Frau Anonym ist Mutter eines 18-jährigen HTL-Schülers. Sie ist verunsichert und nervös. Denn sie hat auch Eltern im fortgeschrittenen Alter, die als Risikopatienten gelten. Und jetzt muss sie sich entscheiden:

Kommentar von Elsa Mittmansgrüber

das Kind umarmen und damit die Gesundheit anderer Familienmitglieder gefährden? Oder Abstand halten, sogar innerhalb der Kernfamilie? Die letzte Umarmung haben Mutter und Kind abgebrochen. Zurück bleibt ein schales Gefühl … Eine berührende Geschichte, die ich kürzlich in einer Tageszeitung las.

Übrig blieb auch bei mir ein schales Gefühl und die Hoffnung auf Satire. Aber leider, die Geschichte ist wahr. Und so ereignet es sich täglich in unzähligen Familien. Nicht nur mit Jugendlichen, sondern auch mit kleinen Kindern, wie mir bereits Therapeuten verschiedener Disziplinen berichteten. Viele Eltern haben Angst vor Corona und machen damit ihre Kinder verrückt.

Sei es im Desinfektions- und Waschwahn, im nervösen Verhalten, in überbordenden Verboten, in einer Verpflichtung der Kinder zum ganztägigen Maskentragen (auch im Freien) oder in der Berührungsangst bei den eigenen Familienmitgliedern. Die Kinder übernehmen so die Furcht der Eltern und entwickeln nicht selten daraus Traumata oder Belastungsstörungen, die sie vielleicht ein Leben lang zeichnen.

Als seien sie nicht bereits gestraft genug mit der bizarren Situation in Kindergarten, Schule und der gesamten Öffentlichkeit. Auch im Zuhause, dem Ort, wo sie Halt und Geborgenheit finden sollen, herrscht Ausnahmezustand. Liebe Eltern: Reißt euch zusammen! Oder habt ihr auch in jeder Grippesaison euren Kindern die Umarmung verweigert? Viren sind überall und im selben Haushalt wird euch auch ein Berührungsverbot nicht davor schützen.

Die Großeltern sind da meist viel gelassener und wenn, dann müsst ihr ihnen gegenüber erhöhte Sicherheitsvorkehrungen treffen. Seine Kinder zu verletzen, obwohl die Gefahr des Virus längst relativiert wurde, ist jedenfalls der falsche Weg. Angst ebenso. Denn sie schwächt nicht nur die Psyche, sondern auch das Immunsystem.