Vergangenen Samstag demonstrierte „Extinction Rebellion“ in Wien. Doch bemerkt wurde die Gruppe, die sich gerne auch Marx-Zitaten bedient und die bestehende Gesellschaft zu überwinden sucht, kaum. Alleine auf weiter Flur blockierten die Aktivisten eine Kreuzung. Die Aktion sollte offenbar vor allem PR-Fotos generieren. Der Plan, Chaos zu erzeugen, ging nicht auf, berichtet unser Gastautor.

Ein Gastbeitrag von Georg Immanuel Nagel

Der österreichische Ableger der aus England stammenden Gruppe „Extinction Rebellion“ hat seine Anschrift in der Wiener Josefstadt, die den Ruf genießt, ein links-grünes Biotop zu sein. An der selben Adresse scheint auch der Jurist Marcus H., der früher Chef der Piratenpartei war und in der linken Szene bestens vernetzt ist, auf. Registriert ist die Gruppe als „Partei für das Überleben der Menschheit“. Ihre Anhänger glauben, dass der natürliche Klimawandel menschengemacht ist und unmittelbar auf eine Katastrophe, die droht, den Globus zu entvölkern, zuläuft. Um dies abzuwenden müsse man sich jetzt erheben.

Medienvertreter wurden eingeladen

In einer Presseaussendung hatten sie deshalb eine große Aktion in Wien, die die Bevölkerung wachrütteln soll, angekündigt. Als Treffpunkt für Medienvertreter wurde die Ruprechtskirche beim Schwedenplatz angegeben. Ab 14.20 Uhr sollen die Journalisten dort abgeholt und gleich zum Ort des Geschehens geführt werden. Doch es gibt organisatorische Probleme. Es ist unklar, wann es los geht. Die meisten Journalisten wollen nicht warten. Zuerst gehen die Kollegen vom ORF. Nach einer halben Stunde sind alle weg. Nur der Autor dieser Zeilen hält noch durch und nutzt die Wartezeit für ein ausführliches Gespräch mit Niklas, dem Pressesprecher der Bewegung.

Wollen bestehende Gesellschaftsform überwinden

Niklas (rechts)

Niklas betont aber, dass er nicht offiziell der Pressesprecher sei, denn solche hierarchischen Positionen gäbe es bei ihnen nicht, denn Autoritätsstrukturen würden zu einem Gesellschaftstyp gehören, den sie überwinden wollten. Sie seien deshalb auch dezentral und wie ein Schwarm organisiert. Als revolutionäre Gruppe wolle man vor allem subversiv tätig sein. Es gäbe bei ihnen keinen Chef und alles würde sich spontan entscheiden. In Zukunft sollte auch das ganze Land so funktionieren, denn die parlamentarischen Prozesse seien zu langsam und träge und es wäre ja höchste Eile geboten, um den drohenden Untergang noch abwenden zu können. Niklas träumt von einer Regierung der „Bürgerräte“, wodurch alle sozialen Konflikte überwunden werden könnten und zitiert den kommunistischen Vordenker Karl Marx.

Sympathische Leute, naives Weltbild

Niklas und die anderen sind wirklich sympathische Leute und man merkt, dass sie tatsächlich glauben, was sie predigen und dass sie eine hohe idealistische Motivation haben. Doch ihr Weltbild wirkt sehr naiv. Der Einwand, dass so eine utopische Gesellschaft nicht funktionieren kann, weil das der Natur des Menschen widerspricht, wird mit der Erklärung, dass sich der Mensch sehr wohl weiter entwickeln könne, weggewischt. Auch die Technologien für eine vollständige Energiewende gebe es längst, sie würden bloß unterdrückt.

Großbritannien: Extinction Rebellion-Gründer festgenommen

Niklas versichert, dass ihr Protest trotz allem friedlich bleiben wird und, dass es eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei gäbe. In Großbritannien wurde mittlerweile Gail Bradbrook, einer der Gründer von „Extinction Rebellion“, festgenommen. Ihm werden zahlreiche Sachbeschädigungen und der öffentliche Aufruf zu Straftaten vorgeworfen.

Wollten Corona-Kritiker blockieren

Während wir weiter warten, dass die Aktion endlich los geht, zieht im Hintergrund eine Anti-Corona-Demo vorbei. Kurz beraten die Aktivisten, ob man nicht vielleicht die Pläne ändern und stattdessen die „Schwurbler“ blockieren sollte. Einer macht den Einwand, dass dies zu gefährlich sei, weil da „viele Nazis“ mitmarschieren würden. Außerdem würden die Gegner der Corona-Zwangsmaßnahmen „von der Polizei hofiert“, was angesichts der oft massiven Polizeigewalt gegen regierungskritische Demos eine wunderliche Ansicht ist.

Die Versammlung von Extinction Rebellion wurde von der Polizei geschützt.

Auf leerer Straße wird Rebellion inszeniert – Ohne Publikum

Kurz vor 17 Uhr sendet der „Schwarm“ endlich das Startsignal. Es geht los und wir gehen flotten Schrittes zur Urania am Franz-Josefs-Kai, einer breiten Verkehrsachse in Wien. Die Straße wird von etwa sieben Aktivsten, die ein Transparent halten, blockiert. Eine Frau spricht durch ein Megaphon. Es sind bereits dutzende Polizisten und Einsatzfahrzeuge vor Ort. Die Exekutive hat alles im Griff. Nur wenige Minuten lang kommen überhaupt noch Autos, die einfach links vorbei fahren. Bald schon sind alle Zugangsrouten abgesperrt und die Gegend ist wie ausgestorben. Wenige Passanten gehen achtlos vorüber. Hier auf einer leeren Straße wird die Rebellion inszeniert. Man brüllt Parolen und macht PR-Fotos. Doch es ist eine Rebellenpose ohne Publikum.

Extinction Rebellion allein auf weiter Flur.

Der Plan, den Verkehr lahm zu legen und Chaos zu verursachen ist nicht aufgegangen. Einsam protestieren die Klimarebellen nur für sich selbst und sind bald schon von der Polizei voll umstellt. Aus der großen Ankündigung wurde bloß ein Sturm im Wasserglas. In einigen Mainstream-Medien wurde dieser Reinfall trotzdem als eindrucksvolles Spektakel dargestellt.

Video der Kundgebung:


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