Der Epidemiologe John Ioannidis war bei ServusTV zu Gast und rechnete mit den Corona-Maßnahmen ab. Er sah einen „Teufelskreis aus Panik und Angst“ und eine massive Einschüchterung von Wissenschaftern. Die Maßnahmen der Politik seien völlig überzogen und auch falsch gewesen.

  • Die Gefährlichkeit des Virus wurde stark überschätzt.
  • Statt die Risikogruppen wirksam zu schützen, sei die nicht gefährdete Mehrheit mit Maßnahmen drangsaliert worden.
  • Politik und Medien hätten kritische Wissenschafter ignoriert und mundtot gemacht.
  • Eine Impfpflicht sollte nicht eingeführt und auch kein Druck auf die Bevölkerung ausgeübt werden.
  • Die Impfung habe laut Ioannidis derzeit einen „psychotherapeutischen Effekt“.

John Ioannidis, der in New York geboren wurde, aber in Athen aufwuchs, ist Professor für Medizin, Epidemiologie, Bevölkerungsgesundheit und Statistik an der Stanford University. Er war ein mathematisches Wunderkind und gewann dafür schon im jungen Alter Preise. Seine wissenschaftliche Karriere verlief im Eiltempo. Ioannidis gilt als einer der einflussreichsten und meistzitierten Wissenschaftler der Welt. Am Mittwoch war der prominente Forscher bei ServusTV zu Gast, wo er mit Michael Fleischhacker über aktuelle Fragen diskutierte.

Panikmacher ignorierten wissenschaftliche Studie

Mit dem Beginn der Corona-Krise kam dann jedoch der große Bruch mit vielen Kollegen. Ioannidis warnte schon früh vor Panikmache, die nicht auf Fakten beruht. In der von ihm geleiteten, kontrovers diskutierten, sogenannten Stanford-Studie, wurde das Konzept von harten Lockdowns zerrissen, da diese keinen Nutzen hätten aber dafür zahlreiche Kollateralschäden verursachen würden. Es sei viel sinnvoller, stattdessen nur die Risikogruppen zu schützen. Zudem würde die Gefährlichkeit des Virus stark überschätzt. Seit der Veröffentlichung dieser Studie wird Ioannidis von angepassten Kollegen, aber vor allem auch von Mainstream-Medien und von Politikern angefeindet.

„Wir sind mit diese Pandemie anders umgegangen, als mit jeder anderen pandemischen Welle in den letzten Jahrzehnten“, meint Ioannidis, denn „die hunderten Millionen Influenza-Infektionen wurden bislang nie gezählt; bei Corona haben wir aber jeden einzelnen Fall dokumentiert.“ Daraus sei ein „Teufelskreis aus Panik und Angst“ entstanden. Es waren aber vor allem „alte und geschwächte“ Personen betroffen. Für die „überwiegende Mehrheit“ der Gesellschaft sei das Virus hingegen gar nicht gefährlich. Die meisten Toten gab es in Pflegeheimen, die aber nicht geschützt wurden. Stattdessen zielten die Maßnahmen auf die nicht gefährdete Allgemeinheit.

Morddrohungen gegen kritische Forscher

Ioannidis wurde wegen seiner kritischen Haltung zum Ziel von Hetzkampagnen und Verleumdungen und bekam sogar Morddrohungen. Auch seine Familie geriet ins Visier solcher Attacken. So verbreiteten Unbekannte eine falsche Todesmeldung über seine Mutter. Diese Form der Einschüchterung von Wissenschaftlern sei mittlerweile keine Seltenheit mehr. Es sei auch falsch, dass die Wissenschaftler, die sich gegen Lockdowns aussprachen, in der Minderheit waren. Vielmehr waren sie eine deutliche Mehrheit. Medial wurde dies jedoch ins Gegenteil verdreht.

„Es ist sehr bedauerlich, dass die Politik sich in diese Pandemie so stark eingemengt hat. Wissenschaftliche Meinungen sind klassifiziert worden, je nach politischer Farbe. Das war schrecklich“, klagte der Professor.

