Die Stahlindustrie in Europa befindet sich in einer tiefen Krise. Anfang April gingen in Duisburg 16.000 Stahlarbeiter auf die Straße. Sie protestierten gegen die Billig-Konkurrenz aus China und die von der EU-Kommission angekündigten CO2-Auflagen. 

Letztere würden für die bereits gebeutelte Branche Zusatzkosten in Milliardenhöhe bedeuten. Die aktuelle Klima- und Energiepolitik der EU sorgt für zusätzliche Milliardenkosten. Eines bereitetet den Stahlbossen jedoch besondere Sorgen: Die Überflutung des EU-Markts durch Dumping-Stahl aus China. Auch Oberösterreich ist von dieser gefährlichen Entwicklung betroffen.

EU-Strafzölle zu niedrig

Der Linzer Mega-Arbeitgeber „Voestalpine“, eines der wichtigsten Unternehmen in Österreich, erklärte gegenüber dem „Wochenblick“, die europäische Stahlbranche leide stark unter der harten Konkurrenz aus China. Die EU hat heuer im Februar zwar Anti-Dumping-Zölle von 14 bis 16 Prozent festgelegt. Aus Sicht der Branchenriesen ist das jedoch noch viel zu niedrig.

So verlangen die USA beispielsweise Strafzölle von bis zu 265 Prozent bei der Einfuhr von China-Stahl. Voestalpine-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder erwartet von der EU endlich „wirksame Anti-Dumping-Maßnahmen, die so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen“. Hohe Strafzölle gehören dabei zu den klassischen Anti-Dumping-Maßnahmen.

Besonders brisant: Sollte die EU weiterhin die notwendigen Maßnahmen für die eigene Stahlindustrie verschlafen, wären laut Eder europaweit tausende Arbeitsplätze gefährdet. Der indische Stahlgigant „Tata“ hat bereits Ende März angekündigt, sich aus Großbritannien zurückzuziehen. Mehr als 15.000 Arbeitsplätze sind davon betroffen. 2016 werde zum „Schicksalsjahr der Stahlindustrie“, heißt es bereits in der Branche.