In den letzten Tagen und Wochen überschlugen sich die Meldungen. Während der Tourismus unter Corona schwer zu leiden hat, vermeldeten das AMS und auch die Politik eine leichte Erholung der Wirtschaft und einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Aber offenbar war die Freude verfrüht.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Die VW-Tochter MAN will Umstrukturierungen vornehmen und bis zu 9.500 Arbeiter entlassen. Auch das Werk im oberösterreichischen Steyr mit 2.300 Beschäftigten steht zur Dis­position.

Kündigungswelle in der oberösterreichischen Wirtschaft

Dann meldet der in Ried im Innkreis ansässige Luftfahrtzulieferer FACC, dass aufgrund der aktuellen Situation 650 Stellen abgebaut werden müssten. Ebenso will das Schalungstechnik-Unternehmen Doka aus Amstetten (NÖ) bis zu 300 von insgesamt 2.000 Mitarbeitern – viele davon aus OÖ – abbauen.

Die Grieskirchner Brauerei, eine der letzten Privatbrauereien in Oberösterreich, musste Insolvenz anmelden, da die Hauptabnehmer aus der Gastronomie coronabedingt wegfielen. Mit 20 bis 30 Prozent weniger Gewinn rechnet auch der Innviertler Skihersteller Fischer Sports.

Die Spitze des Eisberges?

Derzeit behilft man sich mit Kurzarbeit, flexiblen Betriebsvereinbarungen und Freizeitabbau, um die 450 Mitarbeiter zählende Stammbelegschaft in Ried halten zu können. Im Werk in der Ukraine musste man hingegen bereits 150 Angestellte entlassen.

Auch der AMS-OÖ-Chef Gerhard Straßer geht mittlerweile davon aus, dass sich trotz einer leichten Erholung der Arbeitslosenzahlen die Lage wieder verschärfen wird und spätestens im Jänner eine neue Spitze erreicht.

Dazu tragen natürlich auch die genannten Fälle bei. Doch gilt es, dabei nicht außer Acht zu lassen, dass dies die Spitze des Eisberges ist.

Angst vor dem Domino-Effekt

Gerade bei der durch die Klimapolitik gebeutelten Automobilindustrie sind die Zulieferfirmen, denen durch Schließungen die Abnehmer abhandenkommen, die nächsten gefährdeten Unternehmen – ein nicht absehbarer Dominoeffekt.

Und auch für die betroffenen Mitarbeiter sind die unfreiwilligen Entlassungen nicht ohne Folgen. Langzeiteffekte sind oft sehr hoch:So haben Betroffene etwa bis zu 10 Jahre lang geringere Löhne und eine wesentlich geringere Beschäftigungswahrscheinlichkeit. Darüber hinaus gibt es negative Auswirkungen auf die Gesundheit, physischer wie psychischer Natur.

Studien zeigen weiters, dass Frauen, die aufgrund eines Firmenkonkurses einen Karrierebruch haben, weniger Kinder bekommen.