Der norwegische muslimische Rapper Kaveh Kholardi rief anlässlich eines Konzertes ins Publikum „Fuck Jews“. Er wurde wegen  Anstachelung zu Antisemitismus und Hass angezeigt. Die norwegische Polizei legte den Fall dennoch ad acta. Die Staatsanwältin sieht in der Aussage keine Straftat. Kaveh ist Rapper, Liederschreiber, Künstler und Produzent mit iranischen Wurzeln.

Ein Report von Kornelia Kirchweger

Schockierende Aussage brüskiert Juden

Während des „Haugen-Festivals“ in Oslo, letzten Sommer, das im Zeichen von Vielfalt und Gemeinsamkeit stand, gratulierte Kaveh den Muslimen zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Er fragte in die Menge hinein, ob auch Christen und Juden anwesend sind. Nach einer kurzen Pause sagte er „fuck Jews“. Und kurz darauf: „…ich mache nur Spaß“.

Aussage fällt unter künstlerische Freiheit

Konzertbesucher und Veranstalter protestierten gegen seine Aussage. Die Polizei sah keinen Grund dafür, deshalb ein Verfahren anzustrengen. Das Ganze falle unter die Freiheit eines Künstlers, provokative oder satirische Aussagen zu machen. Staatsanwältin Trude Antonsen war derselben Meinung: Kavehs Worte seien zwar höchst abwertend, beleidigend und nicht richtig, dennoch seien sie nicht als Straftat einzustufen.

Einige Personen erstatteten letzten Sommer Anzeige gegen den Rapper wegen Rassismus. U.a. auch Ervin Kohn, Leiter der Mosaischen Gemeinschaft Norwegens und des Antirassismus-Zentrums. Kohn kündigte den Gang zum Generalstaatsanwalt an, um den Rapper vor Gericht zu bringen. Denn was dieser sagte, komme „Zur Hölle mit den Juden“ gleich, meinte er. Kohn macht die Anzeige als Privatperson.

Rapper rechtfertigt sich

Der Rapper rechtfertigte sich später auf Facebook: Seine Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert worden. Er habe das ironisch gemeint. „Ich bin kein Rassist und auch nicht jemand, der Juden hasst“ unterstrich er. Das Posting wurde später entfernt, auf Twitter entbrannte ein Shitstorm gegen ihn.

Im Juni provozierte Kaveh auf Twitter mit einem anderen Posting: „Wie kann es sein, dass Drake (jüdisch-kanadischer Rapper) es auf die Titelseite von GQ (Anm. d. Red. Magazin Gentlemen’s Quarterly) als best-gekleideter Mann der Welt schafft? Asap Rocky hat einen 28mal besseren Stil. Fucking Jews…sie sind so korrupt“.

Judenfeindlichkeit bei Muslimen nimmt zu

Laut einem Bericht des norwegischen Fernsehens „NRK“ gibt es in Norwegen generell einen abnehmenden Antisemitismus. Innerhalb muslimischer Gemeinschaften nehme er aber zu. Umgekehrt vertreten die Norweger eine zunehmend kritische Haltung gegenüber Muslimen.

Einer Umfrage zufolge rechtfertigen 20 Prozent der lokalen Muslime und 11 Prozent der gesamten Bevölkerung Gewalt gegen Juden mit dem Nahost-Konflikt. 42% der befragten Muslime in Norwegen glauben, Juden haben zu viel Einfluss auf die Weltwirtschaft“, neun Prozent der Gesamtbevölkerung sind dieser Ansicht.  Zwei von drei norwegischen Juden stellen ihre Religionszugehörigkeit aus Angst nicht zur Schau.