“ durchführen, ist die Zivilbevölkerung eingesperrt. Seit dem 14. Januar gibt es außerdem in ganz Frankreich eine Ausgangssperre von 18 Uhr bis 6 Uhr. Seit Freitag, dem 26. Februar, dürfen die Bürger von Dünkirchen und Umgebung auch nicht mehr am Wochenende nach draußen. Selbst Familien mit Kindern dürfen nicht ans Meer oder an den Strand spazieren gehen. Denn dort gilt das strenge Verbot wegen der Gefahr vor der englischen Corona-Mutation.

Corona-Mutation durch US-Truppen eingeschleppt?

Interessanterweise hat bereits am 10. Februar der Bürgermeister von Dünkirchen in den Medien vor der Verbreitung der englischen Variante gewarnt. Allerdings fragte auf Pressekonferenzen keiner der anwesenden Journalisten den Bürgermeister, ob das Auftauchen der englischen Variante möglicherweise etwas mit der Ankunft der Soldaten auf französischem Boden zu tun haben könnte, obwohl die USA als von der Covid-19-Pandemie schwer getroffenes Land gelten. Die Mission „Mousquetaire“ – zu deutsch Musketier – ist Teil derNATO-Übung Defender-Europe 21, die der Entlastung der amerikanischen Streitkräfte in Europa dient. Alle neun Monate lässt das Pentagon daher US-Soldaten, die in verschiedenen Standorten Europas kaserniert sind, rotieren. Diese Übungen ermöglichen es, die Logistik und Organisation im Falle einer möglichen Landung amerikanischer Truppen in Europa zu testen. Die in Dünkirchen gelandeten Truppen werden dann weiter nach Deutschland verlegt.

Man fühlt sich wie im Gefängnis

Eine ortsansässige Französin erklärte vor laufenden Kameras des Senders BFMTV: „Man fühlt sich wie im Gefängnis“. Damit war sie erstaunlicherweise eine der wenigen kritischen Stimmen, da die Mehrheit der Bürger Verständnis für die neu verhängten Maßnahmen zeigten. „Man muss alles gegen die Krankheit tun“, so die meisten Aussahen. Laut der französischen Verwaltung geht es dabei vornehmlich um den Schutz der Bevölkerung. Viele Franzosen machen mit und tragen respektvoll die Mund-Nasen-Schutzmaske ob in der Stadt, im Park und sogar im Wald und am Strand. Interessanterweise wirbt auch BFMTV offiziell für Corona-Impfungen, etwa auf seiner Webseite. Zudem werden die Franzosen jeden Tag mit Informationen und Zahlen über die Impfungen überhäuft. Damit es wie Journalismus aussieht, genehmigt man dann offenbar auch hin und wieder die Veröffentlichung einer Gegenmeinung.

Lokale Lockdowns sobald der Frühling beginnt

Gerade wenn allmählich das Wetter besser wird und sich allmählich der Frühling ankündigt, beginnen in Frankreich wieder die Maßnahmen, wobei die Behörden derzeit auf lokale Lockdowns setzen. Diese begannen dieses Mal am 20. Februar mit Nizza. Dort dürfen die Einwohner seit dem 26. Februar auch am Wochenende nicht mehr ohne eine triftige Entschuldigung nach draußen gehen. Am Meer frische Luft schnappen, etwas Sonne tanken oder baden gehen sind untersagt und werden bestraft. Dann folgte am 24. Februar Dünkirchen mit ähnliche Regeln, wie sie am Mittelmeer gelten. Zudem wird überlegt, ob auch über Paris wieder ein Lockdown verhängt wird. Emmanuel Grégoire, der erste Assistent der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat nach der Verhängung von Maßnahmen über Nizza und Dünkirchen einen dreiwochigen Lockdown für die Hauptstadt vorgeschlagen. Premierminister Jean Castex erteilte dem Vorschlag vorerst eine Absage. Trotzdem hält sich Emmanuel Macron die Option eines generellen Lockdowns in ganz Frankreich offen, wenn, seiner Meinung nach, die lokalen Lockdowns das Wiederaufleben der Pandemie nicht bremsen.