Sebastian Kurz ist mittlerweile der neue Social Media-Kaiser der österreichischen Politik. Der Kanzler hat auf Twitter knapp 400.000 Fans – allerdings nur etwas mehr als die Hälfte sind auch real.

Dies ist das Resultat einer aktuelle Erhebung des Wochenblick über einen Audit auf dem Portal Sparktoro. Nicht weniger als 186.171 der 399.508 Follower von ÖVP-Kanzler Kurz seien demnach sogenannte „Fake-Follower“. Darunter versteht das System Nutzerkonten, die entweder Spam, Bots, Propaganda-Kanäle oder inaktiv sind.

Kurz hat zweitschlechtesten Wert der Parteichefs

Es wird also dem Nutzer suggeriert, dass der Kanzler über eine Vielzahl von Fans im Netzwerk verfügt – nur halt, dass über 46 Prozent davon Fake sind. Damit liegt sein Wert über jenen der meisten anderen heimischen Parteichefs: Bei Werner Kogler und Beate Meinl-Reisinger sind es etwa 45 Prozent, bei Pamela Rendi-Wagner 42 Prozent.

Einzig bei Norbert Hofer sind es mit 53 Prozent mehr als bei Kurz – dort sind es aber nur etwas mehr als 13.000 „Fake-Accounts“. An letzter Stelle kommt kurioserweise HC Strache mit knapp 40 Prozent – im Vergleich zu seinem alten Account aber eine herbe Verschlechterung im Vergleich zu 2017, damals waren noch 86 Prozent seiner Fans real…

Mehr „falsche Fans“ als heimische Twitter-Nutzer

Trotzdem verblüffen vor allem die Fake-Zahlen des Kanzlers, bei dem die Detailanalyse zudem ergibt, dass 76 Prozent seiner Fans eine „verdächtig geringe Anzahl an Followern“ aufweisen. Denn Kurz hat offenbar mehr falsche Sympathisanten, als es überhaupt in Österreich an Twitter-Konten gibt. Die Welser Firma Artworx erhob im Vorjahr nämlich nur 155.000 heimische Nutzer im Kurznachrichten-Dienst.

Die Vorwürfe der vielen Fake-Accounts bei Spitzenpolitikern sind keine Neuigkeit. Denn schon bei einer Erhebung aus dem Jahr 2017 war laut Standard die Hälfte der Kurz-Follower unecht. Bei Ex-SPÖ-Kanzler Werner Faymann sorgte die Affäre über falsche Freunde und angeblich gestellte PR-Bilder auf Facebook im Jahr 2011 sogar zu einer öffentlichen Debatte.

ZiB2-Anchor Wolf: Fast zwei Drittel Fake-Follower

Zumindest einen positiven Vergleich können sich die heimischen Parteichefs auf die Fahnen heften – nämlich den, dass sie keinesfalls die heimischen „Fake-Kaiser“ sind. Ein starker Kandidat dafür ist ZiB2-Moderator Armin Wolf, bei dem die Plattform ermittelte, dass 286.270 oder fast 65 Prozent seiner 443.142 Follower (Stand 12. Juni, 15 Uhr) nicht echt waren.