Erst 2015 richtete Österreich aufgrund der zunehmenden Anzahl muslimischer Soldaten die Stelle eines islamischen Geistlichen für das Bundesheer ein. Vor wenigen Tagen ließ Verteidigungsministerin Tanner einen Militär-Imam des Bundesheers aufgrund von Vorwürfen, er habe ein Naheverhältnis zu Kriegsverbrechern, abberufen. Der Islamexperte und kritische Blogger Irfan Peci brachte den Fall ins Rollen. Wochenblick sprach exklusiv mit dem Islamismus-Experten über seine Enthüllung.

Von Bernadette Conrads

Bereits im Jahr 2015 protestierten patriotische Jugendliche gegen den Militär-Imam im Zuge seines Auftritts beim Österreichischen Nationalfeiertag mit Schildern: „Imam geh ham“. Sie wurden damals noch direkt am Heldenplatz festgenommen und von der Polizei abgeführt. Mittlerweile ermittelt auch das Militär-Abwehramt gegen den Geistlichen. Nachdem der kritische Blogger und Islamismusexperte Irfan Peci auf Grundlage einer monatelangen Recherche ein Video zu mutmaßlichen Verbindungen des Imams zu angeblichen Kriegsverbrechern veröffentlichte, wurde der Militär-Imam aus seinem Dienst enthoben. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Wochenblick: Herr Peci, Sie haben den Skandal rund um den Militär-Imam aufgedeckt. Jetzt wurde er von Ministerin Tanner anlässlich Ihres Aufdecker-Videos entlassen. Wie kam es dazu, dass Sie zu dem Imam recherchierten?

Irfan Peci: Als Islamismus-Experte interessiere ich mich vor allem für islamistische Tendenzen in sensiblen Bereichen. Vor allem auf Imame in hohen oder staatstragenden Positionen lege ich ein besonderes Augenmerk. Es ist ungewöhnlich, dass ein Land einen eigenen Militär-Imam hat. Österreich befindet sich damit seit 2015 in einer Sonderstellung, deswegen hat mich der Fall ganz besonders interessiert.

Haben Sie daran ganz alleine gearbeitet? Wie viel Zeit hat die Recherche beansprucht?

Da ich kein hauptberuflicher Journalist bin, habe ich die Recherche in meiner Freizeit betrieben. Ich recherchierte einige Monate zum Militär-Imam. Ich recherchiere grundsätzlich immer alleine, aber greife auf ein Netzwerk an Experten und Infomanten aus anderen Gebieten zurück. So habe ich im Zuge dieser Enthüllung auch die Expertise eines Kenners des jugoslawischen Bürgerkriegs hinzugezogen. Er kennt alle Kommandeure und Gruppen, das hat mir schon weitergeholfen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Ich bin so vorgegangen, dass ich mir wirklich alles angesehen habe, das der Imam jemals von sich gegeben hat. Jedes Interview, jede öffentliche Äußerung, Vorträge aber natürlich auch Predigten und Publikationen. Parallel dazu habe ich Einschätzungen von Experten eingeholt.

Darüber hinaus ist vor allem der Social Media-Bereich bei derartigen Recherchen besonders wichtig. Die Leute zeigen ihre Überzeugungen in den sozialen Medien oft unverblümter, als in offiziellen Äußerungen. Und genau diese Diskrepanz zeigte sich mir auch ganz stark im Fall des Militär-Imams.

Dabei ist nicht zu vergessen: der Militär-Imam war zu diesem Zeitpunkt eine Person des Öffentlichen Lebens, daher sind auch seine Äußerungen auf Facebook meines Erachtens nach nicht als eine reine Privatmeinung zu werten.

Was wurde Ihnen durch die Recherche bekannt? Welche Vorwürfe ergaben sich daraus letztlich gegenüber dem Imam?

Gleich mehrere Dinge haben sich daraus ergeben. Wesentlich ist für mich sein nachweislicher Kontakt zum mutmaßlichen Kriegsverbrecher Atif Dudakovic (ein ehemaliger bosnischer General). Ich möchte auch an dieser Stelle betonen, dass es mutmaßlich ist und dass es Vorwürfe sind.

Dudakovic wurde nicht rechtskräftig verurteilt. Doch wie ich auch in meinem Video aufzeige, gibt es diese Aufnahmen des Generals in denen er seinen Soldaten Hinrichtungen auf der Stelle befiehlt und das ist nunmal ein Kriegsverbrechen.

Wie sieht es in Bezug auf islamistische Tendenzen aus?

Ich konnte viele Beweise dafür sichern, dass der Militär-Imam mit muslimischen Gotteskriegern aus dem Bosnienkrieg sympathisiert. Ich habe Belege dafür, dass er den Islamisten Alija Izetbegovic als Helden und Idol bezeichnet.

