Seit 36 Jahren bildet Michael Rauch in seiner Fahrschule in Traun angehende Verkehrsteilnehmer aus. Sein Motto: Mein Beruf ist meine Berufung!

Ein Interview von Julian Utz

Wochenblick: Herr Rauch, Motorradfahren birgt vor allem als Anfänger Gefahren, auf die man aufpassen muss. Eine Knautschzone wie beim Auto gibt es nicht. Worauf sollte man beim Kauf eines Motorrads achten?

Michael Rauch: Man muss prinzipiell zwischen „Wiedereinsteiger“ und „Anfänger“ unterscheiden. Bei den Wiedereinsteigern gibt es in der Statistik mehr Unfälle, weil sich das Motorrad in der Zwischenzeit enorm weiterentwickelt hat. In Jugendjahren waren die Motorräder meist schwächer. Nach 15 bis 20 Jahren kaufen sich viele ein zu starkes, schweres oder kurvenunwilliges Modell. Für den Anfang sollte man sich ein „geziemtes“ Motorrad kaufen und unbedingt eine Proberunde drehen.

Seit 16 Jahren gibt es nun die sogenannte Mehrphasenausbildung, auch beim Motorrad. Welche Vorteile sehen Sie darin und welche Veränderungen gab es zwischenzeitlich auch bei Prüfungssituationen?

Der Gesetzgeber hat in Bezug auf die Führerscheinausbildung mit der Zeit wichtige Anpassungen durchgeführt: Fahren im Straßenverkehr, sinnvolle Fahrzeiten, die Abstufung der Führerscheinklassen von A1, A2 und A. In Oberösterreich haben wir den Vorteil, dass die Prüfer untereinander sehr gut abgesprochen sind. Die oö. Landesregierung ist sehr dahinter, dass dies wirklich funktioniert. Das war früher einmal anders, da waren nicht immer die gleichen Voraussetzungen bei jedem Prüfer gegeben.

Welche Fehler kann ein Neuling beim der Anschaffung eines Motorrads samt Ausrüstung machen? Wie wichtig ist bei angehenden Motorradfahrern die Gefahrenwahrnehmung?

Es fängt schon einmal an, dass man sich das falsche Motorrad kauft, das falsche Gewand an hat. Bei Rollerfahrern ist häufig zu beobachten, dass diese Art fast gar keine Schutzbekleidung trägt. Zusätzlich fahren diese Leute noch wie die Räuber, dieses Image wird ihnen auch in der Werbung vermittelt. Von diesen Fahrern gibt es einfach sehr viele. Wenn man dann einen Fahrfehler macht, tut es richtig weh. Das Einzige, was mich schützt, ist die Vernunft und die Erfahrung. Ich habe immer die notwendige Schutzbekleidung an, auch wenn es draußen sehr heiß ist. Die Gefahr ist zu groß, sich selbst und andere zu verletzen. Ein Steinschlag oder eine Wespe können sehr, sehr schmerzhaft sein.

Was sind typische Unfallursachen beim Motorradfahren und welche Risiken werden das gesamte Jahr über gerne unterschätzt?

Viele Lenker denken, dass im Besonderen die falsche Wahl der Geschwindigkeit am häufigsten zu Unfällen führt. Unterschätzt wird dagegen die Gefahr von Kreuzungsunfällen im Ortsgebiet. Witterungsbedingte Gründe gehören meiner Meinung nach zu besonders vernachlässigten Gründen. Vor allem während der Erntezeit, aber auch das gesamte Jahr wird die Bauernglätte, land- und forstwirtschaftliche Verschmutzungen der Fahrbahn, bei Wiesen und Feldern übersehen. Im Frühjahr sind die Autofahrer auch noch nicht an die Motorradfahrer gewöhnt. Sie müssen sich erst wieder danach richten, dass in manchen Verkehrssituationen ein Motorradlenker auftauchen könnte. Anfang Juli beginnt zum Beispiel die Rehbrunft und auf den Straßen besteht erhöhte Gefahr von Wildwechsel. Krötenwanderungen sind ebenfalls ein Thema, das man beachten sollte. Im September beginnen die veränderten Lichtverhältnisse, insbesondere die tiefer stehende Sonne und längeren Schatten. Grundsätzlich ist es sehr gefährlich, wenn man sich nicht an die Vorschriften hält. Ich kann jedem Motorradfahrer den Tipp geben: Fahrt in den Kurven eine Geschwindigkeit, wo man sich noch traut, eine Vollbremsung zu machen. Ich habe immer ein Worst-Case-Denken, das mich beschützt. Wenn sich eine Gefahrensituation anbahnt, sollte man sofort mit einer Vollbremsung beginnen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!