Damit dürften wohl nicht viele gerechnet haben: Ausgerechnet Rock-Opa John Lydon alias „Johnny Rotten“, der mit der Punk-Band Sex Pistols weltberühmt wurde, ruft zur Wahl von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November auf. Dies hat auch damit zu tun, dass er den Gegenkandidaten Joe Biden für unfähig hält. 

Der gebürtige Engländer, der im bürgerlichen Namen John Lydon heißt, ist seit 2013 US-Staatsbürger und ist zum zweiten Mal wahlberechtigt. Bei der letzten Wahl stimmte er noch für Trumps einstige Widersacherin Hillary Clinton – diesmal aber möchte er seinen Anteil zu einer erfolgreichen Wiederwahl des Amtsinhaber leisten.

Trump als „einzig vernünftige Wahl“

Gegenüber der britischen Zeitung „The Observer“ sagte er: „Er ist die einzig vernünftige Wahl, jetzt, da Biden im Rennen ist – er kann das einfach nicht, das Ruder zu übernehmen“, so Lydons Abrechnung mit dem Herausforderer. Außerdem findet er Gefallen an der Wirtschaftspolitik Trumps. Nicht zuletzt könne er nachempfinden, wie es ist, fälschlicherweise des Rassismus bezichtigt zu werden.

Lydon, der sich selbst eigentlich als Anti-Rassist bezeichnet, musste sich vor zwölf Jahren mit Vorwürfen herumschlagen, er habe den schwarzen Sänger Kele Okereke bei einem Treffen rassistisch beleidigt. Die britische Presse lieferte eine regelrechte Hetzjagd auf den Sohn irischer Gastarbeiter. Letztendlich musste er sich im Fernsehen öffentlich von rassistischen Ressentiments distanzieren.

Lydon: „Alle Leben sind wichtig“

Er äußerte sich auch kritisch zum offiziellen „Black Lives Matter“-Narrativ. Zwar finde er, dass der Tod von George Floyd „auf jeden Fall grässlich“ war. Dies bedeute aber noch lange nicht, dass alle Polizisten furchtbar oder überhaupt alle Weißen rassistisch seien. Auch den spalterischen Tendenzen der Parole kann er nichts abgewinnen: „Denn alle Leben sind wichtig“, so Lydons klare Ansage.

Politischer Mensch – fernab jeder Schublade

Der bekannte Musiker ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, sich politisch kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dabei kritisierte er Konservative stets ebenso wie Sozialisten. Er setzt sich für Umwelt- und Tierschutz ein, kann aber mit dem Linksdrall vieler Organisationen in diesem Bereich wenig anfangen.

Während er seine eigene Herkunft im multikulturellen Vorort als Bereicherung sieht, äußerte er in der Vergangenheit dennoch Verständnis für einwanderungskritische Äußerungen und den Brexit, äußerte sich positiv über Enoch Powell, Nigel Farage – oder eben Donald Trump.