Izetbegovic stellte sich übrigens 1944 auf die Seite der SS-Division Handschar. Der Militär-Imam hat aus seiner Sympathie für den Dschihad in Bosnien keinen Hehl gemacht und ich habe sie präzise dokumentiert. Mittlerweile haben sich sogar neue Hinweise ergeben.

So werde ich in meinem nächsten Video präsentieren, dass einige Indizien darauf hindeuten, dass der Imam auch selbst im Bosnien-Krieg gekämpft hat. Das wird das Abwehramt mit Sicherheit interessieren.

Wie ist Ihre Einschätzung? Der Militär-Imam distanziert sich von sämtlichen Vorwürfen. Ist der Imam Ihrer Meinung nach ein Islamist?

Als klassischen Islamisten würde ich ihn nicht bezeichnen. Ich habe keine Belege dafür gefunden, dass er sich direkt islamistisch äußern würde. Problematisch sind aber natürlich seine Sympathiebekundungen gegenüber dem Dschihad.

Wir kennen das aus dem Bereich des legalistischen Islamismus. Es gibt Islamisten, die konspirativ vorgehen, sich nicht offen äußern und nicht offen nach außen hin zeigen, was sie wirklich denken. Und das erkenne ich beim Imam diese Zweigesichtigkeit, dass er sich in seinen Interviews und öffentlichen Predigten anders äußert, als auf seinen Social Media Kanälen.

Am österreichischen Nationalfeiertag würde er wohl niemals Sympathien für den Dschihad bekunden, auf Facebook macht er das aber durchaus.

Was hat der Imam beim Bundesheer gemacht? Und warum sind seine Ansichten Ihrer Einschätzung nach problematisch für die Österreichische Landesverteidigung?

Er hatte durch seine Rolle als Militär-Imam einen sehr starken Einfluss auf die muslimischen Soldaten beim Österreichischen Bundesheer. Das ist eine sehr sensible Angelegenheit, deswegen ist es besonders relevant, welche Einstellung der Imam vertritt. Bei Auslandseinsätzen begleitete er die muslimischen Soldaten mit seinen Predigten.

Auch zum Freitagsgebet erhörten die Soldaten des Österreichischen Bundesheers die Predigten des Imams, Fotos zeigen ihn Abends beim Essen mit den Moslems beim Heer. Darüber hinaus war er für klassische Seelsorge zuständig, das heißt die Soldaten äußerten gegenüber dem Imam ihre Sorgen und wandten sich an ihn in persönlichen Ausnahmesituationen.

Das kann gefährlich sein in so einem sensiblen Bereich, wenn Soldaten, die Zugang zu gefährlichen Waffen haben unter dem Einfluss von jemandem stehen, der den Dschihad befürwortet. Es gab beim Österreichischen Bundesheer bereits Vorfälle mit Muslimen, die in Uniform den Zeigefinger zum islamistischen Gruß hoben.


Der Imam wurde als Folge Ihrer Recherche vom Dienst enthoben. Was sagen Sie dazu? Hätten Sie das erwartet?

Ich habe nicht erwartet, dass der Imam vom Dienst enthoben wird. Ich habe ja bereits vieles aufgedeckt, wie zum Beispiel den Besuch des SPÖ-Politikers Marcus Franz in einer Islamisten-Moschee oder die Verbindungen des SÖZ zu Erdogans AKP. Doch bisher ergaben sich nie Konsequenzen.

Es ist erfreulich, dass das Bundesheer so schnell reagiert hat und das Abwehramt die Ernsthaftigkeit der Problematik offenbar erkannt hat. Das hat aber auch Konsequenzen. Seitdem der Militär-Imam durch meine Recherche entlassen wurde erhalte ich laufend Morddrohungen, vor allem von bosnischen Muslimen.

Doch ich werde weitermachen, denn ich sehe es als meine Aufgabe, derartige Missstände aufzuzeigen. Es ist nichts persönliches, ich kenne den Militär-Imam nicht, aber ich finde Personen mit einer solchen Einstellung im Staatsdienst unangebracht.

Zur Person

Irfan Peci war in jungen Jahren selbst Teil der islamistischen Szene. Nachdem er erkannte, welche Gefahren von der Szene ausgehen, wechselte er die Seiten. Er unterwanderte die Islamistische Szene für den deutschen Verfassungsschutz und half dabei an der Zerschlagung eines ganzen Netzwerks mit. Heute recherchiert er vorwiegend zu islamistischen Verbindungen im staatsnahen Bereich. Es sei seine patriotische Überzeugung, speziell seine Liebe zu Deutschland und Österreich, die ihn antreibe. Durch seine Enthüllungen will er gegen die Islamisierung Europas ankämpfen. Als „Islamistenjäger“ veröffentlicht der Blogger regelmäßig Recherchen zum Thema Islam und Islamismus auf Youtube.