Kanzler Kurz wurde samt der Bundesregierung mit einem Misstrauensantrag von SPÖ, FPÖ und der Liste JETZT aus der Regierungsverantwortung gewählt.

Wochenblick-Chefredakteur Christian Seibert war bei der Sondersitzung im Nationalrat live dabei und ergatterte im Anschluss ein Exklusiv-Interview mit dem Generalsekretär der FPÖ, Christian Hafenecker:

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Wochenblick: Herr Hafenecker, wie beurteilen Sie das heutige Misstrauensvotum, das gegen Sebastian Kurz und der gesamten Bundesregierung angenommen wurde?

Hafenecker: Am Ende des Tages hat man einfach auch als Parlamentarier nicht hinnehmen können, dass sich die ÖVP mit 31 Prozent der Stimmen die Republik mit hundert Prozent unter den Nagel reißt. Dafür sind wir als Parlamentarier nicht gewählt worden. Am Ende hat sich Sebastian Kurz selber seines Vertrauens beraubt, in dem er diese Maßnahmen gesetzt hat ohne mit den anderen darüber zu sprechen. Der Handstreich der ÖVP ist nicht geglückt. Das muss sich Sebastian Kurz selbst fragen, ob sie zu unfähig sind, solche strategischen Entscheidungen zu treffen. Oder ob er von der alten ÖVP in diese Entscheidung hineingetrieben worden ist.

Wochenblick: Haben Sie keine Angst, dass es beim Wähler nicht einen Kick-Back-Effekt gibt? Nach dem Motto „Die FPÖ stürzt einen erfolgreichen Kanzler“.

Hafenecker: Diese Sorge habe ich nicht, denn man muss immer fragen, wo der Ursprung der gesamten Situation liegt. Die FPÖ war zu allen Kompromissen bereit das Projekt weiter am Laufen zu halten. Auch im Hinblick auf das Innenministerium. Die ÖVP hat mit gezinkten Karten gespielt und am Ende des Tages nach der Macht gegriffen. Das haben sie gemacht, jetzt hatten sie die Macht drei Tage lang gehabt und der Fall ist somit erledigt.

Wochenblick: Wie zufrieden sind Sie mit dem Wahlergebnis der gestrigen EU-Wahl?

Hafenecker: Vor dem Hintergrund, dass wir im Prinzip zehn Tage vor der Wahl eine riesige Explosion gehabt haben, die die Uhren komplett zurückgestellt hat, haben wir die Lage gut gemeistert. Wir haben es geschafft in dieser Zeit den Wahlkampf komplett neu aufzusetzen. Harald Vilimsky ist gerannt wie ein Verrückter und hat alles mögliche gemacht, auch die wichtigen TV-Diskussionen gewonnen. Für unsere Funktionäre ist das 18 Prozent Ergebnis sensationell. Das sollten auch Leute zur Kenntnis nehmen, die uns schon zu früh abgeschrieben haben.