„Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“ – mit diesen Worten erschütterte Bundeskanzler Sebastian Kurz noch im März die gesamte Republik im Zuge einer ORF-Ansprache. Doch was passierte seither? Wurde Corona zur Todesursache Nummer eins? Ein Fakten-Check.

Von Bernadette Conrads

Seit mindestens Februar verbreitet sich das Corona-Virus in Österreich. Seither wurde eine regelrechte Panik vor überlasteten Intensivstationen – die wir von Bildern aus New York kennen – und erschütternden Leichenbergen – wie im italienischen Bergamo – erzeugt. Nichts davon trat hierzulande ein. 

Obwohl es Influenza-Impfstoffe gibt und die Medien der Thematik vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit schenken, sterben jedes Jahr mehr als 1.000 Menschen in Österreich an der herkömmlichen Grippe.

Ende der 1990er-Jahre suchte uns eine besonders schwere Grippewelle heim, 4.000–6.000 Menschen erlagen ihr. 2017/2018 gab es wieder eine besonders starke Influenza-Welle. Sie kostete 4.436  – überwiegend ältere – Menschen das Leben. In der Saison 2018/19 starben 1.373 Personen in Österreich an Grippe.

2019/2020 gab es weniger offizielle Grippetote: 834 Personen verstarben  – wobei heuer, nicht wie üblich, bis KW 20 (Mai), sondern nur bis KW 13 (März) gezählt wurde. Seither starben 1.815 Österreicher am – oder zumindest mit dem – Corona-Virus.

Die meisten von ihnen waren alt und bereits schwer krank. Mediziner geben Aufschluss darüber, dass es häufig der Fall sei, dass vor allem ältere Menschen mit schweren Erkrankungen im Krankenhaus letztlich Keimen und Viren erliegen. Mit Corona kam ein zusätzliches Risiko hinzu. So sollen 4 % der Sterbefälle im März und April auf das Corona-Virus zurückzuführen sein.

Die kritische Ärztin Konstantina Rösch forderte, die PCR-Teststraßen zur breiten Untersuchung der tödlichsten Volkskrankheiten zu nützen: Anstatt der umstrittenen Corona-Tests sollten die Österreicher lieber auf Anzeichen von Diabetes und Herz- Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden. Das wäre ein wirklicher Verdienst an der Volksgesundheit, konstatierte die entschiedene Gegnerin der Corona-Maßnahmen.  Die Statistik gibt der kritischen Kardiologin recht:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Nr. 1

Laut Statistik Austria starben im Jahr 2019 in Österreich insgesamt 83.386 Personen. Die zwei häufigsten Todesursachengruppen Herz-Kreislauf-Krankheiten (32.148 Sterbefälle oder 38,6 %) und Krebs (20.554 Sterbefälle oder 24,6 %) verursachten im Jahr 2019 zusammen rund sechs von zehn Sterbefällen.

Die übrigen verteilten sich auf Krankheiten der Atmungsorgane (6,3 %), der Verdauungsorgane (3,6 %), auf sonstige Krankheiten (21,3 %) und nicht natürliche Todesursachen (Verletzungen und Vergiftungen; 5,5 %).

Selbst wenn sich die Todeszahl von Corona im Jahr 2020 noch auf 4000 Fälle verdoppeln sollte, könnte sie mit der Anzahl der Sterbefälle durch die prädestinierten tödlichen Erkrankungen nicht annähernd mithalten. 

Verantwortungslose Medien

Mehr als 170.000 Menschen wurden in Österreich bisher positiv auf das Corona-Virus getestet. Die meisten bemerken abseits des positiven Testergebnisses und der damit einhergehenden Zwangsquarantäne nichts von der Erkrankung. Dennoch sehen wir uns seit März täglich durch die Mainstream-Medien mit Infektionszahlen, Kurven und Sterbezahlen konfrontiert. „1.815 Tote!“ – klingen dramatisch.

Und natürlich ist jeder Tote einer zu viel. Der geneigte Medienkonsument sieht sie nicht in Relation zur allgemeinen Sterblichkeit, die natürlich um ein Vielfaches höher ist. Kein Medium stellt die Zahlen in Relation zu den Opfern, die andere Erkrankungen tagtäglich fordern.

Stattdessen werden die Konsumenten fast schon durchgehend mit Warnungen vor der großen Corona-Gefahr „da draußen“ und selbst im eigenen Haushalt beschallt, als gäbe es kein Morgen. Die Politik steht dazu, bewusst Panik zu verbreiten, nicht nur interne Strategiepapiere der Regierung belegen das.

Bei all der Auseinandersetzung mit der statistisch bisher eher unscheinbaren Krankheit scheinen wir die Gesundheit im Allgemeinen immer stärker außer Acht zu lassen. Seit Oktober konnte eine massive Übersterblichkeit ermittelt werden.

Lebenswichtige Behandlungen auf Eis gelegt

Aus noch ungeklärter Ursache verstarben rund ein Viertel mehr Österreicher als im Vorjahr. Der Grund dafür muss nicht im Corona-Virus liegen. Durch den ersten Lockdown wurden etliche medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Operationen vorerst auf Eis gelegt.

Die Folgen sind beachtlich: So wurde beispielsweise während des ersten Lockdowns um 40 % weniger Brustkrebs diagnostiziert. Der Krebs und andere Erkrankungen gingen während des Lockdowns nicht auf Pause, sie wurden lediglich weniger diagnostiziert und behandelt. Für viele kam die Hilfe aufgrund des Lockdowns zu spät.

In der Steiermark gab es 80 % mehr Herzinfarkt-Tote durch den Lockdown. Die Spitäler nahmen einer Studie der MedUni Graz zufolge um 23 % weniger Patienten auf. Manche verlieren gleich mehrere Jahre an Lebenszeit, die sie durch die frühe Erkennung und Behandlung ihrer Erkrankungen noch genießen hätten können.

Immer mehr Österreicher fühlen sich mittlerweile um ihre gesundheitliche Versorgung während des ersten Lockdowns betrogen und klagen über Folgeschäden. Auch im zweiten Lockdown wird der Zugang zu Krankenhäusern wieder erschwert.  

„Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“ heißt es im Volksmund. Wenn wir die Krankheiten, die am häufigsten zum Tod führen, aus Angst vor Corona nicht mehr behandeln, könnte sich dieses Sprichwort auf besonders tragische Weise bewahrheiten.