Nach Angaben der Statistik Austria lag die Inflation im Juli 2021 bei 2,9% – 2% werden in der Lehre allgemein als „gesund“ für die Wirtschaft angesehen. Zwischen 1995 und 2020 lag sie zwischen 0,5% (2009) und 3,3% (2011). Es ist somit alles in Ordnung! Oder doch nicht?

 Von Norbert Geroldinger

  • Berechnete Inflation ist nicht transparent
  • Gefühlte Inflation weitaus höher
  • Inflation trifft vor allem Einkommensschwache
  • Bereits extreme Preissteigerungen in Baubranche
  • 35 Mrd. Euro Kaufkraftverlust bei angenommener Inflation von 5%

Die errechnete Inflation schwankte in den letzten 25 Jahren zwischen 0,5% (2009) und 3,3% (2011), eigentlich wären wir mit 2,9% somit im langjährigen Durchschnitt. Allerdings ist die Berechnung der Inflation nicht gerade transparent, so werden z.B. auch Qualitätsänderungen berücksichtigt. Erhält ein PC ein Update oder neue Komponenten und wird teurer, wird diese Preiserhöhung bei der Berechnung der Inflation nicht miteinbezogen. Der für die Berechnung als Grundlage dienende Warenkorb besteht aus hunderten Waren und Dienstleistungen und wird laufend verändert (zuletzt 2020 bzw. 2015). Diese Warenkörbe unterscheiden sich wiederum zwischen einzelnen Staaten – teilweise werden z.B. Mieten nicht berücksichtigt.

Gefühlte Inflation bei 5,7%

Die gefühlte Inflation unterscheidet sich sehr stark von der errechneten. 2019 z.B. lag die Inflation im EU-Raum bei rund 1,2%, die gefühlte Inflation bei den einzelnen Bürgern war aber mit 5,7% rund drei Mal so hoch. Subjektiv werden Preisänderungen immer unterschiedlich empfunden. Kostete ein Liter Diesel im November 2020 rund € 1,00, so hatte man Mitte Juli 2021 fast € 1,25 zu berappen – also 25% mehr. Wahr ist aber auch, dass der Preis im September 2012 bei fast € 1,50 lag. Für den Zug-Fahrer ändert sich wiederum persönlich nichts, den interessieren eher die Änderungen bei den Ticket-Preisen. Was kümmert einen die Preissteigerung bei Waschmaschinen, wenn man nur alle 20 Jahre eine neue kauft?

Inflation trifft Einkommensschwache am stärksten

Je geringer das Einkommen ist, desto spürbarer wird allerdings jede kleinste Preisänderung. Ein Geringverdiener hat nichts von einer Verbilligung von Fernreisen, die er sich mit seinem Einkommen nie und nimmer leisten kann. Jeder Cent Mehrausgaben bei Lebensmitteln und Spritpreisen schmerzt aber hier besonders. Der Spitzenverdiener kann seinerseits die Streichung der Rabatte bei VIP-Kunden bei einem großen deutschen Automobilhersteller eher verschmerzen.

Enorme Preissteigerungen für Häuslbauer

Noch schlagen sich die teilweise täglich steigenden Preise bei Rohstoffen wie Stahl und Holz bzw. im Baubereich noch nicht unmittelbar auf die errechnete Inflation nieder. Der Häuslbauer sieht sich allerdings mit Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen im dreistelligen Bereich konfrontiert.

Schleichende Enteignung durch Inflation – 35 Mrd. Kaufkraftverlust pro Jahr

Auch wenn einen vielleicht steigende Treibstoffkosten nicht kümmern (man tankt ja immer um € 50), der Hausbau längst abgeschlossen ist und auch keine neue Waschmaschine angeschafft werden muss, sollte man nicht auf das Geld auf Sparbuch & Co. vergessen. Das Geldvermögen der Österreicher beträgt über € 700 Milliarden, bei einer Inflation von 5% verschwinden somit jedes Jahr € 35 Milliarden an Kaufkraft.

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