Er habe die Flüchtlingskrise 2015 als „einen der besten Momente der Zivilgesellschaft in Österreich“ in Erinnerung. Mit diesen Worten zitierten am Montag zahlreiche Medien den ehemaligen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Er hatte der Presseagentur APA ein Interview zum Thema „fünf Jahre Flüchtlingskrise“ gegeben.

Kern war zur Zeit der Flüchtlingskrise erst ÖBB-Chef, danach wurde er Bundeskanzler. In beiden Rollen soll er – so Kritiker – für die reibungslose Ein- und Durchreise hunderttausender Migranten gesorgt haben. Die meisten dieser Personen waren gemäß gültiger nationaler und internationaler Gesetze und Bestimmungen illegale Einwanderer, die unter dem Deckmantel einer „Flucht“ in die europäischen Sozialsysteme einreisten. Kern erinnert sich an Szenen als „verängstigte und völlig erschöpfte Menschen“ auf „Menschlichkeit“ und eine „enorme Hilfsbereitschaft“ der Bevölkerung stießen. Zu Terror und Kriminalität, die von einigen der Flüchtlinge nach Europa getragen wurden, stellte die Nachrichtenagentur keine unangenehmen Fragen.

Kern sieht Parallelen zur Corona-Krise

Kern äußerte sich, sehr „stolz“ auf die Mitarbeiter der ÖBB gewesen zu sein. Dabei übte er auch Kritik an seinem damals verantwortlichen Vorgänger Faymann. Er verstünde nicht, weshalb dieser so unvorbereitet war, da sich die Flüchtlingswelle ja abgezeichnet und langsam aufgebaut habe. Hier sagte Kern, er würde auch Parallelen zur aktuellen Corona-Krise sehen. Kein Gesundheitsminister habe sich in den vergangenen Jahren für das Thema „Pandemie“ besonders interessiert. Mittlerweile müsse man sich „um die Problemlösungskapazität staatlichen Handelns“ schon Sorgen machen. 

ORF macht Ungarn für Masseneinwanderung verantwortlich

Weiters wird Kern zitiert, dass seiner Meinung nach aus der Flüchtlingskrise 2015 „nur wenig gelernt“ wurde. Man stünde auch heute relativ unvorbereitet da. Grenzen zu schließen, so Kern, könne nicht die einzige Antwort sein. ORF und APA kampagnisieren zur Zeit das Thema „Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise“. Dabei wird auch versucht, die Geschichte völlig neu zu erzählen. Laut ORF wäre nun Ungarn für die unkontrollierte Masseneinwanderung verantwortlich gewesen.