Welch Ironie der Wissenschaftsgeschichte, dass wir von Fluor im Trinkwasser über Orangensaft zum Frühstück bis hin zum Begriff „Public Relations“ selbst, alles einem Neffen von Sigmund Freud zu verdanken haben – Edward Bernays. Geschickt wandte er die Erkenntnisse seines Onkels im 20. Jahrhundert zur Massenmanipulation an.

Von James Osch

Frauen rauchen nicht? Das taten sie Anfang des letzten Jahrhunderts tatsächlich nicht. Es galt als verpönt. Dieser mangelnde Marktzugriff war der Tabakindustrie ein Dorn im Auge und so wandte man sich 1929 an Edward Bernays. Dieser hatte ein gutes Jahrzehnt früher die erfolgreiche Propaganda-Kampagne zum Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg mit dem Slogan „Die Welt für Demokratie sicher machen“ geführt. Bernays hatte sich zwischenzeitlich nicht nur einen Namen in der jungen PR-Branche gemacht, er hat sie quasi erschaffen: Den Begriff „Public Relations-Berater“ münzte Bernays selbst, als ihm nach dem Krieg „Propagandist“ zu negativ behaftet schien.

Frauen sollen für Freiheit rauchen

Einer von Edward Bernays’ größter PR-Stunts war zweifelsohne die Frauenkampagne im Auftrag der Zigarettenhersteller. Ende der 1920er-Jahre kämpften die Souffragetten in den Vereinigten Staaten für das Frauenwahlrecht. Bernays ließ unter den Aktivistinnen Gratis-Zigaretten verteilen und streute die Bezeichnung „Fackeln der Freiheit“. Pressefotografen waren bei Demos zur Stelle und lichteten die emanzipierten, rauchenden Frauen ab. Mit dem Einfluss der werbestarken Tabakindustrie wurden die Artikel landesweit prominent platziert und so der Absatzmarkt verdoppelt. So leicht lässt sich eine legitime soziale Bewegung zu Werbezwecken missbrauchen.
Der 1891 in Wien geborene und bereits im Alter von einem Jahr mit seinen Eltern nach New York übersiedelte Edward ist mit seinen Kampagnen unter anderem federführend verantwortlich für folgende Errungenschaften des 20. Jahrhunderts:

Speck zum Frühstück:
Im Auftrag der Beech-Nut Packing Co. kurbelte Bernays den Schweinefleischkonsum an. 4.500 Ärzte bestätigten damals, dass ein herzhaftes Frühstück mehr Energie für den Tag liefert.

Fluor im Trinkwasser:
Für die Aluminum Co. of America überzeugte Bernays die Öffentlichkeit und Gesetzgeber vom angeblichen Nutzen von Fluorsalzen – ein toxisches Abfallprodukt der Aluminiumherstellung – für die Zahngesundheit. Wieder nutzte er medizinische „Experten“.

Bananenrepublik:
Für United Fruit (heute Chiquita) und die CIA führte Bernays 1954 eine den gewaltsamen Umsturz begleitende Schmutzkampagne gegen den volksnahen guatemaltekischen Präsidenten Guzman. Dieser hatte es gewagt, der in Guatemala und anderen mittelamerikanischen Ländern nahezu allmächtigen United Fruit Co. mit einer Landreform in die Quere zu kommen.

Das Ei im Pfannkuchenmix:
Bernays setzte Fokusgruppen ein und fand heraus, dass der geringe Erfolg der Fertigmischung am schlechten Gewissen der anvisierten Käuferinnen lag. Die Zubereitung – nur Wasser hinzufügen und mixen – war schlicht zu einfach, um dem Produkt Wertigkeit zu verleihen. Das fortan den Zubereitungshinweisen hinzugefügte aufgeschlagene Ei ist eigentlich gar nicht notwendig. Es verbessert nur das Gefühl des Zubereiters und die Verkaufszahlen.

„Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken.“ schrieb Bernays in seinem 1928 auf englisch erschienenen Buch „Propaganda“. Das klingt heute aktueller denn je. Eine deutsche Fassung gibt es übrigens erst seit 2008, obwohl Bernays’ Schriften nachweislich auch zur Propagandastrategie in Nazideutschland beigetragen haben.

Jetzt der Freiheitspieks?

Die Bernays’sche Dreifaltigkeit von sogenannten unabhängigen, autoritären Experten, sozialem Druck und künstlicher Verknappung trifft textbuchmäßig auf die andauernde Impfpropaganda zu. Laut Bernays ist „Propaganda überall um uns herum und sie verändert unser mentales Bild der Welt.“ Risiken werden weggeschwiegen, angebliche Vorteile hochstilisiert. Die Public Relations-Manipulatoren unserer Zeit nutzen dafür nicht nur massenpsychologische Mittel des vergangenen Jahrhunderts, sondern auch die individuellen Daten, die Big Data über uns sammelt. Ihre Leitlinie vom  verantwortungsvollen Konzern, der nur das Beste für seine Kunden, die Menschheit und den ganzen Planeten möchte, wird immer raffinierter projiziert. Wahr ist davon das wenigste, denn spätestens seit Edward Bernays wissen wir: Propaganda kommt ohne Wahrheit aus – allein auf die Wiederholung kommt es an.

Die Bevölkerung muss es wollen

„Die Wünsche der Bevölkerung müssen ihre Bedürfnisse überschatten.“
Von mehr Speck bis zu Kriegen lässt sich den Massen mittels Propaganda alles verkaufen. Man muss es nur richtig formulieren. Wenn man jedoch weiß, wie die Manipulation funktioniert, kann man sich ihr entziehen.

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