Sperrfrist 11.09. | Eins, zwo, drei, vier: Jetzt wird aufgetanzt!
Redakteurin Elsa Mittmannsgruber beim Volkstanz. (Foto: Wochenblick)

„Unser kunstreicher, altehrwürdiger, reizvoller Volkstanz, der Landla, gehört zusammen mit der Linzer Torte, dem Most, der Goldhaube und vielleicht noch der schönen Linzerin zu jener kleinen, gemischten Gesellschaft von Merkzeichen oberösterreichischer Eigenart, die es zur Berühmtheit draußen in der Welt gebracht haben. Trotzdem weiß in der Regel auch der gebürtige Mostschädl schier nichts von ihm…“ – schreibt der Volkskundler und Lehrer Dr. Hans Commenda in „Oberösterreich – ein Heimatbuch für Schule und Haus“.

Ein Bericht von Elsa Mittmannsgruber

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Der überaus vielfältige „Landla“ ist jedoch nur einer von zahlreichen Volkstänzen in Oberösterreich. Nicht nur für ihn, sondern allgemein gilt: „Der Volkstanz ist bedroht.

Dem Volkstanz verschrieben: Robert und Elfriede Koch wollen Kulturgut vorm Vergessen bewahren

Kaum jemand kann heute noch Tänze geschweige denn weiß überhaupt, was Volkstanz genau ist“, beklagt Robert Koch. Seit 15 Jahren leitet er bereits Volkstanz-Kurse in Linz bei der Volkshochschule und engagiert sich für den Erhalt des beschwingten Kulturgutes. Neben seiner besonderen Freude am Tanz zählt für Koch dabei vor allem eines: „Der Volkstanz muss weiterleben. Er ist Teil unseres Brauchtums. Das Alte darf nicht vergessen werden. Es sind unsere Wurzeln.“

Für den „Wochenblick“ gab Robert Koch zusammen mit seiner Frau Elfriede eine Privatschulung im Volkstanz. Gemeinsam mit drei weiteren Pärchen aus seinem Volkshochschulkurs durften wir die Schrittfolgen von „Druck’ na zua“, „Hiatamadl“, „Holsteiner Dreitour“, „Siebenschritt“, „Masolka zu dritt“ und „Bauernmadl“ kennenlernen.

Tanzen für Körper und Geist

Nach dem dritten Tanz wussten wir jedoch bereits nicht mehr wie der erste ging und das erachtet Robert Koch auch als die größte Herausforderung: „Sich die Figurenfolgen zu merken und nicht im Kopf verschiedene Tänze zu vermischen, da sich oft Figuren bei anderen Tänzen wiederholen.“ Dem kann ich nur beipflichten und darum ist klar: Im Herbst beginnt für mich der Volkstanzkurs an der Volkshochschule, denn ohne regelmäßige Übung wird das nichts. Und ich muss gestehen: Es war einfach eine Mordsgaudi!

„Beim Tanzen sind Hirn und Körper im Einsatz. Es ist erwiesenermaßen das Beste für Körper, Geist und Seele. Ich kann stundenlang durchtanzen, da brauche ich sonst keinen Sport“, schwärmt Robert Koch, der schon als Lehrbub mit voller Leidenschaft das Tanzbein schwang.

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„Ich habe damals nie einen Ball ausgelassen“, erinnert er sich. Bevor sich Koch 1997 voll und ganz dem Volkstanz verschrieb, tanzte er mit seiner Frau Elfriede 13 Jahre lang Standard-Latein. „Der Volkstanz ist aber weniger streng, die Leute sind gemütlicher und man ist von keiner speziellen Partnerin abhängig, weil ja alle dasselbe lernen.

Von Standard-Latein zu Volkstanz

Außerdem tanzt man immer in der Gruppe im Kreis gegen den Uhrzeigersinn, also ganz anders als Standard-Latein“, unterscheidet Koch, der mittlerweile mehr als hundert Volkstänze zu seinem Repertoire zählt und ständig Neue dazulernt. „Alle auswendig weiß ich natürlich nicht, aber mit meinen Aufzeichnungen bin ich immer wieder schnell drinnen“, verrät der Profi, der mit einem enormen Fundus an alten Aufzeichnungen und Volkstanz-Beschreibungen aufwarten kann.

Solche zu bekommen, sei heutzutage nicht mehr leicht, denn „die alten Bücher und Aufzeichnungen sind vergriffen, werden oft weggeschmissen und auch nicht mehr nachgedruckt und die Leute, die damals selbst noch die Volkstänze getanzt haben, sind meist schon sehr alt oder bereits gestorben. Da findet man heute kaum jemand mehr, der die Tänze noch weitergeben kann, geschweige denn einen Musiker, der noch die Melodie dazu weiß“, beklagt Koch, der deshalb seine mühsam gesammelten Bücher und Aufzeichnungen wie einen Schatz bewahrt.

Kaum mehr neue Tänze erfunden

Neue Tänze werden heutzutage kaum mehr erfunden, weiß Robert Koch. Die meisten, die wir heute noch tanzen, seien überlieferte Volkstänze, die bereits unsere Urgroßväter tanzten. „Und auch diese sind nur Momentaufnahmen, die irgendwann aufgeschrieben wurden“, so Koch. Denn so ein Tanz entwickelte sich stets weiter. „Früher hatte jeder Ort seinen eigenen Tanz, den durfte niemand sonst tanzen. Jemand hat etwas angefangen und der Tanz ist dann immer mehr im gemeinschaftlichen Ausüben gewachsen und weitergegeben worden“, erklärt der begeisterte Volkstänzer.

Heute ist das aber nicht mehr so streng und jeder tanzt die Tänze der anderen. Im Volkshochschulkurs von Robert und Elfriede Koch lernen die Teilnehmer rund fünfzig Volkstänze, auch aus Bayern und der Schweiz, und das innerhalb von zehn Abenden. Für den Kurs im Herbst wünschen sich die beiden junges Blut, denn „gerade in der Stadt gibt es sehr wenig Nachwuchs im Volkstanz. Obwohl es gerade im anonymen Stadtleben und im Internet-Zeitalter den Leuten so gut tun würde. Denn der Volkstanz bringt Leute zusammen, stärkt die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl!“

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