Die Niedrigzinsbombe der EZB könnte spätestens 2020 explodieren, prophezeite Markus Krall, ein „Sturmgeschütz“ der Demokratie, das die Mittelschulverbindung „Germania“ in der Vorwoche im Stadtsaal von Ried/I. in Stellung gebracht hatte.

Ein Beitrag von Kurt Guggenbichler

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Dort referierte der deutsche Finanzfachmann Krall, ein promovierter Diplom-Volkswirt und Buchautor, vor etwa 200 Zuhörern über ein „Europa am Abgrund“ und malte ein düsteres, aber logisch gut begründetes Bild. Die Ursachen für den heutigen Zustand in der EU sehe er in der bequem gewordenen Gesellschaft, die jedes Risiko scheue, was ziemlich fatal sei. Denn gerade die Wirtschaft würde durch Ausprobieren und Scheitern beflügelt.

Banken werden künstlich am Leben erhalten

„Versuch und Irrtum“ gehörten zum Lernprozess, damit neue Kräfte freigesetzt werden könnten – Notwendigkeiten für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Doch Pleiten würden immer Unruhe schaffen, was die Politik nicht wolle, vor allem keine Pleite von Banken. Deshalb würden diese mit allen Mitteln am Leben erhalten, sonst würde es bereits 12 bis 15 Prozent der Banken in Europa nicht mehr geben. Aber durch Dragis Null-Zins-Politik schleppten sie sich gerade noch so dahin, an ihrem Ableben sei jedoch nicht zu zweifeln.

Steht Europa am Rand des Abgrunds?

„Wir haben eine Landschaft geschaffen, in der die Banken bei den derzeitigen Zinsen zugrunde gehen werden“, sagt Krall. Diese werden „bis spätestens 2020 in ganz Europa rote statt schwarze Zahlen schreiben.“ Leider würde die Politik vor dieser Gefahr, die zu einer Hyperinflation führen könnte, die Augen verschließen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass man sich darauf vorbereitet“, konstatierte Krall und resümierte: Ignoranz und Lernverweigerung in der Politik wie auch in der Gesellschaft habe Europa an den Rand des Abgrunds geführt.