Groß war in den vergangenen Tagen die Empörung rund um die harmlose Ankündigung von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, die Regierung wolle Asylwerber „konzentriert an einem Ort halten“ („Wochenblick“ berichtete).

Ein Kommentar von „wochenblick.at“-Chefredakteur Johannes Schüller

Jetzt zeichnet sich unter Netz-Nutzern ein Wirbel um ein SPÖ-Plakat, das in Niederösterreich anlässlich der bevorstehenden Landtagswahl großflächig plakatiert wurde, ab. Doch das linke Medien-Establishment selbst schweigt diesmal eisern.

SPÖ-Politiker als „Gasgeber“

Auf dem – vorerst – etwas skurril anmutenden Plakat ist ausgerechnet der SPÖ-Chef von Niederösterreich Franz Schnabl zu sehen! Er fährt, offenbar mit einem unbekannten Genossen, Moped, spreizt die Beine. Darunter prangt der Spruch „Gasgeber“…

Die Polit-Parole „Gasgeber“ hat freilich einen mehr als faden Beigeschmack. Bereits 2011 nutzte der damalige Boss der rechten NPD, Udo Voigt, im Berliner Wahlkampf den Slogan. Auch er war in ähnlicher Positionierung zu sehen, in An- und Ausführungszeichen stand auf dem NPD-Plakat „GAS geben“. Derselbe Fall wie jetzt bei Schnabl – sollte man meinen.

„Menschenverachtend“

Jedenfalls war die Empörung über den angeblich doppeldeutigen Spruch 2011 ungemein groß. Etablierte Journalisten und Politiker sahen darin sogar eine Anspielung auf die Vergasung von Juden während des Zweiten Weltkrieg und den Holocaust! Jedoch stand das Plakat von Voigt in keinem inhaltlichen Zusammenhang zu dieser an schlimme Zeiten erinnernden Thematik…

Ein Politiker der Merkel-Partei CDU sprach trotzdem von „Menschenverachtung“, eine Vertreterin der SED-Nachfolgepartei „Die Linke“ wollte das Plakat sogar auf „strafrechtliche Relevanz“ prüfen lassen!

udo voigt gas geben

„Furchtbare Erinnerungen“

Im Fall von Schnabl, dessen Wahlkampf-Slogan fast identisch ist, sollte nun eigentlich eine ähnlich umfangreiche Empörung ausbrechen. Doch bisher beschränkt sich diese nur auf sozialdemokratische und linke Facebook-Nutzer. „Is einfach geschmacklos“ (sic!), schreibt etwa eine bekennende SPÖ-Wählerin.

Ein anderer Nutzer meint: „Muss das wirklich sein? In Zeiten von wörtlichen Entgleisern wie von Kickl“. Ein anderer Nutzer wiederum meint, bei Holocaust-Überlebenden würden solche „Verbalentgleisungen“ „furchtbare Erinnerungen“ wecken.

Linke Doppelmoral

Bisher schweigt das linke Establishment über das durchaus medial wahrgenommene SPÖ-Plakat. Zwar schreibt „Die Presse“ von „einer SPÖ-Kampagne zwischen Schmäh und Verstörung“, geht jedoch nicht näher auf das pikante „Gasgeber“-Plakat ein. Wieder mal ein typischer Fall linker Doppelmoral?

Bei einer ernsthaften politischen Auseinandersetzung sollten zweifelsohne konkrete Inhalte – und keine ewigen, einer tausendjährigen Vergangenheitsbewältigung dienenden Wortklaubereien – im Vordergrund stehen. Die politische Linke bevorzugt, immer öfter angesichts fehlender Argumente in der Sache, freilich den Wirbel um Wort-Spaltereien. Man darf also auch diesmal gespannt auf die Empörung über „Gasgeber“ Schnabl warten – oder etwa nicht?