Rainer Rechberger bekommt die Bücher für seine "Bücherstube" in Altmünster teilweise einfach von Menschen, die Altes abgeben und Neues suchen.

Die Bücherstube von Rainer Rechberger in Altmünster feiert bald ihr 25. Jubiläum. Sie ist Treffpunkt für Literaturfreunde und eine karitative Einrichtung zugunsten kranker Kinder.

Ein Interview von Kornelia Kirchweger

Ein Leben inmitten von Büchern – war das so geplant?

Nicht ganz. Ich war früher in verschiedenen Berufen tätig, in ganz Österreich. Im Büro, im Sozialbereich und als Arbeiter. Mein Traum war aber eigentlich die Filmbranche. Als Drehbuchschreiber und Regisseur. Das hat sich leider nicht erfüllt. 1995 wurde ich hier, in meinem Elternhaus, sesshaft. Hier hat alles angefangen, hier lebe ich meinen Freigeist.

Ihre Bücherstube hat auch einen karitativen Zweck?

Ja. Einen Großteil der Bücher, die ich bekomme, spende ich an den Verein Lichtblick durch Team Josef in Wels. In Summe sind das 20 Tonnen pro Jahr. Der Verein gibt die Bücher teilweise ins Altpapier, teilweise verkauft er sie auf Flohmärkten. Der Erlös geht als Hilfe an schwer kranke Kinder. 

„Freigeist“ gegen Mainstream – wie überlebt man da?

Man braucht Rückgrat und Prinzipien. Es ist eine Herausforderung. Denn der Freigeist widerspricht den Schablonen, hierarchischen Ordnungen, Zugehörigkeiten. Der Freigeist lehnt alles ab, was den freien Willen kontrollieren will. Unabhängig und unbeeinflusst zu leben, war immer mein Ziel. Selbst zu entscheiden, was ich lernen will und wer mein Lehrender ist.

Haben Sie eine Familie?

Ich war nie verheiratet, das würde meinem Freigeist widersprechen. Aber ich habe einen Sohn, der studiert hat und jetzt einen sehr interessanten Beruf ausübt.

Werden Sie angefeindet?

Nicht direkt, aber ja. Meine Art zu leben macht manchen Menschen Angst. Sie passt nicht in die heutige Zeit – ich beweise aber, dass es möglich ist. Ich bin offen, in keiner Ideologie gefangen. Viele können damit nichts anfangen. Lebt man abseits der Norm, wird man schief angeschaut, es entstehen böse Gerüchte. Ich habe immer nach Menschen gesucht, von denen ich etwas lernen kann. Die meine Entwicklung vorantreiben.

Lehnen Sie die „moderne Welt“ ab?

Nein. Aber im Moment brauche ich sie nicht. Das ist keine Ideologie. Das kann sich wieder ändern und dafür bin ich offen. Ich habe kein Handy, keinen Fernseher, kein Auto, kein Internet. Filme schaue ich auf einem DVD-Player an. Ich fahre mit dem Rad. Ich gehe täglich ins Kaffeehaus. Dort lese ich die Tageszeitungen. Nachmittags bin ich hier in der Bücherstube. Ich habe ja jeden Tag offen. Ich reise nicht.

Können Sie von der Bücherstube leben?

Ja. Ich führe ein bescheidenes Leben, investiere kaum in materielle Dinge, sondern vor allem in meine persönliche Entwicklung. Mir ist es wichtig, „aus einem Guß“ zu leben – im Einklang zwischen Denken und Handeln. Ich bemühe mich auch, aus meinem Handeln keine Erwartungen abzuleiten.

Ihr Lebensprinzip ist der „Humanismus“…

Ja, eine Lebensart, die keinem anderen Wesen – egal wo, schadet.  Mit Intuition zu leben, auf die innere Stimme zu hören. Man muss auch seine eigenen Abgründe bändigen, das leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wohlstandssteigerung. Man muss aber auch wissen, dass man aufeinander angewiesen ist, niemanden ausnutzen soll und in keine Abhängigkeit geht.

Die Bücherstube ist keine herkömmliche Bibliothek. Sie ist bereits ein Geheimtipp für Literaturfreunde aus ganz Österreich. Die meisten Bücher sind im „Stöckel“ – einem alten Bauernsacherl mitten im Garten.

Was hören, lesen oder sehen Sie gerne?

In der Musik keine Klassik. Weil ich die Frauenfeindlichkeit der Komponisten jener Zeit ablehne. In der Literatur, zur Zeit: der vietnamesische, buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh. Ein spiritueller Führer und Poet. Beim Film: alles aus der „Handy-freien“ Zeit. Französische Filme, da liebe ich den Schauspieler Fernandel. Schwarz-weiß-Filme, alte Western und asiatische Filme.

Würden Sie rückblickend etwas ändern?

(Denkt lange nach). Weniger Zeit vertrödeln. Fremdsprachen lernen, leider habe ich keine Begabung dafür.

Was wünschen Sie sich noch vom Leben?

Zu erkennen, wann Veränderung notwendig ist, offen dafür zu sein und die Kraft dafür zu haben. Weiterhin ohne Eigennutz zu handeln. Positive Selbstbeschränkung zu leben, was nicht bedeutet, Not zu leiden oder einen Mangel zu haben. Generell möchte ich durch mein Handeln den Alltag segnen.