In der Nacht auf den 1. Mai erregte eine Razzia im Szenelokal „Dots“ massives Medienecho (Wochenblick berichtete umfangreich). Die Party soll laut Corona-Bestimmungen illegal gewesen sein, bei vielen Gästen fanden sich Drogen. Der Betreiber, Nobelgastronom Martin Ho, gilt als enger Freund von Bundeskanzler Sebastian Kurz.

[ Lesen Sie auch die Gegendarstellung vom 1. Juli 2020 am Ende der Seite. ]

Von der zu jenem Zeitpunkt aufgrund der Corona-Krise noch illegalen Party will Martin Ho nichts gewusst haben. Das ließ er über seinen Promi-Anwalt Nikolaus Rast der Öffentlichkeit bestellen. Er habe via Netflix noch eine Folge „Haus des Geldes“, gesehen und wäre dann früh schlafen gegangen. Ob es sich mit der Kriminalserie um eine lustige Anspielung handelte wie bei dem Posting wenige Tage zuvor, als man auf Ho’s Account von „Überdosis. Zucker. Fett.“ lesen konnte, sei dahingestellt.

Inrgendwas mit Drogen?

Solche „lustigen Anspielungen“ dürften ein Markenzeichen des Edel-Gastronomen sein. Speziell sein Lokal „Club X“ kam spätestens seit dem Nationaratswahlkampf in den Geruch, „irgendetwas mit Drogen zu tun haben zu können“. Das behauptete jedenfalls in etwas drastischerer Wortwahl die Rechercheplattform „Zoom“. Und im Jahr 2017 wunderte sich bereits das linkstendenziöse Jugendmagazin „Vice“, weshalb die Pratersauna mit Extasy-Pillen auf Flyern Werbung betreibt. Natürlich nur „zur Provokation“, wie der Clubmanager damals versicherte.

Den Koch gibt es nicht

An jener Drogennacht solle „ein Koch“ verantwortlich sein. Er hätte den Schlüssel gehabt und sich nichts dabei gedacht, ein paar Stammgäste zu bewirten. Gut informierte Kreise berichten dazu eine komplett andere Geschichte: Besagten Koch gäbe es überhaupt nicht. Niemand könne in einem Lokal der Familie Ho ein Fest veranstalten, ohne dass der Chef das wisse. Dazu brauche man nicht nur den Schlüssel zur Eingangstür sondern beispielsweise auch den Schlüssel zu jenen Schränken, wo die wertvollen Spirituosen aufbewahrt werden.

Abend vorab bestellt und geplant

Jene Nacht wäre völlig regulär vorbereitet worden. Das Personal wurde eingeteilt, instruiert und beauftragt. Alle eingesetzten Personen wie Kellner und Köche waren ordentlich angemeldet. Essen und Getränke waren vorbestellt, eine Miete vereinbart.

Ob es nicht dennoch möglich wäre, dass Herr Ho nichts von der Party wusste, fragten wir unsere Informanten? Unwahrscheinlich, denn die Eltern des Martin Ho wohnen direkt über dem Lokal. Frau Ho war am Tag der Drogenrazzia persönlich im Geschäftslokal anwesend. Ihre Daten wurden von der Polizei aufgenommen. Ob sie zu den 22 Personen zählt, die wegen Missachtung der Corona-Gesetze angezeigt wurden, konnte nicht eruiert werden. Gerüchte, dass sich etwa der Kanzler oder ein wichtiger Minister am Abend der Razzia im Dots aufgehalten hätten, bestätigen unsere Quellen nicht. Das wäre Erfindung, Blödsinn.

Razzia nur ein Manöver?

Ein Drogenhändler wäre an jenem Abend nicht anwesend gewesen und wurde von der Polizei entsprechend auch nicht kontrolliert oder gar festgenommen. Alle aufgefundenen Drogen wären von den Gästen zum Privatgebrauch mitgebracht worden. Ein Insider aus der Exekutive äußerte dazu gegenüber Wochenblick eine spannende Theorie. Die Razzia könnte auch ein kluges Manöver gewesen sein. Im Prinzip wäre ja „nichts passiert“, keinem der Ertappten würde eine empfindliche Strafe drohen. Die Staatsanwaltschaft würde in diesem Fall auf Sicht wohl sehr lange Zeit keine Genehmigung für eine vergleichbare Polizeiaktion geben. Somit könnte die Aktion dem Betreiber auch genutzt haben. Tatsächlich sei das in Wien durchaus beliebte Lokal jetzt um eine Attraktion reicher. Alle Gäste wollen den Raum sehen, wo die Corona-Drogen-Party stattgefunden hatte.

