Vor knapp zehn Monaten kam der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis (Minnesota) infolge eines Polizeieinsatzes ums Leben. Die Stadt Minneapolis sprach der Floyd-Familie nun 27 Mio US-Dollar zu.

Von Kornelia Kirchweger

Die Familie brachte letzten Juli gegen die Stadt und drei Polizisten eine Zivilklage ein. Darin heißt es u.a., mit der Festhaltung von Floyd haben die Polizisten gegen seine Rechte verstoßen, die Stadt habe eine Kultur exzessiver Gewalt, Rassismus und Straflosigkeit in ihrer Polizei gedeihen lassen.

Rekord-Zahlung

Die Zahlung an die Floyd-Familie wurde vom Stadtrat einstimmig beschlossen. Der Familienanwalt von Floyd, Ben Crump, sprach von der „größten vorgerichtlichen Einigung“, die jemals für einen Bürgerrechtsanspruch erzielt wurde. Der Weg zur Gerechtigkeit werde noch lang sein. Dies sei nur ein Schritt auf der Reise dorthin, sagte Crump. In der Summe sind 500.000 US-Dollar enthalten, die an das Südviertel der Stadt geht, das seit dem Tod Floyds verbarrikadiert ist. Dort steht eine riesige Metallskulptur von Floyd und Wandgemälde zu seinen Ehren.

Beeinflussung der Geschworenen?

Kritische Beobachter befürchten, die Entscheidung der Stadt könnte ein vorgerichtliche Werbung sein, die nachteilig für die Verteidigung von Chauvin sei. Juroren könnten deshalb nämlich glauben, seine Schuld sei bereits entschieden. Zur Zeit läuft die Suche nach „neutralen“ Geschworenen für den Hauptprozess gegen Chauvin, am 29. März. Kein leichtes Unterfangen, nach dem Floyd-Ereignis, das in der Stadt und überall in den USA zu Aufmärschen der Black Lives Matter Bewegung, verbunden mit Randalen, Verwüstung und Gewalt führte. Letzten Freitag wurde eine weitere potenzielle Jurorin entlassen, weil sie eine negative Einschätzung der Angeklagten eingestanden hatte. Der Prozess gegen Chauvin startet am 29. März. Das Verfahren gegen die beiden mitangeklagten Polizisten findet separat, kommenden August, statt.

Drogen und Krankheit

Floyd wurde am 25. Mai des Vorjahres für Tod erklärt, nachdem Chauvin sein Knie minutenlang auf den Hals von Floyd drückte. Floyd litt an Herzinsuffizienz und einer Blutkrankheit. Der Autopsiebericht stellte Drogenkonsum fest und dass Floyd Corona positiv war. Der Gerichtsmediziner entschied, Floyds Tod (Herzinsuffizienz) sei Mord, der zum Teil durch die Festhaltung der Polizei verursacht wurde.  Floyds Familie befasste einen unabhängigen Prüfer, der als Todesursache „Erstickung durch anhaltenden Druck“ anführte. Nach Floyds Tod kam es in vielen US-Städten zu Verwüstung und Gewalt, insbesondere auch in Minneapolis.

Kriminelle Vergangenheit

Der damalige Chef der städtischen Polizeigewerkschaft, Bob Kroll, wies auf die „kriminelle Vergangenheit“ von Floyd hin, die man nicht vergessen dürfe und die von den Medien verschwiegen werde. Floyd war 2009 für fünf Jahre im Gefängnis wegen Überfall und Raubüberfall und hatte davor schon einige Klagen wegen Diebstahls mit einer Schusswaffe bis hin zu Drogenmissbrauch. Die Probleme in der Stadt gebe es u.a., weil die Stadt die Polizei massiv minimierte und statt dessen Anti-Polizei-Aktivisten finanzierten, beklagte Kroll damals und sicherte den angeklagten Polizisten seine Unterstützung zu.