In der Vorwoche verlautbarte die türkis-grüne Regierung den ambitionierten Plan, bis zu 15.000 Menschen pro Tag auf das neuartige Corona-Virus zu testen. Der Trend scheint aber eher in die umgekehrte Richtung zu gehen.

„Testen, testen, testen“ – diese Parole erklärte die heimische Mitte-Links-Koalition zu einem der Grundpfeiler des Kampfes gegen COVID-19. Und betrachtet man die nackten Zahlen der positiven Testergebnisse, scheint sich auch eine erste Abflachung der Kurve bei Infektionen einzustellen. Einzig: Das ist nicht ausschließlich der Verdienst der Corona-Maßnahmen – sondern möglicherweise auch jener rückläufigen Tests.

Rückläufige Testanzahl wegen knapper Rohstoffe

Erreichten die Eingaben über Testungen etwa noch am 24. März mit 4.961 den bisherigen Höchststand, fiel man innerhalb einer Woche auf 2.889 Tests am 31. März – ein Rückgang von 41,8 Prozent. Der Trend geht insgesamt nach unten – einzige Ausreißer sind die Zahlen vom Sonntag (3.691) und vom gestrigen Mittwoch (3.519). Aber auch letztere Ziffer bedeutet ein Minus von 29 Prozent im Vergleich zum Rekordtag.

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) führten diesen Umstand auf einige Faktoren zurück. Einerseits hätten gerade kleine Labore noch keine Verbindung zum elektronischen Meldesystem. Daher flössen Positivtests alsbaldigst in die Statistik ein – negative Ergebnisse aber mit etwas Verspätung. Außerdem seien auf dem Weltmarkt die nötigen Reagenzien ein knappes Gut.

Anschober: Fast 40.000 Tests noch nicht erfasst

In einer Pressekonferenz am Mittwoch nahm Anschober dann in einer Pressekonferenz erneut Stellung. Er hob dabei die Höhe der Diskrepanz zwischen tatsächlichen und gemeldeten Tests hervor. Während die offizielle Statistik nur 55.000 ausweise, hätten in Wirklichkeit bereits über 92.000 Tests stattgefunden, wie die OÖN ihn in einem relativ unkritischen Bericht zitieren.

Freilich lässt aber auch diese Zahl nur die Deutung offen, dass man selbst bei gutem Willen wohl meilenweit von den 15.000 avisierten täglichen Tests weg ist. Auch, dass die etwa vierzig Labors nicht alle an Meldesystem hängen, sorgt für schiefe Optik, funktioniert dies doch sogar im besonders schwer betroffenen Italien. Zuletzt fehlt Vergleichbarkeit, wenn 40 Prozent der Testergebnisse nach Tagen noch nicht eingepflegt sind…

Doppelter Image-Vorteil für die Regierung?

Für die Regierung könnte der Umstand weniger Positivmeldungen freilich einen doppelten Vorteil bieten. Auf der einen Seite kann sie auf vermeintlich eigene Erfolge hinweisen, weil die Zuwachsrate längst nur mehr im einstelligen Prozentbereich ist. Weil die Anzahl der Testungen aber nicht ausreichend ansteigt, kann sie weiterhin auf eine unbekannt hohe Dunkelziffer hinweisen und kann daher bei weiteren Einschnitten in persönliche Freiheiten auf Unterstützung und Verständnis des Souveräns hoffen…

Blauer Bundesrat schimpfte über Testmodalitäten

Dass es in manchen Gebieten schwierig ist, überhaupt zu einem Test zu kommen, ließ in der Vorwoche ein wütendes Video von FPÖ-Bundesrat Christoph Steiner anklingen. Der Tiroler hatte sich in der Vorwoche aufgrund möglicher Symptome darum bemüht, wurde allerdings als Nicht-Risiko-Patient an der Hotline abgewimmelt. Erst als er sein politisches Mandat erwähnt, ging es plötzlich ganz schnell und er kam zu einem Test. Am Testort angekommen, stellte er dann fest, dass er – im am meisten betroffene Bundesland – der erste Getestete des Tages war.

In seinem Video erzählte er von seiner Odyssee und rechnete er mit der Regierung und deren „Sonntagsreden“ ab. Dass es trotz Symptomen teilweise zu keinem Test käme, sei „nicht unser Anspruch in Tirol“. Eine solche Selektion bedeute, dass Personen trotz Infizierung das Virus in die Öffentlichkeit trügen: „Deshalb gehört getestet, so viele Leute wie sich melden wie möglich“. Sein eigener Test fiel dann glücklicherweise negativ aus.