Seit Jahresbeginn kamen 4.100 Migranten illegal nach Großbritannien aus Frankreich über den Kanal. Fast vier Mal so viel wie im Vorjahr. Die Medien schwiegen. Brexit-Partei-Führer Nigel Farage filmte solche Landungen und machte sie publik. Die von Corona geplagten Briten sind wütend. Die Innenministerin stellte Frankreich jetzt ein Ultimatum und schaltete Militär und Marine ein. Nach dem Brexit soll es ein strengeres Asylrecht geben.

von Kornelia Kirchweger

Premierminister Boris Johnson bezeichnete die illegalen Übertritte als „schlecht, dumm und kriminell“. Der Flüchtlingsrat kritisierte Johnsons Worte in typisch absurder Weise: Asyl zu beantragen sei kein Verbrechen – und es sei legitim, dass Menschen Grenzen überschreiten müssen, um dieses zu tun“. Ein Sprecher von Premier Boris Johnson bedauerte, dass man noch an EU-Asylrecht gebunden sei. Es gebe schikanöse Deadlines, die von Migranten und deren Rechtsanwälten missbraucht werden können sodass Rückschiebungen zumeist unmöglich werden. Aktuell wird lediglich einer von 40 illegal nach England gekommenen Migranten zurückgeschoben.

Migranten drohen mit Selbstmord

Innenministerin Patel ernannte nun einen eigenen „Befehlshaber für die Illegale Kanalbedrohung“ der mit den Franzosen verhandelt. Sie forderte Paris zur Identifizierung der Migranten in Calais auf, von diesen Fingerabdrücke für die EU-Datenbank zu nehmen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Jetzt lässt sie Militärflugzeuge aufklärend über dem Kanal kreisen und holte die Königliche Marine zu Hilfe.  Diese soll notfalls auch mit Netzen, die Propeller von Migranten-Booten unschädlich machen. Sollte die Marine derart einschreiten, kündigten Migranten an, sich zu ertränken. Der Kanal werde ein Meer der Leichen werden.

Calais schäumt: „Seekriegserklärung“

Die Bürgermeisterin von Calais, wo vor Jahren ein berüchtigtes Migranten-Camp geschliffen wurde, nun aber wieder entsteht, sprach von einer „Seekriegserklärung“ Englands gegenüber Frankreich. Man lasse sich von Boris Johnson nicht belehren, der selbst für die eigene Misere verantwortlich sei. England sei für Migranten deshalb so attraktiv, weil sie dort, unkontrolliert, schwarz arbeiten können.  Großbritannien hat Frankreich in den letzten fünf Jahren 114 Mio Pfund bezahlt, um gegen illegale Einwanderer und Schlepper nach England vorzugehen, offenbar ohne großen Erfolg.