Was bei uns (noch) gar nicht geht: Das Bezirksgericht von Nottingham hat jetzt seine erste stellvertretende Bezirksrichterin, die den Hijab trägt. Sie habe damit aufgeräumt, wie man sich einen Richter vorstellt und hoffe, damit auch andere zu inspirieren. Denn die Justiz sei noch immer nicht „vielfältig genug“.

Von Kornelia Kirchweger

Alte Muster brechen

Die 40-jährige Raffia Arshad, Spezialistin für islamisches Familienrecht am St. Mary’s Bezirksgericht in Nottingham, erhielt letzte Woche ihr Ernennungsschreiben als Richterin für den Kreis Midland. Sie habe „dieses Stereotyp unterbrochen“, wie sich die meisten Leute einen Richter vorstellen. Sie wolle auch andere ermutigen, unabhängig von ihrem Beruf, die Ziele hoch zu stecken: „Mach Dir keine Sorgen darüber, wie du aussiehst, dass du nicht in die Form passt, brich diese Form und erreiche, was du erreichen musst“.

Vorreiterin für muslimische Frauen

Es habe eine Weile gedauert, bis sie das erreicht hat, sie sei zufrieden. Arshad lobt zwar, dass die Justizbehörde und die Ernennungskommission ihr „absolut Bestes“ gegeben habe, die Justiz sei aber immer noch nicht vielfältig genug. Ihre Kollegen sind begeistert: sie habe damit den Weg für muslimische Frauen geebnet, um im Gesetz erfolgreich zu sein. Ihre Ernennung sei „verdient“ und „voll und ganz verdient“.

Ihrem Ehemann verpflichtet

Sie ist die erste in ihrer Familie, die eine Universität besucht hat. „Ich sehe das nicht nur als persönliche Leistung, es ist viel mehr als das“, freute sie sich und hofft damit, Vorreiterin zu sein. Die dreifache Mutter ist seit über 17 Jahren im Familienrecht tätig. Sie sei ihrem Ehemann „verpflichtet“, der sie immens unterstützt habe und ihr „Raum gegeben habe“, ihrer Leidenschaft nachzugehen.