Ein Riesen-Radsport-Talent und echter Patriot, der zu seinem Land und seinem Präsidenten steht: Quinn Simmons.

Eine Twitter-Diskussion führte zu einem Shitstorm gegen den Junioren-Radweltmeister und Trump-Unterstützer Quinn Simmons – und endete in dessen Suspendierung aus seinem Rennstall. 

Der aufstrebende Jungprofi aus dem US-Bundesstaat Colorado gilt als eines der größten Talente im Radsport. Der heute 19-jährige kann dabei auf eine ganze Reihe von Palmarès verweisen – unter anderem errang er 2019 bei der UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaft in der britischen Grafschaft Yorkshire den Weltmeistertitel im Junioren-Rennen. Diese Erfolge führten dazu, dass er als bislang jüngster Fahrer vom hochklassigen Profi-Rennstall Trek-Segafredo unter Vertrag genommen wurde. Dort war man auf seinen Rohdiamanten stolz – zumindest solange er sich nicht politisch unbotmäßig äußerte. 

Radrennfahrer bekennt sich als Trump-Unterstützer

Der jüngste Eklat begann, als eine holländische Radjournalistin twitterte, dass sie keine Trump-Unterstützer als Follower brauche: „Falls ihr mir folgt und Trump unterstützt, könnt ihr gehen. Es gibt keinen Grund, diesem abscheulichen und furchtbaren Menschen zu folgen oder ihn zu wählen.“ Dies ließ sich Simmons nicht zweimal sagen und antwortete mit „Bye“ – und einem Winke-Emoji mit dunkelbrauner Hautfarbe.

Suspendierung wegen „spalterischer“ Aussage

Kurz darauf reagierte sein Radrennstall und suspendierte den Jungprofi wegen „spalterischer, aufrührerischer und nachteiliger“ Äußerungen im Bereich sozialer Medien – die Maßnahme gilt bis auf Weiteres. Außerdem sah man sich zu einer Stellungnahme auf Twitter bemüßigt: „Trek-Segafredo ist eine Organisation, die Inklusivität schätzt und sich für einen vielfältigeren und gerechteren Sport für alle Athleten einsetzt.“

Zwar unterstütze man das Recht auf eine freie Meinung, aber man werde „die Menschen für ihre Worte und Taten zur Rechenschaft ziehen“.

Rennstall beschwichtigt: Keine politische Maßnahme

Darauf entbrannte eine hitzige Debatte auf dem Kurznachrichtendienst. Am Donnerstag traten Trek-Segafredo und Quinn Simmons gemeinsam mit einer neuen Stellungnahme auf. Dabei bekräftigte der Rennstahl, seinen Jungstar nicht wegen seiner politischen Ansichten suspendiert zu haben – sondern „weil er sich auf Twitter in einer Art und Weise an Gesprächen beteiligte, die wir als unpassend für unsere Athleten empfanden.“

Simmons wiederum bekräftigte all jenen gegenüber, die ihm wegen des Emojis Rassismus unterstellt hatten – weder er noch die Journalistin sind dunkelhäutig – dass er dies nicht so gemeint hätte. Er wolle sich „bei allen entschuldigen, die dies als Beleidigung empfunden haben“. Er spreche sich nämlich gegen jede Art von Rassismus aus. Ob ihm das Zurückrudern eine baldige Rückkehr in seine Radkarriere ermöglicht, ist allerdings noch unklar. 

Zweierlei Maß bei politischen Äußerungen

Der Vorfall zeigt auch, dass selbst bei öffentlichen Äußerungen im Profisport offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. So gab es für Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton keine Sanktionen sondern stattdessen Rückendeckung seines Teams. Dies, obwohl er im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste einst zum weltweiten Denkmalsturm aufrief. Als mehrere US-Profis einige Monat später ihre Spiele boykottierten, kam es zu keiner Strafverifizierung – sondern ihre Partien wurden einfach neu angesetzt.

Richtet sich eine Äußerung oder Seilschaft gegen den Zeitgeist, versteht die Öffentlichkeit dann allerdings keinen Spaß mehr – und das seit Jahren. Einen traurigen Höhepunkt dessen setzte es im Jahr 2012 bei den Olympischen Spielen. Dort legte man einer deutschen Ruderin die umgehende Heimreise nahe. Nicht etwa, weil sie selbst etwas falsch machte, sondern weil ihr Lebensgefährte bei einer rechten Partei aktiv war.