Der knapp 100 Jahre alte Prinzgemahl Philip wurde bis zum gestrigen Dienstag wochenlang im Londoner King-Edward-VII Spital-behandelt. Infoquellen aus Palastkreisen betonen, dass dessen Schwäche nichts mit einer Covid-Erkrankung zu tun hatte. Zeitgleich wurde der Hollywood Prinz Harry seiner zeremoniellen Titel (und Blechorden) enthoben und aus der Thronfolge ausgeschlossen. Wird dies das endgültige Aus für die britische Monarchie einläuten?

Gastbeitrag aus London von Reinhard Damberger

Sorge um den Prinzgemahl

Laut offiziellen Palastquellen wurde Prinzgemahl Philip und Herzog von Edinburgh nach einer Herzoperation im St.-Bartholomew-Spital zuletzt wieder in die elitäre Privatklinik King Edward VII zurück verlegt worden. „Bart’s Hospital“ ist weltbekannt für dessen Kardio-Expertise. Beide Spitäler sind in Zentral-London. Somit befand er sich fast ein Monat lang durchgehend in stationärer Intensivbehandlung.

Unbestätigte Gerüchte, wonach der Prinzgemahl bereits im vergangen Jahr bereits verstorben sei, was allerdings streng geheim gehalten sein sollte, halten sich hartnäckig. Und in Anbetracht dessen hohen Alters (99) wären gesundheitliche Komplikationen oder Tod keine allzu grosse Überraschung.

Vor dem Hintergrund der Palastkrise mit Meghan Markle/Prinz Harry kommen die Nachrichten über die angeschlagene Gesundheit des Queen-Gemahls zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn die Existenz der britischen Monarchie steht gegenwärtig generell in Frage.

Britisches Königshaus mit deutschen Wurzeln

Die britische Monarchie hat mit wenigen Ausnahmen einen deutschen Stammbaum – die im März 2002 verstorbene Queen Mother hatte als schottische Prinzessin als einzige britische Wurzeln. Als Hymne fungiert eine Melodie, die mit jener Preußens („Heil Dir im Siegerkranz“) ident ist. Diese Wurzeln waren ab dem ersten Weltkrieg rasch peinlich: Mit dem Kriegsausbruch 1914 wandelte man den Namen Battenberg rasch in Mountbatten um, alle deutschen Wurzeln wurden umgehend offiziell getilgt. 

Den Tatsachen entspricht das nicht: So ist auch der in Korfu geborene Prinz Philip griechischen, dänischen und deutschen Ursprungs. Seine Mutter war Prinzessin Alice von Battenberg. 1922 nach einem gescheiterten Krieg gegen die Türkei wurde die ganze Familie aus Griechenland verbannt und zog in das Exil in Paris um. Scherzhaft und abfällig wurde Philip damals auch als “Phil the Greek” bezeichnet. 1939 trat er der Royal Navy bei und leistete im Mittelmeer und zum Ende des 2. Weltkriegs auch in Fernost Wehrdienst. Im November 1947 heiratete er Prinzessin Elisabeth, die spätere Queen.

Prinz Philip wurde mit der Krönung seiner Gattin im Jahre 1952 zum Prinzgemahl. Bekannt – und beim Volk beliebt – wurde er wegen seiner wiederholten politisch-unkorrekten Bemerkungen, wie etwa im Rahmen eines Staatsbesuchs 1986 in der VR China: “Wenn wir noch länger hier bleiben, werden wir alle Schlitzaugen haben”.

Monarchie seit Jahrzehnten in der Krise

Die Monarchie-Krise hält bereits seit längerer Zeit an:
Annus Horribilis 1992: Grosser Brand in Windsor Castle, Nacktfotos von Fergie in der englischen Regenbogenpresse, Diana-Skandal in Vogue und Scheidung von Princess Anne
• 1997: Tod von Prinzessin Diana und ihrem Lebensgefährten Dodi Fayed durch Verkehrsunfall in einer Verkehrsunterführung in der Pariser Place d’Alama. Böse Zungen wollen immer noch behaupten, dass dabei nicht Alles mit rechten Dingen zuging.
• 1997: „Devolution of Power“ in Schottland und Errichten eines schottischen Parlaments –  längst überfällig. Nordirland (Ulster) und Wales folgen nach
• 2016: Brexit-Volksabstimmung mit bekanntem Ausgang
• 2019: „Megxit“ und Aberkennung aller öffentlicher Pflichten von ehem. “Prince” Harry, der sich jetzt als “Prince of Hollywood” von Süd-Kalifornien in aller Pracht aus präsentiert darf (sofern Meghan dies erlaubt…) Seine Blechorden (spöttisch bekannt als „Mehlspeisen zum Umhängen“) musste er leider wieder zurückgeben…

Die Monarchie spielte in der Vergangenheit, etwa während des 2. Weltkriegs eine wichtige und v.a. unpolitische Rolle, die die gesamte Nation und das damalige Empire hinter sich vereinte. Selbst die Sprach-Behinderung von King Georg VI (er stotterte sehr stark) konnte dem nichts anhaben.

