Die EU will stärker gegen „strukurellen“ Rassismus vorgehen. Denn selbst in ihren eigenen Institutionen ortet sie eine Benachteiligung von Schwarzen.

Von Kornelia Kirchweger

Der Rassismus sei in Europa „lebendig“, sagte kürzlich die EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli in einem Interview. Menschen können, ohne es zu wissen, rassistisch sein. Vor allem Weiße, weil „wir uns mit Menschen, wie wir“ identifizieren, da könnten wir schon diskriminieren. Der Rassismus sei nicht ausgerottet, es gebe ihn strukturell überall, auch in der EU-Kommission.

Wirkungslose Gesetze

Es gebe eine große Lücke zwischen den Gesetzen und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Sie werde bald einen Aktionsplan gegen Rassismus vorlegen und sich dabei auf das konzentrieren, was unterhalb der Spitze des Eisberges liege: den „strukturellen Rassismus“. Man müsse die Wurzeln der Probleme und nicht die Symptome bekämpfen. Das gehe nur mit einem völligen Umdenken, auch in der EU-Kommission.

Schwarze mehr fördern

Dazu habe sie schon mit EU-Kommissar Johannes Hahn, der u.a. für Personal zuständig ist, gesprochen. Denn es genüge nicht, zu sagen, dass Schwarze sich nicht bewerben. Man müsse sehen, welche Ausbildung oder welches Training sie erhalten, damit sie im Qualifikations-Wettbewerb mithalten können. Es brauche mehr Vielfalt. Angesprochen auf ihren Amtskollegen, Justizkommissar Didier Reynders, der im Fasching in Belgien mit schwarzem Gesicht auftrat und sich dafür angeblich nur „halbherzig“ entschuldigte: sie sei nicht wirklich zufrieden damit. Doch sie beurteile Menschen nach ihren Taten. Reynders habe eine exzellente Strategie der „Opferrechte“ entwickelt, die vor allem rassisch diskriminierte Menschen gut unterstütze.

Corona ganz schlimm für Minderheiten

Bezüglich der Auswirkung der Corona-Pandemie, die angeblich für Minderheiten besonders schlimm war und mehr Ungleichheit in Europa brachte: sie sei sehr besorgt deswegen. Sie habe sich in den letzten Wochen mit mehreren Gruppen getroffen – Menschen mit Behinderungen, Menschen aus der Schwulen- und Lesbengemeinschaft (LGBTI+), Frauen und ethnische Minderheiten. Sie werde bis Anfang kommenden Jahres für all diese Gruppen eine Strategie vorlegen.

Dalli ist seit Dezember 2019 EU-Kommissarin. Sie stammt aus Malta und saß dort viele Jahre für die linke Labour Partei im Parlament. Sie war u.a. Ministerin für den sozialen Dialog und setzte sich in ihrer Amtszeit sehr für Gender-Gerechtigkeit und insbesondere für die LGBTI+ Gruppen ein. Auf ihre Initiative wurde auch die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt.