Das Horrorszenario Blackout ist in aller Munde. Das gestrige große Blackout von Facebook, WhatsApp und Co. könnte ein kleiner Vorgeschmack dafür gewesen sein, was auf uns zukommt. Zum gleichen Zeitpunkt war Deutschland von weitreichenden Netzausfällen betroffen. Viele sind sich sicher, dass es zu einem gigantischen Strom- und Versorgungskollaps kommen wird. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann dieses Großereignis eintreten wird. Um brennende Fragen zu klären trat Wochenblick mit dem internationalen Blackout- und Krisenvorsorge-Experten Herbert Saurugg erneut ins Gespräch. 

Von Birgit Pühringer

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  • Blackout ist ein plötzlicher Kollaps – es ist keine Hilfe möglich
  • Systemüberlastung oder Eingriffe von außen
  • erneuerbare Energie fordert das Stromnetz, da die Reserve für einen Ausgleich noch nicht vorhanden ist
  • Abschaltung der Kohle- und Gaskraftwerke führt zu Überlastungen
  • APG stellt Kommunikation im Falle eines österreichweiten Stromausfalles sicher
  • Europa ist ein Verbund von 36 Ländern
  • Blackout in den nächsten Monaten bis wenigen Jahren
  • für ein europaweites Blackout ist Vorsorge von mindestens 14 Tage nötig

Als Berufsoffizier beim Österreichischen Bundesheer war Herbert Saurugg zuletzt im Bereich der Militärischen Informations- und Kommunikationssicherheit tätig. Seit nunmehr zehn Jahren ist er als Blackout-Experte international unterwegs. Seine Expertise ist äußerst gefragt. Auf seiner Webseite dokumentiert er beispielsweise „bedenkliche Ereignisse“ von weiträumigen Ausfällen. So kam es am 24. Juli zu weiträumigen Ausfällen in Spanien, Portugal und Frankreich. Österreich wäre beinahe davon betroffen gewesen, so wie auch am 8. Jänner, als es Problem in Kroatien gab.

Was ist ein Blackout? Wie definieren Sie das?

„Ein Blackout ist ein plötzlicher, überregionaler, weite Teile Europas betreffender, langer andauernder Strom- und Versorgungsausfall. Und eine Hilfe von außen ist nicht möglich. Und das ist etwas völlig anderes als ein Stromausfall. Beim Stromausfall sind die Leitungen betroffen, aber das restliche System funktioniert.“

Kollaps durch Überlastung oder Einwirkung von außen

Wie kann es zu einem Blackout kommen?

„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie es zu einem flächendeckenden Stromausfall kommen kann. Beispielsweise die alternde Infrastruktur und erneuerbare Energie können dazu führen. Erneuerbare Energie ist nicht schlecht, aber die politischen Vorgaben sind schwierig zu erfüllen. Auch Sabotage und Cyberangriff sind nur einige Beispiele. Entweder es kommt zu einem Kollaps durch Systemüberlastung ohne Eingriffe von außen, was an sich schon schlimm genug ist. Oder aber, es hilft noch wer nach. Was noch viel schlimmer ausfallen würde.

Die Abschaltung der Kohlekraftwerke bis Ende dieses Jahres und nächsten Jahres kann zu massiven Problemen führen. Der Stromhandel wird sogar noch erweitert und das obwohl Leitungen, die benötigt werden, noch gar nicht fertig sind. Das Stromsystem ist ein außerordentlich fragiles System. Die Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch muss hergestellt sein. Nämlich 31,5 Millionen Sekunden pro Jahr muss diese Balance exakt funktionieren. Es reicht ein Fehltritt, um diese Balance aus dem Gleichgewicht zu bringen.“

Keine Reserve für Kohle- und Gaskraftwerke

Gibt es Back-Up-Kraftwerke?

„Es gibt keine Ersatzkraftwerke. Aufgrund der Umstellung auf erneuerbare Energie, werden nach und nach die Kohle- und Gaskraftwerke abgestellt. Es wurden ja bereits einige abgestellt, die nach einigen Tagen wieder in Betrieb genommen werden mussten. Denn man hat gesehen, dass die Abschaltung zu einer Überlastung des Stromnetzes führt. Reserve wäre dringend nötig. Die Frage ist aber, ob und wann die verfügbar ist. Die Reserve hätte man vor Abschaltung der Ersatzkraftwerke, nämlich den Kohle- und Gaskraftwerken, bereitstellen müssen.

APG für österreichweiten Stromausfall

Ist die APG (Austria Power Grid), mit der Innenminister Nehammer eine Kooperation abgeschlossen hat, eine Absicherung für die Stromversorgung? Immerhin wirbt sie damit, Österreichs Stromversorgung zu sichern.