Normaler Gastraum, kein privates Hinterzimmer

Der Raum, in dem die Party stattfand, ist jedenfalls ein ganz normaler Gastraum, das wisse jeder Mitarbeiter und jeder Gast. Wochenblick hat Martin Ho mit Fragen zu dieser Version konfrontiert, die im Zeitraum von über einer Woche nicht beantwortet wurden. Für ihn und alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Lesen Sie auch unsere zweite Reportage darüber, wie die Mitarbeiter im Lokal „Dots im Brunnerhof“ laut Insider-Informationen angeblich behandelt werden. Die Vorwürfe sind hart. Die Freundschaft zu Bundeskanzler Kurz diene laut unseren Informanten dazu, die großteils ausländischen Mitarbeiter von Beschwerden hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und Abrechnungen abzuhalten.

„Ho ist ein guter Freund des Kanzlers – ihr könnt euch nirgendwo beschweren“

 

Gegendarstellung Martin Ho

Herr Martin Ho begehrt mit Schreiben vom 1. Juli folgende GEGENDARSTELLUNG:

Nachfolgende Textstellen sind nach Martin Ho unwahr:

  • Besagten Koch gäbe es überhaupt nicht. Niemand könne in einem Lokal der Familie Ho ein Fest veranstalten, ohne dass der Chef das wisse.
  • Jene Nacht wäre völlig regulär vorbereitet worden.
  • Frau Ho (die Mutter des Klägers) war am Tag der Drogenrazzia persönlich im Geschäftslokal anwesend. Ihre Daten wurden von der Polizei aufgenommen.

Herr Martin Ho legt Wert auf nachfolgende Feststellungen:

  • Es gibt weder willkürliche Entlassungen,
  • noch schlechte Behandlung der Mitarbeiter,
  • noch Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung.
  • Es werden keine Mitarbeiter klein und gefügig im Unternehmen des Klägers gehalten.
  • Schon gar nicht unter Bezugnahme auf die Bekanntschaft des Klägers mit dem Bundeskanzler.
  • Die Unternehmen des Klägers beschäftigen im Regelbetrieb zwischen 250 und 300 Mitarbeiter. Es ist unrichtig, dass Entlassungen an der Tagesordnung stehen. Die letzte Entlassung war im März 2018.
  • Keiner der Mitarbeiter wird ausgepresst, bis nichts mehr geht und dann weggeworfen.
  • Die Mitarbeiter werden anständig und den Gesetzen entsprechend und daher auch nicht „wie Hunde behandelt“.
  • Die zur Kurzarbeit angemeldeten Mitarbeiter des Klägers haben nur in den abgegebenen Stunden gearbeitet und keine Mehrarbeit leisten müssen.
  • Die Kurzarbeit hat in den Betrieben des Klägers hat nur bis Mitte Mai stattgefunden, dann wurde auf Normalarbeitszeit umgestellt und die Sozialpartner davon in Kenntnis gesetzt. [sic!]
  • Vor dem 15.5.2020 gab es betrieblich weder die Notwendigkeit, noch die Möglichkeit Mehrstunden zu erbringen, zumal die Lokale COVID-19 bedingt nicht besucht werden konnten.
  • Zu keinem Zeitpunkt sind Veranstaltungen „inoffiziell“ abgerechnet worden. Im Gegenteil, sämtliche Einnahmen sind ordnungsgemäß versteuert worden. Es wurde in den laufenden Betriebsprüfungen regelmäßig auch festgestellt.
  • Am 01.05.2020 war Herr Martin Ho nicht im Lokal „Dots im Brunnerhof“ anwesend. Es waren zwei Köche und ein Betriebsleiter vor Ort.
  • Die Party hat nicht im Lokal sondern in dem darüber gelegenen Raum stattgefunden.
  • Die Stammgäste des Lokals haben den Koch darum gebeten, im Oberstock feiern zu können.
  • Die Mitarbeiter, die anwesend waren, waren der Meinung, dass aufgrund der gelockerten Coronabestimmungen, eine derartige Zusammenkunft möglich und zulässig sei.
  • Der Kläger hat auch keine Kenntnis von diesem privaten Fest erlangt und erst im Nachhinein, am nächsten Tag aufgrund von Medienberichten davon erfahren.
  • Die Mutter des Klägers Frau Kim Dung Ho wohnt unmittelbar über dem Lokal und wurde durch den Lärm, der auch durch den Funkstreifenbetrieb bewirkt war, aufgeweckt und kam ins Gastlokal hinunter, um sich zu erkundigen, was dort los sei.
  • Ihre Daten wurden lediglich deshalb aufgenommen, weil sie sich als Mutter des Martin Ho erklärt hat.
  • Es wurde auch keine Anzeige gegen sie erstattet, sodass es bei der Identitätsfeststellung geblieben ist.
  • Nicht nur Herr Martin Ho sondern auch die Mitarbeiter im Lokal hatten keine Kenntnis davon, dass in dem darüberliegenden Raum bei der privaten Zusammenkunft allenfalls Drogen konsumiert wurden.