Ein Kommentar von Chefredakteur Kurt Guggenbichler:

Die Wahl ist gewonnen, sein Geschwätz von gestern muss ihn also nicht mehr kümmern. Erstaunlich schnell haben der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte und Konsorten wieder die Kurve in Richtung Kuschelkurs mit der Türkei gekriegt. „Wir würden die Spannungen gern abbauen“, flötet Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Planschaert jetzt in Richtung Bosporus.

Die von ihrem Regierungschef vor kurzem noch demonstrativ zur Schau getragene harte Linie gegen Erdogans Wild-West-Kurs war also reines Schmierentheater, um nicht noch mehr Stimmen an den Rechtspopulisten Geert Wilders und seine PVV zu verlieren. Die Rute, die Rutte dem Sultan vom Bosporus ins Fenster gestellt hatte, ist schon wieder verschwunden.

Was ein Großteil der niederländischen Bevölkerung darüber denkt, scheint den Ministerpräsidenten ziemlich egal zu sein. „Diese Wahl war  ein Fest für die Demokratie“, jubelt er, was er allerdings unerwähnt lässt ist die Tatsache, dass es auch ein Betrug an seinem Volk war – aus wahltaktischen Gründen.

Dabei fühlt man sich irgendwie an Österreich erinnert, wo Außenminister Sebastian Kurz, Innenminister  Wolfgang Sobotka und Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil  derzeit die Hardliner in den Causen Zuwanderer und Türkei spielen, damit ihre Parteien nicht noch mehr Stimmen an die Blauen verlieren. Denn die Gefahr, dass die Schwarzen oder Roten bei der nächsten Wahl im einstelligen oder maximal niederen zweistelligen Prozentbereich landen könnten, ist groß. Groß ist aber auch die Gefahr für alle Österreicher, die einen Kurswechsel wollen, dass sie den falschen Propheten folgen und hinterher genauso enttäuscht sein werden wie so viele Niederländer, die Rutte vertrauten, der vorgab die Türkei in die Schranken weisen zu wollen.

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