Wer kennt nicht die Blumenmuster, mit welchen Kaffeehausbesitzer und Hoteliers in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Räume verzieren ließen. Diese einst aufwändige und kostenintensive Maltechnik revolutionierte der findige Buchhändlersohn Eugen Wolf.

Geboren und aufgewachsen ist Wolf in Verde bei Düsseldorf. Sein Vater, Friedrich Wolf war Inhaber einer kleinen Buchhandlung. Eugen Wolf besuchte die technische Universität und war leidenschaftlicher Schwimmer, schaffte es sogar viermal in Folge deutscher Schwimmmeister im 100-Meter-Freistil zu werden. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm er den Buchhandel seines Vaters und übersiedelte in die Kaiserstadt Wien, wo er ein Verfahren zur Herstellung von Malschablonen aus Metall zum Patent anmeldete. Diese Erfindung ermöglichte es, bei der Verzierung von Wänden nicht nur Zeit, sondern auch Geld zu sparen. Kunden waren schnell gefunden. So interessierten sich unter anderem Hoteliers für die revolutionäre Maltechnik und ließen ihre Räumlichkeiten damit gestalten.

Weltweit begehrt

Die so bekannt gewordenen Schablonen wurden in seinen Fabriken in Wien und Leipzig hergestellt und bald auf der ganzen Welt vertrieben. Aber nicht nur die Malschablonen fanden reißenden Absatz, auch sein Verlag „Friedrich Wolfrum & Co“ entwickelte sich ab 1900 zu einem bedeutenden Verlag für Architektur und Kunstgewerbe.
Neben seiner Tätigkeit im Schablonen- und Buchhandelsgewerbe, arbeitete Eugen Wolf mit viel Eifer am Aufbau des Tourismus in Kroatien. Als Präsident der „Wiener Gesellschaft für Fremdenverkehr auf der Insel Arbe“ (heute Insel Rab) investierte er Zeit und Geld in den Ausbau des Tourismus. So ließ er das Grand Hotel ausbauen, das Seebad und Kuranstalten errichten und investierte auch selbst in Grundbesitz. In Österreich zählen dazu unter anderem das Schloss Gaming, das er vom Abt John des Stiftes Melk pachtete, ein Sommersitz am Linzer Bachlberg und eine Villa, die er nach seiner zweiten Frau Antoinette benannte.

Weite Reisen

Beeindruckend sind auch die zahlreichen Reisen, die Eugen Wolf auch für den Ausbau seiner Geschäftsbeziehungen nutzte. In den Jahren 1911-1914 unternahm er eine neunmonatige Asienreise und eine achtmonatige Reise nach Südafrika. Im Jahr 1928 startete Wolf seine 18-monatige Südamerikareise, da die Firma sogar bis Argentinien und Brasilien expandierte.
Nach einem bewegten Geschäftsleben verkaufte Eugen Wolf im Jahr 1942 die Firma und übersiedelte nach Wien-Döbling.

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