Während Deutschland und Österreich von einem Lockdown in den nächsten diktiert werden, hat in anderen Ländern längst das normale Leben wieder begonnen. Doch nicht nur das: Manche Länder locken gezielt die im Lockdown eingesperrten Menschen und laden sie ein, ihr Homeoffice doch in die Sonne zu verlegen.

Von Franziska Bernhard

Das kleine Dorf Ponto del Sol auf der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira etwa lud ab Februar gezielt europäische Arbeitnehmer ein, ihr Homeoffice doch auf die Sonneninsel zu verlegenJeder sollte einen kostenfreien Arbeitsplatz mit Internetanschluss zur Verfügung gestellt bekommen. Schon in den ersten Wochen meldeten sich über 100.000 Interessierte an; viel mehr, als die kleine Insel hätte aufnehmen können. So aber profitierten beide Seiten: Statt isoliert im Lockdown zu sitzen und außer Arbeiten, Essen und Schlafen in der eigenen Wohnung nichts anderes tun zu dürfen, können Arbeitnehmer und Selbstständige ihr Homeoffice auf die Insel verlegen. Dort wiederum profitieren die Gastronomen und Hoteliers von neuen Gästen, nachdem Touristen ja in diesem Jahr ausgefallen sind.

Lockdown-Flucht auf Kanarische Inseln

Auch die Kanarischen Inseln wollen bis zu 30.000 Arbeitnehmer temporär aufnehmen, die dem Lockdown-Gefängnis entkommen möchten. Die Lokalregierung hat bereits eine halbe Million Euro investiert, eigens Programme für ortsunabhängige Arbeitnehmer anzubieten. Zudem werden sämtliche anfallende Kosten übernommen, sollte ein Gast erkranken oder gar aufgrund von Corona in Quarantäne müssen.

Griechenland lockt mit Steuervorteilen

Griechenland dagegen will jenen, die ihr Homeoffice nach Hellas verlegen, 50 Prozent der Steuern erlassen und hätte damit einen steuerlichen Höchstsatz von nur 22 Prozent. Wer seinen Lebensabend in Griechenland verbringen möchte, wird sogar gänzlich von Steuern und Abgaben befreit. Ähnlich lebensfroh geht es auf dem Inselstaat Zypern zu, der zum 1. April beinahe sämtliche Maßnahmen wieder aufgehoben hat.

Dass es den Regierenden nicht gefällt, wenn ihre Bürger sich nicht mehr einsperren lassen und stattdessen an sonnige Orte fliehen, die sie zudem nicht nur als Stimmvieh und zu schröpfende Steuerzahler betrachten, liegt auf der Hand. Kein Wunder also, dass Bundeskanzlerin Merkel ihre Untertanen komplett einsperren und jegliche Auslandsreisen kurzerhand verbieten wollte.

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