Kriegsgewinn als historische Hypothek

Mittlerweile sieht es allerdings ganz anders aus: Grossbritannien ist seit 1940 pleite und wurde eigentlich nur durch die USA (Land-Lease) und ehemalige Kolonialgebiete, wie etwa Kanada, Australien usw. vor dem totalen Untergang gerettet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es dann richtig schlimm: Die USA als Hauptgläubiger der Briten duldeten keine Kolonialreiche neben sich. Der größte Schlag war die Unabhängigkeitserklärung Indiens, die in einer katastrophalen Teilung des indischen Subkontinents endete.

Mit der Neu-Entstehung von Indien, Pakistan und Ost-Pakistan (Bangladesch) fanden Millionen den Tod (auch Religionskriege flammten auf) und in England wurden Lebensmittelmarken an die Zivilbevölkerung ausgeteilt. Die Lebensverhältnisse (v.a. die Ernährung und Versorgung mit Energie) waren schlimmer als während der Kriegsjahre – aber wenigstens war Frieden.

Die Unabhängigkeitsbestrebungen fanden in praktisch allen Teilen des ehemaligen Weltreichs statt: Burma (Myanmar), Malaysia und viele mehr. Australien, Neuseeland und Kanada bekamen neben neuer Währungen (nun Aussie, Kiwi und Canadian Dollar, vorher respektive Pfund) einen Sonderstatus und wandten sich immer mehr den USA zu. Südafrika war ein Sonderfall, da die Buren die britischen Greueltaten und die englischen Konzentrationslager des Burenkriegs nicht so schnell vergessen hatten. Zuletzt warf auch noch Malta die Engländer von ihrer Mittelmeer-Insel und schloss die so strategisch wichtigen Stützpunkte.

Aufstieg des Weltreichs ab Elisabeth I.

Die protestantische Tochter von Henry VIII erbte im 16. Jahrhundert von ihrem Vater eine schlagkräftige Marine. Zu diesem historischen Zeitpunkt war England relativ arm (im Kontrast etwa zu den italienischen Stadtrepubliken) und verglichen mit dem Heiligen Römischen Reich (dem auch Spanien/Portugal und deren Kolonien in Zentral- und Südamerika angehörten) recht unterbemittelt.

Es fehlte schlicht weg an Geld, d.h. es waren zu wenig Edelmetalle (Gold und Silber) in England. Die wilden und kampfeslustigen Schotten waren noch nicht endgültig bezwungen/besiegt – da blieben nur Wales und Irland übrig. Drake und Raleigh überfielen regelmäßig spanische/portugiesische Galleonen im Südatlantik und Südpazifik für deren Gold/Silber und brachten so viel Geld in die Staatskasse von Elisabeth I.

Zum Ende ihrer Regentschaft hatte Elisabeth I fast alle Staatsschulden abbezahlt. Die vom spanischen Koenig Philipp II geplante Invasion im Jahre 1588 – um England wieder katholisch zu machen- scheiterte kläglich. Der Weg war frei für ein Weltreich, dessen Zenit Anfang des 20. Jahrhunderts erreicht sein sollte. Aus dieser Zeit stammt der Spruch eines Matrosen, der einen Finger in das Meer steckte: “Tastes salty, must be British“ (Schmeckt salzig, muss britisch sein)

Elisabeth II. als Masseverwalterin des Zusammenfalls

1800 entstand das Vereinigte Königreich, bestehend aus England, Wales, Schottland und Irland. Die gegenwärtige Nationalflagge, der Union Jack, wurde 1801 eingeführt und gilt bis heute – dies könnte sich aber bald ändern, mit den gegenwärtigen Unabhängigkeitsbestrebungen und den immer lauter werdenden Rufen nach einer schottischen Unabhängigkeit.

Die nächste Abstimmung könnte anders ausgehen: Die Schotten wollen in der EU bleiben und die blaue Flagge mit den gelben Sternen weht immer noch über schottischen Parlamentsgebäude in Edinburgh. Nordirland (Ulster) und dessen gemeinsame Grenze mit der unabhängigen Republik Irland wird auch nach dem Brexit mit bürokratischen Schikanen beim Warenverkehr behindert (und dies hauptsächlich von britischer und nicht von EU-Seite).

Aktuelle Krise als Folge eines maroden Systems

Ein Fakt zuerst: Das Vereinigte Königreich hat keine geschriebene Verfassung. Anders als in Kanada oder Australien, also in früheren Kolonien und Nationen die föderalistisch organisiert sind, hat das UK keine schriftliche Verfassung, ausser der Magna Carta aus dem Jahre 1215 (!). Sowohl Kanada als auch Australien haben Provinzen/Bundesstaaten mit einem nationalen Parlament und Regierungssitz – dies ist in Grossbritannien nie geschehen.

Westminster regiert von London aus in einer zentralistischen Manier, wie man es sonst nur in Frankreich kennt. Nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien und der Ausrufung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 hätte sich eigentlich die ideale Chance ergeben ein formelles föderalistisches System einzuführen. Diese Chance wurde vertan, weil man zu träge, zu faul und zu dumm war. Die Konsequenzen sind gegenwärtig zu spüren.

