Eine neue, vom Land Oberösterreich in Auftrag gegebene und in der Vorwoche vorgestellte Studie bestätigt, was man auch davor schon vermutet hat: In einer Ära großer Orientierungslosigkeit wird die Familie immer wichtiger, weil diese ein sicherer Ankerplatz in stürmischer Zeit sei.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

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Sonntag gehört der Familie

Wochentags muss der Papa in Linz regieren, doch am Sonntag gehört Manfred Haimbuchner (41) meistens seinem Sohn Otto und seiner Frau Anette. Denn die Familie ist ihm „wichtig“.

Darauf pocht der oberösterreichische Familienreferent und Landeshauptmannstellvertreter, weshalb er sich an Sonntagen den Spätnachmittag bis in den Abend hinein von Terminen freizuhalten versucht.

Sonntags daheim

Eine Ausnahme mache er nur bei Medienterminen, sagt er, die nicht verschiebbar seien, wie beispielsweise die Teilnahme an einer „Im Zentrum“-Debatte im ORF.

Ansonsten versuche er daheim zu sein. Der Sonntag, an dem Haimbuchner gern etwas länger schläft, beginne oft mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem der gerade einmal 16 Monate junge Sohn Otto eine Scheibe Toast mit Butter geschmiert bekommt.

Dieser Toast wird dann mit einer hauchdünnen Scheibe Leberkäse belegt, den der Nachwuchs stets mit großem Vergnügen verzehrt.

Gemeinsame Ausflüge

„Der hält uns ganz schön auf Trab“, sagt Haimbuchner, der sich jetzt schon ausrechnen kann, wie lange es noch dauern wird, bis er mit Otto zu jener Stelle am Aiterbach in seinem Heimatort Steinhaus bei Wels spaziert, wo sich schon der junge Manfred im Alter von etwa zehn Jahren als Schwarzfischer betätigte, wie er freimütig eingesteht.

Mit seinen Lieben etwas zu unternehmen, das gehört nach Haimbuchners Meinung auch zu einem schönen Familienleben, das sich vor allem über gemeinsame Ausflüge und über die diversen Familienfeste im Jahreskreislauf positiv im Gedächtnis manifestiert.

Seine Meinung allein ist das freilich nicht. Denn jeder vierte Österreicher denkt schon so, wie nun auch in einer neuen Familien- und Wertestudie des Linzer IMAS-Instituts nachzulesen ist.

Vorgestellt wurde die Untersuchung unlängst „zwischen Mutter- und Vatertag“, wie Hainbuchner schmunzelnd bemerkt, ehe er die Quintessenz dieser Studie, die sich auch mit seiner eigenen Erfahrung deckt, resümiert: Familie sei der größte Halt im Leben und die wichtigste Orientierungshilfe!

Dazu nickt auch Meinungsforscher Paul Eiselsberg, dessen Institut die Studie Mitte März erstellte und dafür 1000 Personen in persönlichen Gesprächen befragen ließ. Die Familie stehe bei den Österreichern hoch im Kurs und käme noch lange vor Arbeit, Hobbys oder Freunden, erläutert er das Umfrageresultat.

Rezept gegen Ratlosigkeit

Einer der Gründe dafür sei die seit 2014 zugenommene Orientierungslosigkeit. Viele Menschen seien nämlich ratlos, sagt Eiselsberg, wüssten auch nicht mehr so recht, was falsch oder richtig sei.

So klammerten sich eben an die Familie (87 Prozent), zu der sie folglich eine „sehr starke Beziehung“ entwickelten, zumal diese ihnen auch „Orientierung“ gebe. Für 60 Prozent der Befragten ist die Familie ein Platz, an dem sie sich sicher fühlen.

63 Prozent sind auch der Meinung, dass man auch nur mit einer Familie wirklich glücklich sein kann – eine Überzeugung, die mit den über 60-Jährigen, besonders Frauen und die Landbevölkerung, teilen.

Vollkommen erscheint das Familienglück mit zwei Kindern, was laut Studie eine „optimale Familiengröße“ ist. Das sieht auch Haimbuchner so. Bei der idealen Familiengröße hat er selbst noch Nachholbedarf.

Glücklich ist er trotzdem jetzt schon, auch wenn Familie oft mit Verzicht einhergehe wie er betont. Etwas Besonderes sei sie trotzdem. Der Familie zuliebe verzichtet Haimbuchner sonntags auch auf so manche Jagdfreude, weshalb er heuer auch noch keinen Maibock erlegt habe.

Ohnehin wiege der finanzielle Verzicht, den es bei vielen anderen Familien im Land gebe, schwerer. Solchermaßen Betroffene würden daher vom Familienreferat des Landes mit zielgerichteten Leistungen unterstützt, sagt Haimbuchner und verweist auf Kinderbetreuungsbonus, Mehrlingszuschuss und Schulveranstaltungshilfen.

Hilfe für Bedürftige

Nicht zuletzt gibt es auch noch die OÖ Familienkarte, die Anreize für gemeinsame Familienausflüge liefere und die Eltern und Kinder zusammenschweiße. Daher sei der Sonntag als arbeitsfreier Tag unbedingt zu erhalten und manchmal sollte man sich auch darüber hinaus ein wenig Freizeit für die Familie nehmen.

„Ich werde das am 15. Mai machen“, versprach Haimbuchner am Tag der Studienpräsentation: Zum einen, weil dies der „Tag der Familie“sei, sagte er, zum anderen „weil es mein Hochzeitstag ist.“