Die Politik will den Forschern Vorschriften machen

Die massive Einmischung von politischen Lobbys in die Wissenschaft sei mittlerweile sehr belastend: „Wenn die Wissenschaft bei einem neuen Phänomen, einem neuen Virus, über das wir nicht viel wissen, zu forschen beginnt, ist es sehr wahrscheinlich, dass unsere erste Einschätzung falsch sein wird. Wir müssen dann immer wieder nachjustieren und nach der Wahrheit suchen. Wenn dahinter aber starke Interessen und politische Anliegen stehen, dann stört das den wissenschaftlichen Prozess und man gerät in eine ganz andere Denkweise und dann ist das Eingeständnis, dass man falsch lag, keine leichte Aufgabe mehr.

In Bezug auf die Verteidigung gewisser wissenschaftlicher Ansichten sprach Ioannidis von „religiösem Eifer“. Es sei „sehr bedauerlich, dass auf die Wissenschaft von Seiten der Medien und der sozialen Medien so ein großer Druck ausgeübt wurde.“ Zu viele Leute wären mit der Einstellung, dass sie die absolute Wahrheit wüssten, aufgetreten. Dieser „Aktivismus hat die Wissenschaft während der Pandemie unterdrückt.“ Manchmal erreichten diese Aktivisten ein extremes, für die Wissenschaft überaus schädliches Maß „an Selbstgerechtigkeit, Aggressivität und Aufdringlichkeit.“

Die Maßnahmen waren absolut überzogen

Auch die Schulschließungen betrachtet Ioannidis als großen Fehler. Besonders die Kinder, die nicht aus wohlhabenden Familien stammen, seien in der Zeit der Pandemie in ihrer Entwicklung um 60 Prozent zurückgefallen, während die Reichen recht gut durch den Lockdown gekommen seien. Im Allgemeinen hätten die Maßnahmen vor allem die Armen getroffen.

Die Sterblichkeitsrate lag bei nur 0,05 Prozent. Hingen hätten bereits fast 50 Prozent der Bevölkerung unter den psychischen Folgen der Maßnahmen zu leiden. Dies stünde in keinem Verhältnis mehr. Zahlreiche Schädigungen gab es zudem durch die Verschiebung von wichtigen Operationen. Die medizinischen Folgen der Maßnahmen würden auf jeden Fall die Belastungen durch das Virus selbst um ein Vielfaches übertreffen.

Es sollte keine Impfpflicht geben

Bezüglich der Impf-Agenda mahnte Ioannidis zur Ausarbeitung einer umfassenden Strategie, die sich nicht auf das Impfen allein konzentrieren würde. „Ich glaube nicht, dass Impfungen so wie Zaubertricks sind, also dass wir impfen, und dann geht das alles weg“, meinte der Wissenschaftler, denn „natürlich gibt es Probleme mit diesen nicht komplett zugelassenen Impfstoffen“. Diese seien sehr schnell entwickelt worden und hätten bloß eine „Notfallzulassung“. Es seien zudem schon einige Nebenwirkungen aufgetreten.

Aus diesen Gründen ist Ioannidis auch gegen eine Impfpflicht. Man sollte es zudem vermeiden, auf Personen, die sich nicht impfen wollen, Druck auszuüben. Impfgegner sollten nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Er sei nicht prinzipiell gegen Impfungen, doch die Impfung habe derzeit auch einen „psychotherapeutischen Effekt“.

Es wird Zeit für eine Rückkehr zur Vernunft

Für den Herbst gibt Ioannidis daher eine ganz klare Empfehlung ab: Drakonische Maßnahmen wie Lockdowns seien auf jeden Fall zu vermeiden, denn es sei spätestens jetzt völlig klar, dass sie in keiner Weise geboten wären.

Abschließend mahnte der sympathische Wissenschaftler zu Besonnenheit: „Es ist eben nur ein neues Virus. Es ist nicht das Ende der Welt. Wir sollen es auch nicht zum Ende der Welt machen. Das ist nämlich das Risiko, wenn wir so weiter machen.“

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