Der einfache Mann als Leidtragender

Mit der Korona-Hysterie und dem gleichzeitigen Abwürgen jeder wirtschaftlichen Aktivität erscheint eine Monarchie in deren gegenwärtigen Form als zynischer Parasitismus und ein Schlag in das Gesicht des einfachen Mannes. Familien verlieren ohne eigenes Verschulden deren Dach über dem Kopf, weil sie wegen Verlust von Arbeitsplätzen die Miete/Immobilienhypothek nicht mehr bezahlen können.

Unternehmen des Mittelstands müssen Insolvenz anmelden und selbst die kleine, familiengeführte Espresso-Bar um die Ecke muss dicht machen. Das bisher exzellente britische Gesundheitssystem interessiert sich nur noch für Privatpatienten (siehe Prince Philip) und Korona-”Impfungen”.

Dringend nötige Operationen, wie etwa bei akuten Krebsbeschwerden und dergleichen, werden verschoben/storniert usw., bis die Patienten von selbst sterben. Dies hat zwei Vorteile. Erstens: Der verstorbene Patient verursacht keine weiteren Kosten mehr, da er schlichtweg tot ist. Zweitens: Man kann den Todesfall unter Covid 19 einbuchen, um so die offizielle Statistik zu schönen.

Dekadenter Lebensstil von Royals & Co. als Ablenkung

In Anbetracht all der oben beschriebenen Probleme, erscheinen die “Minor” Royals (dazu zählt auch Harry) und deren Lebensstil (Celebrity Cult, Private Jets, teure Cocktails in noch teuren Trendbars trotz Lockdown etc.) schlichtweg als pure Verhöhnung der breiten und normalen Volksmassen.

Die britischen “Qualitäts”-Medien spielen hierbei kräftig mit und wir sehen täglich viele Dekolletés mit tiefen Ausschnitten auf in Dubai gebräunter Haut von völlig unbekannten und talentlosen Starlets („Z-Listers“). Wenn wir Glück haben, behalten sie deren völlig irrelevante Meinung für sich und halten die Klappe – die meisten können sowieso keine kohärenten Satz zusammenfügen oder aussprechen.

Erhebung des Volkes: Marie Antoinette lässt grüßen?

Der spätere österreichische Kaiser und Sohn der Kaiserin Maria Theresia, Joseph II., warnte in einem Brandbrief an seine jüngere Schwester Marie Antoinette (damals französische Königin und Gemahlin von Ludwig XVI) vor den katastrophalen Folgen einer Erhebung des Volks – seine Warnung wurde von ihr ignoriert, die französische Revolution brach aus und nahm ihren blutigen Lauf.

Wie wir alle wissen, wurde 1793 das französische Königspaar auf dem Schafott auf der Pariser Place de la Concorde mittels der Guillotine enthauptet. Das war das vorläufige Ende der Monarchie in Frankreich und es folgte „La Terreur“ unter dem Jakobiner Robespierre. Dann kam Napoleon und der Rest ist Geschichte.

Zerbricht jetzt das Königreich auf der Insel?

Zurück zur gegenwärtigen Situation, oder: Föderalismus ist ein Schimpfwort.
Schottland unter der Führung von Nicola Sturgeon (First Minister of Scotland – vergleichbar mit einem österreichischen Landeshauptmann) will ein unabhängiges Schottland, das in die EU zurückkehren soll. So flattert nach wie vor die blaue EU-Flagge mit den gelben Sternen über dem schottischen Landesparlament in Edinburgh: auch als Widerstandssymbol in Richtung London. 

Wales macht mittlerweile ähnliche Töne und spricht laut dessen First-Minister Mark Drakeford (sein Sohn wartet auf dessen Prozessbeginn – er ist wegen Pädophilie angeklagt) von einem Austritt aus dem Vereinigten Königreich. Sogar Cornwall, das im äussersten Südwesten Englands gelegen ist, will Unabhängigkeit von London. Schliesslich hat man ja dort eine eigene Flagge (die nicht im Union Jack vertreten ist und eine eigene Lokalsprache, die kaum einer versteht….).

Politischer Komplex als Spiegelbild des Verfalls

Dazu im Vereinigten Königreich noch eine Schießbudenfigur wie Premier-Minister Boris Johnson: Was will man eigentlich noch mehr für eine Katastrophe in allen erdenklichen Richtungen? Was kann da noch schiefgehen? Die Jakobiner sind in Form der Grünen/Antifa ja schon da.

Und so forderte das einzige weibliche Mitglied der Green Party im britischen Oberhaus (House of Lords) allen Ernstes vor wenigen Tagen die Einführung einer generellen Ausgangssperre ab 18 Uhr für alle Mitglieder des männlichen Geschlechts nach dem Mord einer jungen Frau in Clapham Common (London). Damit sollen angeblich nächtliche Angriffe auf Frauen von vornherein verhindert werden.

Die nächsten Wochen werden allemal interessant werden…