Im schicken Londoner Viertel von Westminster soll jetzt in einem Prachtbau, am Piccadilly Circus, eine Mega-Moschee entstehen. Der Stadtrat verheimlichte das, Medien machten es publik, jetzt hagelt es Proteste. Denn gleich um die Ecke liegt Soho, das traditionelle Zentrum der schwulen und alternativen Kultur. Man fürchtet um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

Von Kornelia Kirchweger

Wohltätiges Projekt

Besitzer der betroffenen Liegenschaft, dem historischen Trocadero-Gebäude, ist der in Malawi geborener Immobilieninvestor Asif Aziz. Er ist Chef des Anlagefonds Criterio Capital, der Immobilien im Wert von 2 Mrd. Pfund in ganz London hält. 2015 gründete Aziz eine Stiftung für wohltätige Zwecke. U.a. vergibt er Stipendien an Muslime. Mit „Wohltätigkeit“ begründete Aziz auch den, im Februar gestellten, Antrag für seinen Umbau.

Imam wird niederländischer Konvertit

Denn es werde dringend benötigter Platz, für die muslimische Gemeinde im Viertel, geschaffen. Die umliegenden Gebetshäuser platzen aus allen Nähten, wird angeführt. Der Keller des Trocadero-Gebäudes stehe seit 2005 leer, dort soll eine Moschee für 1000 Gläubige entstehen. Imam der Moschee soll Sulayman Van Ael werden, ein niederländischer muslimischer Konvertit. Im Erdgeschoss soll es Platz für ein Miteinander aller Menschen geben, egal welchen Glaubens.

Angst vor Kulturkrieg

Die Proteste nehmen jetzt zu. Ein früherer Stadtrat von Westminister beklagte es als „Zeichen der Zeit“, dass die Stadträte das Projekt verschweigen wollten. Vielleicht auch in Anspielung auf Londons Bürgermeister, Sadiq Khan, mit pakistanischen Wurzel, der so ein Projekt kaum ablehnen wird. Größte Sorge ist die Nähe zu Soho und als Folge, ein Aufeinanderprallen von Kulturen. Hinterfragt wird auch die Notwendigkeit einer Flaggschiff-Moschee, wo doch im Viertel nur 5 Prozent Muslime leben. Zum Freitagsgebet befürchtet man zudem ein völliges Verkehrschaos. Der Investor dazu: bereits ein Fünftel von Westminster seien Muslime, diese Zahl werde bei der Volkszählung 2021 deutlich höher sein. Man brauche also die Moschee. An Wochentagen erwarte man zudem nur 100 Gäste pro Tag, das sei verkraftbar.