„Im Falle eines kontinentalen, also europaweiten, Blackouts kann die APG die Stromversorgung nicht absichern. Aber im Falle Strommangellage ist diese Kooperation zwischen Innenministerium und APG sehr wertvoll. Die APG stellt sicher, dass die Kommunikation funktioniert. Ich habe so eine Kooperation schon vor fünf Jahren vorgeschlagen. Falls sich ein größerer regionaler Stromausfall ankündigt, gibt die APG diese Informationen an das Innenministerium weiter. So ist es möglich, die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. Kündigt sich so ein durch Stromausfall starke Schwankungen an, können einzelne Regionen vom Netz genommen werden, um einen kompletten Zusammenbruch des Stromnetzes zu vermeiden. Da gibt es eine Vorlaufzeit. Das ist der Unterschied zu einem Blackout! Ein Blackout ist ein abrupter Systemkollaps!“

36 Länder in Europa vernetzt – Österreich kauft fast die Hälfte seines Stroms aus dem Ausland!

Wie funktioniert die Vernetzung der europäischen Kraftwerke? Weshalb hängen diese zusammen und wäre es auch möglich, regional Strom anzubieten?

„Wir hängen in einem europaweiten Verbund zusammen. 36 Länder von Portugal bis in die Osttürkei und von Sizilien bis nach Norwegen. Rein theoretisch wäre es möglich, regional Strom zu produzieren und zu verkaufen. Es käme aber zu teuer. Aufgrund der hohen Nachfrage und des hohen Stromverbrauches ist es viel billiger Strom aus dem Ausland zuzukaufen. In Österreich wird fast die Hälfte an Strom zugekauft.“

Blackout kommt

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in naher Zukunft zu einem Blackout kommt?

„Ich bin mir sicher, dass es in den nächsten Monaten bis wenigen Jahren zu einem Blackout kommt. Im heurigen Jahr gab es bereits zwei große Warnungen, die auf einen Zusammenbruch hindeuteten. Nämlich am 8. Jänner und am 24. Juli. Diese konnten gerade noch abgefangen werden. Zuvor gab es solche Ereignisse lediglich einmal im Jahr 2003, dann 2006 und 2015. Dass es nun innerhalb kurzer Zeit gleich zu zwei großen Problemen kommt, muss als Warnhinweis ernstgenommen werden. Zum Glück haben die Mechanismen gut funktioniert und es kam zu keinem Großereignis.“

Versorgung für mindestens 14 Tage nötig

Sollte es zu einem Blackout kommen. Von welchem Zeitraum sprechen wir da, für den man vorsorgen sollte? Und wie lange dauert die Reparatur oder die Kraftwerke wieder hochzufahren?

„Es ist unbedingt wichtig, die Menschen auf ein derartiges Szenario zu sensibilisieren. Wir müssen sie wachrütteln und aufklären – ohne Panikmache! Für mindestens 14 Tage sollte sich jeder versorgen können. Wenn es nur in Österreich zu einem Stromausfall kommt, kann das eine Dauer von etwa 24 bis 48 Stunden haben. Aber kommt es in Europa zu einem Blackout, dauert es etwa eine Woche bis die Stromversorgung wieder anläuft. Aber eine Woche ohne Strom bedeutet auch kein Handy, kein Festnetz, kein Internet. Und ohne Telekommunikation gibt es in weiterer Folge keine Versorgung, also keine Waren und kein Benzin. Daher ist es nötig, dass sich jeder für eine Zeit von mindestens 14 Tage selbst versorgen kann. Denn bis die Versorgung mit Waren wieder anlaufen kann, dauert es ebenso seine Zeit. Es ist wichtig, nicht in die Bedrängnis zu kommen, weinende hungrige Kinder zu Hause zu haben. Denn, was macht man, wenn die Kinder nichts mehr zu essen haben? Woher nimmt man das? Deswegen kann ich nur an alle Menschen appellieren: Wichtig ist es, dieses Thema ernst zu nehmen. Kümmern Sie sich um ausreichend Lebensmittel und Wasserversorgung für mindestens 14 Tage. Bedenken Sie dabei, dass es keine wirkliche Alternative zur Eigenvorsorge gibt! Alles, was Sie nicht selbst verfügbar haben, wird Ihnen niemand ersetzen können! Sie und Ihre Familie sind zunächst einmal auf sich selbst gestellt!“

 

Informationen für die Vorbereitung auf ein Blackout und Vorsorge finden Sie hier auf der Webseite von Herbert Saurugg: Verhaltenstipps – Was kann ich tun?Einkaufsliste Basisvorrat , Checkliste Basisvorrat sowie Tipps für die ganze Familie – persönliche Vorbereitung und Bewältigung

Weitere hilfreiche finden Sie hier von AUF1.

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